Lokale Kultur

"Lustspiele" im Gewölbekeller

KIRCHHEIM Angeblich sind die "Queens of Spleens" der hochmusikalische, aber leider verstoßene Zweig der berühmtesten und reichsten europäischen Königsfamilie. Da

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USCHI NEROLADAKIS

die Teckstadt auf ihre Beziehungen zum englischen Königshaus ganz besonders stolz ist und auch der club bastion diese Verbindungen pflegt, war der Abend mit den Queens fast schon überfällig.

Auch wenn die spleenigen Königinnen "nur" aus Frankfurt am Main angereist waren, beherrschten sie doch einen Abend lang mit ihrem Programm "Lustspiele" das zahlreich erschienene Publikum im Gewölbekeller des clubs bastion und begannen mit einem zauberhaften Rondo des Meisters Wolfgang Amadeus Mozart, das mit wilden Rock-Klängen die wahren musikalischen Hintergründe der Gitarristin Claudia Brendler andeutete.

"Una ganze e una halbe Portion", wie sie sich in ihrem lateinamerikanischen Beitrag selbstironisch bezeichneten, bewiesen ansteckenden Humor und im Laufe des Abends wurde Connie Webbs running gag "Thank you I love You" immer häufiger auch vom Publikum in "Kirchheim an der Salsa" aufgegriffen.

Der bayrische Naturbursche "Alois" beklagte sich über die zunehmende Haarlosigkeit der Bevölkerung und sehnte sich nach "Madln mit Haar auf die Wadln". Die unkontrollierte Nahrungsaufnahme in deutschen Fußgängerzonen wurde in eine zeitgenössische Komposition verpackt und von Connie Webbs lustvoll mit ohrenbetäubenden Trompetenklängen untermalt.

Rotes Licht und eine stöhnende Spitzenleistung des Publikums erzeugten eine wundervolle Atmosphäre für den Hit "Fever", die jäh von schrillem Telefonklingeln unterbrochen wurde und im französischen Blues bekam Jean-Claude, der Eiswürfel ins Rotweinglas wirft und keine Froschschenkel mag, sein Fett ab, denn Connie Webbs verlor die Lust, sich seinetwegen aus dem Fenster zu werfen und als mousse au chocolat zu enden.

Im marschierenden Gleichschritt führten die beiden Künstlerinnen das Publikum im Bastionskeller zur Verkaufsveranstaltung und bei Claudia Brendlers erotisch-lyrischem Erguss über die "dösende Möwe auf Schwemmholz" konnte sich auch ihre Ukulele spielende Kollegin vor Lachen anscheinend kaum noch zurückhalten.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren die größten Hits der letzten 40 Jahre von Bill Haley über die Rolling Stones bis hin zu Pink Floyd allerdings auf Blockflöten dargeboten und auch beim anschließenden Frauennamen-Medley blieb im Zuschauerraum kein Auge trocken. Urlaubsstimmung im Kellergewölbe verbreitete der von vier Frauenhänden "quatros prankos" auf einer einzigen E-Gitarre gespielte Sirtaki, zu dem die beiden Vollblut-Künstlerinnen anmutig ihre Beine schwangen.

Mit der Wein-Nummer, die edle Tropfen vom bekömmlichen "Pleidelsheimer Schlüpferstürmer" bis hin zum nicht allzu lieblichen "Rüdesheimer Rüsselschmeichler" lobend auflistete, präsentierten die "Queens of Spleens" eine kleine Vorschau auf ihr demnächst neu erscheinendes Programm, das dann sicher auch in Kirchheim zu erleben sein wird.