Lokale Kultur

"Liebesfrühling" mit Robert und Clara

WEILHEIM Das Schumann-Jahr steht, wie nicht anders zu erwarten war, leider ein wenig im Schatten des omnipräsenten Mozart-Jahres; eher rar sind die Konzerte, die dem gro-

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GUNTHILD ARNOLD

ßen romantischen Liedgenie gewidmet sind. Um so schöner, dass terminsicher zu einer "Sommer-Serenade" in das evangelische Gemeindezentrum auf dem Egelsberg in Weilheim geladen wurde.

Liebeslieder und -duette des legendären, glücklich-tragischen Musiker-Ehepaares Clara und Robert Schumann standen auf dem Programm, und der geräumige, akustisch günstige Saal konnte die in Scharen herbeigeströmten Schumann- und Liedfreunde kaum fassen nebenbei wurde so in kleinem Rahmen das oft zu hörende Vorurteil widerlegt, die Zeiten der Liederabende seien vorbei, es gebe heutzutage kein Liedpublikum mehr.

Die Sopranistin Christine Euchenhofer, Burkhard Seizer ( Bariton) und die Pianistin Sabine Schubert-Kessler bilden das war von den ersten Takten des ersten Duetts ("Wenn ich ein Vöglein wär", wunderbar zart und differenziert musiziert) an zu hören ein bestens aufeinander eingespieltes Liedtrio, dem man die langjährige gemeinsame Arbeit anhört. Sensibel reagieren die Sänger aufeinander, stimmen Agogik und Klangfarben mit traumwandlerischer Sicherheit ab. Ebenso sensibel agiert Sabine Schubert-Kessler am Flügel, wobei sie nie in eine unangebrachte "Begleiter-Bescheidenheit" verfällt und den höchst selbstständigen Schumann'schen Klaviersatz in allen Nuancen ausleuchtet.

Christine Euchenhofers heller, makellos geführter Sopran und ihre sängerische Differenzierungskunst, ihre perfekte Legato-Technik bezauberten in den reinen "Frauenliedern" nicht weniger als in den Duetten. Als eins von vielen Beispielen sei die euphorisch sich aufschwingende Motivlinie des Rückert-Liedes "Mein schöner Stern" genannt, die sie mit wunderbarer Intensität und Innigkeit in den Raum zog. Textverständlichkeit bis ins kleinste Detail, bei hohen Frauenstimmen fast immer ein heikler Punkt, ist bei ihr absolute Selbstverständlichkeit und macht das Zuhören zum Erlebnis.

Burkhard Seizers Bariton ist angenehm leicht, oft tenoral gefärbt, mit einer mühelosen Höhe bis in extreme Lagen (Goethes "Ich denke dein"). Im Mittelteil des Programms gestaltete er "Flügel! Flügel! um zu fliegen" und die beiden folgenden, mit den bekannten Rosen-, Meer- und Sonne - Metaphern spielenden Lieder zu großen, hochromantischen Szenen.

Farbigkeit und Abwechslung gewann das Programm trotz des verblüffend einheitlichen Kompositionsstils von Clara und Robert Schumann aus den Kontrasten der Liedgruppen und Einzellieder: schlichter Volksliedton hier, lyrische Verinnerlichung dort, dazwischen die typisch Schumann'schen "Lieder ohne Worte" der ausgedehnten Klaviernachspiele.

Für den herzlichen Beifall eines hörbar beglückten Publikums bedankte sich das sympathische Trio mit einer Zugabe: der kleinen amourösen Duett-Szene "Unter dem Fenster", charmant und witzig augenzwinkernd präsentiert.