Lokale Wirtschaft

Mehrarbeit ohne Ausgleich

Die Zukunft der Firma Dietz-Metall in Unterensingen ist vorerst gesichert. Gewerkschaft und Geschäftsleitung einigten sich auf einen Haustarifvertrag, der eine verlängerte Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich und eine Sechs-Tage-Woche vorsieht.

HENRIK SAUER

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UNTERENSINGEN Andere Forderungen der Unternehmensleitung wie die Streichung von Urlaubstagen bleiben unangetastet. Der Vertrag, der ab Juli gilt, hat eine Laufzeit von achtzehn Monaten, in dieser Zeit sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

42 Mitarbeiter hatten vor dem Arbeitsgericht gegen eine Änderungskündigung geklagt. Die hatte die Geschäftsleitung angestrengt, weil sonst das Fortbestehen des Unternehmens gefährdet sei, wenn nicht Einsparungen bei den Personalkosten erzielt werden könnten. Verhandlungen mit dem Betriebsrat im Vorfeld hätten keine Einigung gebracht. Dietz-Metall gehört zur Dietz-Gruppe mit Sitz in Dettingen/Teck und schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen, wie Geschäftsführer Helmut Herr bei der Verhandlung deutlich machte. Die Gesellschafter seien nicht mehr bereit gewesen, Geld zuzuschießen: Ohne Aussicht auf ein positives Ergebnis wäre die Gießerei über kurz oder lang geschlossen worden.

Auch der Richter hatte sich dieser Darlegung angeschlossen und eine gütliche Einigung angeregt. Die sieht nun im Wesentlichen so aus, dass die gewerblichen Mitarbeiter einheitlich 40 Wochenstunden arbeiten (bisher gab es verschieden lange Arbeitszeiten), die Mehrarbeit davon ohne Lohnausgleich. Der Samstag wird zum Regelarbeitstag. Auch gibt es künftig keine bezahlten Überstunden mehr, die fließen auf ein Zeitkonto. Die ebenfalls unterschiedliche Leistungsprämie wurde vereinheitlicht. Das in Gießereien seither übliche Milchgeld von 10,23 Euro monatlich wurde gestrichen. Weiter bezahlt wird dafür die so genannte Steinkühlerpause. Das Unternehmen gibt für anderthalb Jahre eine Beschäftigungsgarantie und verzichtet auf die angestrebte Streichung von zwei bis vier Urlaubstagen, die einigen langjährigen Mitarbeitern mehr zustehen.

Damit sei es nun gelungen, zum einen die Personalkosten auf wettbewerbsfähige Beine zu stellen, so Herr, und zum anderen eine einheitliche Regelung für alle gewerblichen Mitarbeiter zu schaffen, was eine einfachere Planung der Produktion ermögliche. Mit den Mitarbeitern der Verwaltung seien bereits zuvor Vereinbarungen getroffen worden. Herr war vom Beirat der Konzernmutter im vergangenen Dezember in dieses Amt geholt worden, mit der Maßgabe, den Betrieb zu sanieren.

Ilona Dammköhler von der IG Metall begrüßt den Haustarifvertrag insofern, dass es nun gelungen sei, eine gesicherte verbindliche Regelung hinzubekommen. Das Unternehmen ist tariflich nicht gebunden, weil nicht im Arbeitgeberverband.

Bei Dietz-Metall sind insgesamt rund 85 Mitarbeiter beschäftigt. Ab Juli werden es noch 80 Mitarbeiter sein, wenn zum vergangenen Jahresende ausgesprochene Kündigungen wirksam werden. Nachdem Ende 2004 durch auslaufende Aufträge etwa ein Drittel des Umsatzes weggebrochen sei, wurden außerdem von etwa zehn Mitarbeitern auslaufende Zeitverträge nicht verlängert. Inzwischen habe man jedoch wieder klare Signale von großen Kunden, dass sie Aufträge erteilen werden, berichtet Herr: Die Auslastung für 2005 ist gesichert und für 2006 sieht es ganz gut aus. Ende dieses Jahres will der Geschäftsführer wieder schwarze Zahlen schreiben. Um höhere Stückzahlen, die bei bestehenden Aufträgen zu erwarten seien, insbesondere für den chinesischen Markt, abdecken zu können, soll, zumindest vorübergehend, so Herr, auch sonntags gearbeitet werden. Die entsprechende Genehmigung wurde beantragt.

Dietz-Metall ist Hersteller von Aluminium- und Magnesium-Druckgussteilen, in erster Linie für die Automobilindustrie. Hauptabnehmer ist die Schwesterfirma Dietz Automotive in Dettingen. Produziert werden zum Beispiel Handbremsanlagen für VW, Audi und Porsche, aber auch Wärmetauscher und Mittelkonsolen. Ein zweiter großer Bereich ist die Nachbearbeitung von Teilen und kleinere Montagen. Um das Unternehmen wieder zukunftsfähig zu machen, werde auch in die Produktion investiert, berichtet Herr. Auch über das Ende der Beschäftigungsgarantie Ende 2006 hinaus sieht er eine Chance für das Weiterbestehen des Unternehmens: "Mein Ziel ist: ich möchte hier am Standort auch über diesen Zeitraum hinaus produzieren." Sollte sich die momentane Tendenz mit mehr Umsatz als geplant bewahrheiten, sei dieses Ziel realistisch.