Lokale Kultur

"Michel" begeisterte das Publikum

KIRCHHEIM Wer kennt ihn nicht, den kleinen Hof Katthult in Lönneberga. Und natürlich den kleinen Michel Svensson. Immer Unsinn im Kopf, aber herzensgut, mutig und

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NICOLE MOHN

clever sowieso. Die Geschichte um den Lausbub gehört zu den beliebtesten der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Im Rahmen der Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen "Szenenwechsel" erweckte Wolfgang Messner vom Blinklichttheater auf Einladung des Kulturkreises Ötlingen den kleinen Michel, seinen Knecht Alfred, Schwester Klein-Ida und all die anderen zum Leben.

Seit Generationen sind die Streiche des kleinen Schlingels aus dem schwedischen Sm†land der Hit in den Kinderstuben weltweit. So war es kein Wunder, dass nicht nur die zahlreichen kleinen Besucher im Vortragssaal der Stadtbücherei lautstark in die bekannte Titelmelodie der Michelverfilmungen einstimmten. Spätestens beim "Sing dudeldei, sing dudeldei" mischte sich auch manch tiefere Stimme in den vielstimmigen Chor.

Echte Michel-Kenner saßen da am Sonntag im Publikum. Klar wissen die genau, wie der Michel aus dem Tischlerschuppen zum Vorratshäuschen gelangte, um sich dort den Bauch voll zu schlagen. Und so mischten die kleinen Zuschauer kräftig mit, als Wolfgang Messner als Knecht Alfred vom kleinen schwedischen Lausbuben erzählte. Die mutigsten traten sogar selbst in Aktion und durften zusammen mit ihm demonstrieren, wie Michel der Lina den schlimmen Zahn ziehen wollte. Geschickt schaffte es Messner immer wieder, sein Publikum mitzunehmen, vermischte geschickt Schauspiel, Erzählung und das Spiel mit den Tischmarionetten. Mit wenigen Mitteln wob er einen bunten Teppich aus Szenen, Liedern, Komik und Interaktion.

Atmosphärisch wurde es, als er mit Schattenfiguren von Michels waghalsiger Schlittenfahrt durch den Schneesturm nach Mariannelund berichtett, um den an Blutvergiftung erkrankten Alfred zum Arzt zu bringen. Dabei vergaß Messner nicht, der Dramatik die Spitze zu nehmen schließlich wurde am Ende alles gut.

Dem Darsteller gelang es, Astrid Lindgrens Geschichte authentisch zu erzählen und dennoch ein wenig Zeitgeist zu verleihen. Da stand der Doktor aus Mariannelund auf Funktionsmöbel eines bekannten schwedischen Möbelhauses und Klein-Ida verlangte nach einem Überraschungs-Ei. Zum Schluss des rund einstündigen Gastspiels hatte der Schauspieler des Blinklichttheaters nicht nur seinen kleinen Zuschauern ein großes Lächeln auf das Gesicht gezaubert: Auch die vielen Erwachsenen, die eigentlich nur als Begleitung mitgekommen waren, zollten der liebevollen Hommage zu Astrid Lindgrens 100. Geburtstag begeistert Applaus.

Die Kinder nutzten nach dem Ende der Vorstellung die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu blicken. Ein besonders begeistertes Mädchen vergaß dabei auch nicht, sich persönlich bei Wolfgang Messner zu bedanken: "Das war voll gut", war ihr klares Urteil. Recht hatte sie.