Kirchheim

„Lieber habe ich Ruhe als frische Luft“

Morgen steigt der „Tag gegen Lärm“ – Immer mehr Menschen leiden unter Stress durch Krach

Wer kennt das nicht: Der Nachbar bohrt den ganzen Nachmittag in seiner Wohnung. Der Nebensitzer in der S-Bahn hört viel zu laut Musik. Der Presslufthammer von der Baustelle nebenan raubt einem den letzten Nerv. Und dann schnarcht auch noch der Partner. Da kommt der „Tag gegen Lärm“ morgen genau richtig.

„Lieber habe ich Ruhe als frische Luft“

Lieber Ruhe als frische Luft.

Kirchheim. Eine Zufallsumfrage des Teckboten in der Kirchheimer Fußgängerzone will der Lärmbelastung vor Ort auf den Grund gehen. „Welcher Lärm nervt besonders?“ lautet die Schlüsselfrage. Lisa Tangl ist durch ihren Beruf als Lehrerin einiges gewohnt, doch manchmal werden ihr die städtischen Baustellen und der Straßenlärm trotzdem zu viel. „Lieber habe ich meine Ruhe als frische Luft“, erklärt die 27-Jährige. Sie versucht zwar, die Geräusche auszublenden und nach Möglichkeit die Fenster zu schließen, doch manchmal bringt auch das nichts. Da kann es schon mal passieren, dass der Lärm bei ihr, trotz langem Atem, ziemlichen Stress auslöst. Sie ist sich sicher: Die Welt ist die letzten Jahren eindeutig lauter geworden.

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Michael Grosse ist Erzieher und hat durch die Kinder, wie Lisa Tangl, den ganzen Tag viel Tumult um sich. Doch diese Geräusche machen ihm überhaupt nichts aus. Was ihn stört, ist eher der Maschinen- und Autolärm. „Ich fühle mich dadurch einfach gestört und beeinträchtigt“, berichtet er. In seiner Freizeit macht Michael Grosse gerne ruhige Musik, gerade da nervt ihn Trubel besonders. Seiner Meinung nach ist in den letzten Jahrzehnten die Welt, durch den zunehmenden Autoverkehr, lauter geworden. Doch er meint auch: „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich älter werde und ein größeres Ruhebedürfnis habe.“

Frank Wieprecht macht, gemeinsam mit Michael Grosse, Musik, und auch ihn stört der Straßenlärm sehr. Ganz besonders schlimm findet er die Lkw-Fahrer, die den Motor beim Abladen der Fracht nicht abschalten. „Es ist immer irgendwas“, beschwert sich der 52-Jährige, der mitten in Esslingen wohnt. Wenn ein geschlossenes Fenster nichts mehr hilft, versucht der selbstständige Musiker dem nervigen Lärm mit Kopfhörern aus dem Weg zu gehen.

Genau so macht es auch die 21-jährige Melissa Seitz, wenn in der S-Bahn jemand mal wieder seine Musik viel zu laut aufgedreht hat oder Kindergeschrei alles übertönt. Der Lärmpegel macht sie irgendwann ziemlich aggressiv und dann wünscht sich die Studentin nur noch eines – sofort die S-Bahn verlassen zu können! „Ich habe das Gefühl, ich muss auf der Stelle aussteigen, obwohl die Bahn noch eine ganze Weile fährt“, erklärt sie.

Max Pradler wohnt direkt in der Stadt an einer viel befahrenen Straße. Vielleicht ist das der Grund, dass er eher entspannt mit dem Thema Krach umgeht. An den Verkehrslärm hat er sich schon gewöhnt. Aber Motorradfahrer, die unnötig beschleunigen, machen ihn mit der Zeit aggressiv. Das gilt auch für Nachbarn, die den ganzen Tag bohren. Wenn der Krach dem 23-Jährigen zu viel wird, schließt er entweder die Fenster oder verlässt seine Wohnung und geht ins Freie.

„Die Welt ist in den letzten Jahren viel, viel lauter geworden,“ stellt Martina Krönes fest. Auch sie stören röhrende Motorräder, viel befahrene Straßen und der Lärm von Flugzeugen. Getunte Autos und aggressive Fahrweise sind ihr ein Gräuel. Wenn ihr das Dröhnen allzu bunt wird und sie schon wütend macht, greift sie gelegentlich zu Ohropax. Das ist jedoch für sie die absolute Notlösung. Sie findet, dass gegen den Motorrad- und Autolärm durch strikte Senkung der zulässigen Dezibelzahlen gesetzlich vorgegangen werden müsste, weil Lärm gesundheitsschädigend ist.

Frank Wieprecht

Frank Wieprecht

Michael Grosse
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Melissa Seitz
Melissa Seitz
Max Pradler
Max Pradler