Lokale Kultur

Lokalmatador Brunke toppte mit der Entwicklung des Seifenspenders alles

KIRCHHEIM Auch der club bastion war am Samstag gut beraten, seine für den Marstallgarten vorgesehene Veranstaltung "Theatersport" in die Stadthalle zu verlegen, denn

Anzeige

USCHI NEROLADAKIS

auch im Laufe dieses Abends gingen heftige Regenschauer über Kirchheim nieder.

Fast 600 Zuschauer aller Altersklassen strömten in die Stadthalle, um die beiden Mannschaften anzufeuern, die sich in der hohen Kunst des Improvisationstheaters messen wollten. Da waren zum einen die drei Mitglieder des roten Teams "Coole Rampe", die in Trenchcoats, Hüten und Sonnenbrillen einliefen und ganz besonders cool wirkten. Das blaue Team "Fortuna Faust" erschien in Bademänteln und war mit Handtüchern für Tränen und Schweiß ausgerüstet. Nach dem Absingen der Hymne, zu der im Übrigen wohl jeder Schauspieler eigene Worte und eigene Melodiefetzen beisteuerte, und dem feierlichen Austausch der Wimpel begann der harte Wettkampf.

Aus den Reihen des Kirchheimer Publikums kam als erstes Stichwort "Eichhörnchenjäger", das zu einer fortlaufenden Geschichte gestaltet werden sollte, aber eher zu konfusem Schwachsinn im schottischen Hochmoor führte. Die Spieler von "Fortuna Faust" improvisierten im Stile Brechts zum Thema "Omnibus" und riefen die Frauen nicht nur auf, den Führerschein zu machen, sondern gewannen auch Teile des weiblichen Publikums dazu, die Parole "Mehr als ein Heller" zu skandieren. Timo Brunke spielte als "Kokosnusspflücker" für die "Coole Rampe" einen etwas gestörten Inselbewohner, der vor lauter Kokosnüssen die Brücke nicht mehr sieht, die zum Festland führt, auf der er sein Dasein als Teppichknüpfer weiterführen soll, sicherte aber seinem Team durch die eindeutige Abstimmung des Publikums damit den Vorsprung.

Zur Feriengeschichte kam aus dem Publikum das Thema "Nacht der Vampire", das zum Vergnügen des Publikums die Mannschaft der "Coolen Rampe" zu einem dreiköpfigen Ungeheuer machte, das wie aus einem Mund sprechen sollte. Zu Recht vergab Spielleiter Heiner Kondschak dieser erstaunlichen Leistung etliche Sonderpunkte und wünschte sich selber für die nächste Runde musikalische Darbietungen.

Einen romantischen Schlager, von Kondschak als "Schmierlappen" bezeichnet, sollte das Team von "Fortuna Faust" darbieten und den Wünschen des Publikums entsprechend mussten die Begriffe "Wurstbrot", "Banane im Schlafrock" und "Föhn" darin verarbeitet werden. Jakob Nacken sorgte mit seiner Gesangsnummer für wahre Beifallsstürme in der Halle, und Heiner Kondschak vergab für die einfühlsame Gitarrenbegleitung, die er selber improvisierte, zwei weitere Sonderpunkte.

Mit einer dem Thema "Schlaflosigkeit" entsprechenden sanften Jazznummer versuchten die Gegner die Darbietung zu toppen und wiede-rum vergab der Spielleiter sich und damit auch dem "Rampen-Team" sechs Sonderpunkte für die wunderbare Begleitung an der Gitarre.

Nur in Versen gesprochen wurde zum Thema "Käserei", in denen sich "Käse" auf "verwese" reimte und das Publikum den Schlachtruf "Wir wollen niemals Käse sein" freudig aufgriff. Auch zum Stichwort "Fahrschulauto" reimte die "Rampen"- Mannschaft auf Biegen und Brechen, Timo Brunke mimte den Fahrlehrer und Ilka Knickenberg eine Fahrschülerin, die mit wahrer Begeisterung in eine Herde Kühe hinein steuerte.

Da Heiner Kondschaks Lieblingszuschauerin Antonella in der ersten Reihe Blues bevorzugt, mussten die "Faust"-Kämpfer einen Blues zum Thema "Verlust" singen, der sich dann mit dem Diebstahl einer Tasche beschäftigte. Herzbewegend wurden sie von Heiner Kondschak an der Mundharmonika und Jakob Nacken am Piano begleitet, sodass sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch das gegnerische Team total ergriffen zeigte. Das Team der "Coolen Rampe" konterte mit einem Song im Stil der Beatles und dem Refrain "Wasser marsch, ole, yeah-yeah, help me please", doch hätte man mit diesem verträumten Liedchen sicher nicht das kleinste Feuerchen löschen können.

Dramatischer ging es zu beim Stück "Nachwuchssorgen bei der Cosa Nostra", das der blauen Mannschaft zu Recht weitere fünf Punkte eintrug. Auch die Szene, bei der möglichst wenig Leute sterben sollten und schließlich sogar der Tod besiegt wurde, brachte "Fortuna Faust" dem vermeintlichen Sieg ein Stück näher. Doch Lokalmatador Timo Brunke errang mit seinem "Armvortrag" über die Entwicklung des Seifenspenders in den 50er und 60er Jahren, den er an die lieben Landfrauen richtete, sagenhafte 15 Punkte und führte damit das "Coole-Rampe"-Team zum Sieg.

In einem Schnelldurchlauf vollbrachten die Schauspieler zum Abschluss das Kunststück, alle Themen noch einmal in Erinnerung zu rufen und verabschiedeten sich mit einem kleinen Lied Stichwörter: "Badewanne", "Mäusekacke", Belohnung'' und "George Clooney" vom begeisterten Kirchheimer Publikum, das ein weiteres Unikat der inzwischen fast 800 "Theatersport"-Veranstaltungen miterleben durfte.