Lokale Wirtschaft

Mehr Hoffen als Bangen

Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer für den Landkreis Esslingen

Auch im Frühsommer präsentiert sich die Wirtschaft im Landkreis Esslingen selbstbewusst. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer in ihrem aktuellen Konjunkturbericht.

Kreis Esslingen. Zwar machen seit Jahresbeginn mehr Unternehmen Abstriche bei der Zufriedenheit mit ihrer aktuellen Lage. Gegengesteuert wird dieser Abwärtstendenz durch eine erneut gestiegene Anzahl an Unternehmen, die voller Zuversicht nach vorn blicken. Zusammen mit dem hohen Lageniveau spricht das für wirtschaftliche Robustheit im Landkreis Esslingen.

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Immun gegen wirtschaftliche Risiken sind die lokalen Unternehmen allerdings nicht. Die Eurokrise hat sich in einer Vertrauenskrise manifestiert. Trotzdem bleiben die Unternehmen zuversichtlich. Sie rechnen mit steigenden Auftragseingängen, vor allem aus dem Ausland.

Betriebswirtschaftlich geht es aktuell 34 Prozent der Unternehmen gut, zufrieden sind 56 Prozent. Bei zehn Prozent drückt der unternehmerische Schuh. Dabei kühlt die wirtschaftliche Lage im Handel deutlich stärker ab als in der Industrie oder im Dienstleistungsgewerbe. Mangels Nachfrage sind die Umsätze bei 35 Prozent aller Betriebe gefallen. In der Folge berichten mittlerweile 22 Prozent der Unternehmen von einer schlechten Ertragslage. Das ist die eine Seite der Wirtschaftsmedaille, die andere Seite stellt sich wie folgt dar: Nach wie vor sind 52 Prozent der Betriebe mit ihren Erträgen zufrieden, 26 Prozent beurteilen diese sogar als gut.

Die positive Tendenz der Auftragseingänge aus dem In- und Ausland untermauert die unternehmerische Zuversicht. 26 Prozent der Unternehmen planen mit mehr Aufträgen, 57 Prozent wollen ihr Niveau halten und lediglich 16 Prozent rechnen mit rückläufigen Aufträgen. Die Aussicht auf vollere Auftragsbücher lässt ein Viertel der Unternehmen optimistisch in die Zukunft blicken. Fast 60 Prozent kalkulieren auch künftig auf konstantem Niveau. Dabei fallen die Erwartungen bei der Industrie und den Dienstleistern deutlich besser aus als beim Handel. Investitionsentscheidungen im Inland werden aber kaum in Frage gestellt. Stabile 27 Prozent der Betriebe wollen mehr investieren, 54 Prozent halten an ihren Investitionsplänen fest. Lediglich 12 Prozent revidieren ihre Investitionsentscheidungen nach unten. Hauptmotive bleiben Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen. Wachstumsrelevante Überlegungen zu Kapazitätserweiterungen und Produkt- und Verfahrensinnovationen bleiben bei jeweils einem Viertel der Unternehmen auf dem Tisch.

Das größte Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen die Betriebe nach wie vor im Abflauen der Binnennachfrage (60 Prozent). Platz zwei der bedrohlichsten Risikofaktoren ist neu besetzt: In steigenden Arbeitskosten sehen mittlerweile mehr Unternehmen (46 Prozent) eine Gefährdung als in steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (44 Prozent). Kein Wunder - angesichts der anstehenden und bereits abgelaufenen Tarifverhandlungen dreht sich die Kostenspirale bei den Beschäftigten derzeit.

Ein Vergleich der IHK-Konjunkturindikatoren zur Geschäftslage und zur Geschäftserwartung im Landkreis Esslingen mit denen in der Gesamtregion Stuttgart zeigt bei der Betrachtung der Wirtschaft insgesamt ein mehr oder weniger einheitliches Bild. Erst die Detailbetrachtung der einzelnen Branchen bringt den Unterschied zu Tage: Industrie und Dienstleister im Landkreis Esslingen verzeichnen (noch) eine bessere Lage als in der Gesamtregion, der Handel hingegen bewegt sich deutlich unter dem Regionsdurchschnitt.

Die Lage am Arbeitsmarkt im Landkreis Esslingen ist nach wie vor eine der besten in Baden-Württemberg. Allerdings fällt die Frühjahrsbelebung aufgrund des ungewöhnlich langen Winters etwas schwächer aus als in den Vorjahren. Trotzdem hält der Landkreis Esslingen mit einer Arbeitslosenquote im Mai von 3,6 Prozent die Spitzenposition in der Region Stuttgart. Aber die Unternehmen im Landkreis bleiben bei ihrer Beschäftigungspolitik vorsichtig: Die Mehrheit der Unternehmen (62 Prozent) plant mit konstanter Beschäftigtenzahl. Rein rechnerisch ergeben die Unternehmen mit positiven und negativen Beschäftigungsplänen (jeweils 19 Prozent) eine Pattsituation. In der Praxis geht es natürlich um unterschiedliche Berufsbilder, sodass wohl wieder mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt kommen wird.

Der Konjunkturmotor in der Industrie läuft etwas langsamer, aber weiter stabil. Für Stabilität auf nach wie vor hohem Niveau sprechen 31 Prozent der Industriebetriebe (Jahresbeginn 38 Prozent), die von einer guten Geschäftslage berichten sowie 58 Prozent, die zufriedenstellende Kennzahlen melden. Den Gang zurückschalten müssen allerdings immer mehr Unternehmen: Mittlerweile sind es elf Prozent der Betriebe (Jahresbeginn sechs Prozent). Hier hinterlässt die rückläufige Binnennachfrage mittlerweile ihre Spuren bei Umsätzen und Erträgen. Produktionsabläufe wurden angepasst. So sinkt die Kapazitätsauslastung im Frühsommer um vier Prozentpunkte auf 81 Prozent.

78 Prozent aller Groß- und Einzelhändler sind mit ihrem Geschäftsverlauf zufrieden. Allerdings schmilzt der Anteil der Unternehmen mit klingelnden Kassen um starke elf Prozentpunkte auf gerade mal noch acht Prozent. Im Gegenzug steigt der Anteil der klagenden Händler auf 14 Prozent. Hier dürfte der kalte Winter und ausbleibende Frühling für die wenig günstigen Lagebeurteilungen verantwortlich sein. Sinkende Umsätze verbuchen 54 Prozent aller Händler. Die Händler rechnen nicht mit einer deutlichen Erholung. Die Geschäftserwartungen bleiben verhalten, mit einer kleinen Tendenz nach oben.

Die Dienstleister weichen von ihrer Erfolgsspur ab. Lange verschont, nun müssen auch sie Federn lassen. Insgesamt fallen in der erfolgsverwöhnten Branche die positiven Lageurteile um acht Punkte auf 49 Prozent. 45 Prozent der Servicebetriebe sind zufrieden. Vor allem stagnierende (bei 42 Prozent) oder gar sinkende Umsätze (bei 19 Prozent) mit resultierenden Ertragsverlusten lassen die Servicebranche aufhorchen. Innerhalb der unterschiedlichen Dienstleistungsbereiche haben die Informations- und Kommunikationsdienstleister sowie die unternehmensnahen Beratungsunternehmen weiter die Nase vorn. Hinterher hinken die Finanzdienstleister, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Transport- und Verkehrsgewerbe.

Verunsichern lassen sich die Dienstleister durch die aktuelle Lage nicht. Die Erwartungen für die nächsten Monate fallen erfreulich aus. 31 Prozent rechnen mit weiteren Verbesserungen der Geschäfte, 51 Prozent werden weiter auf dem gewohnt hohen Niveau wirtschaften. Ein Sockel von 18 Prozent kalkuliert künftig mit wirtschaftlichen Einbußen. Fachkräftemangel bleibt dabei ein Thema: Bei den Dienstleistern rangiert der Mangel an Fachpersonal gleich nach der inländischen Nachfrageflaute an zweiter Stelle der Hauptrisiken für die wirtschaftliche Entwicklung. Offene Stellen gibt es, ob eine geeignete Besetzung möglich ist, wird sich zeigen.pm