Lokale Kultur

Mal sanft, mal energisch

LENNINGEN Alljährlich musizieren Gerhardt Löffler und seine Getreuen im Herbst in der Unterlenninger Ulrichskirche. Dieses Jahr erhielt sein Ensemble einen Namen: "Stau-

Anzeige

PATRICK TRÖSTER

fer Quartett", ein klassisches Streichquartett mit Adelheid Kolberg und Vanessa Wiesinger, Violine, dem Gründer an der Viola und der Cellistin Ulrike Ströbele.

Um Mozart, dem ausklingenden Jubilar, rankte sich das Programm. Doch das "Staufer Quartett" vergaß auch nicht die Mitjubilare 2006, nämlich Robert Schumann und Heinrich Heine, deren Todestag sich zum 150. Male jährt. Und damit immer noch nicht genug: das Quartett lud für das diesjährige Kammerkonzert in der mit einem großen Kachelofen mollig warm geheizten Kirche die Sopranistin Josefin Hirte ein. Als Überraschung gab es zum Einstieg eine vierstimmige "Fantasie" des frühbarocken Wiener Komponisten Johann Jakob Froberger, die Wolfgang Amadé Mozart für Streichquartett einst in barockem Rückblick arrangiert hatte.

Diese formal freie Komposition, ursprünglich für Gamben gedacht, modernisierte Mozart gewissermaßen für die Instrumente und im Stil seiner Zeit. Sanft spielten sich die vier kompositionstechnisch gleichberechtigten Streicher die Sogetti mit nachfolgenden synkopierten Kontrapunkten zu und entfalteten eine strömend luzide Stimmführung, die auch klangliche Eigenheiten dieser Musik einbezog.

Fast ebenso unbekannt dürfte den meisten das geistliche Rezitativ "Ergo interest" mit nachfolgender Arie "Quaere superna" (KV 143) sein, dessen Text sich auf den Tod und das Trösten besinnt. Hierbei ersetzte das "Staufer Quartett" das Orchester und begleitete Josefin Hirte kammermusikalisch. Ganz im Sinne Mozarts wählte sie bezogen auf die Aussprache und den Entstehungsort dieser Arie ein italienisierendes Latein und sang bewegt, mit sanftem Vibrato, fast ein bisschen in sich gekehrt mit weicher und doch wohltönender Stimme.

Den Höhepunkt des Abends bildete das Streichquartett G-Dur KV 387, das erste der sechs Haydn gewidmeten Quartette, in denen der Jüngere Stilmerkmale und Formprinzipien des Älteren aufgreift und brillant weiterspinnt. Dieses musikalische Zwiegespräch zwischen zweier Komponisten mit dem "Staufer Quartett" mitzuerleben, war recht spannend.

Der Kopfsatz wurde sehr durchdacht aufgebaut, und musikalische Launen Mozarts wurden von klassischer Ausgewogenheit umsponnen. Das vorgezogene und ausschweifende Menuett mit seiner schiefen Chromatik erklang einerseits taktisch verspielt, andererseits semantisch aufgeladen und bedeutungsschwanger; dazu trug insbesondere das in gewichtiges Moll getauchte Thema des Trios bei, denn in helles Dur gewandet, erscheint es im nachgereichten Andante den Ausschlag gebend.

Die fragende Kantabilität begann sich langsam zu entwickeln, die Intensität verstärkte sich zunehmend, und das Ausleuchten dieser Stimmung gewann an Farbe. Mit dem Schlusssatz kam ein besonderer Kick dazu. Die wild vorgetragene Fuge schäumte so richtig auf und brach überraschend und wohl gelitten ab, um einem gesanglichen Thema Raum zu geben.

In dieses Concertare im doppelten Wortsinn begab sich das "Staufer Quartett" mit seinem ganzen Temperament: tatkräftig und energisch, mutig in der Stretta noch gesteigert. Mit vier Liedern aus Robert Schumanns "Dichterliebe" op. 48 verabschiedeten sich Josefin Hirte und das "Staufer Quartett".

Die teils launigen, teils schnippischen Gedichte Heinrich Heines trug die Sopranistin abwechslungsreich vor. Mal schwärmerisch, mal schelmisch, dann fröhlich und schließlich übermütig. Ihre von den Liedern getragene Stimmung verlieh ihrer Stimme den richtigen Ton und das alles war nicht nur wunderbar zu hören, sondern auch dezent an ihrer Mimik ablesbar.