Lokale Kultur

Mit Bluesdelikatessen Denkmal gesetzt

KIRCHHEIM Bei einem Konzert der Hamburg Bluesband aus Norddeutschland pilgern erfahrungsgemäß die wahren Bluesenthusiasten aus nah und fern, um sich eine Dosis reinrassigen Blues, in Kombination

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JÜRGEN B. VOLKMAR

mit exzellenten, musikalischen Darbietungen abzuholen.

Im prallgefülltem Forum überraschten die Nordmänner mit einem Besetzungswechsel, Stammgitarrist Alex Conti ist ausgestiegen, dessen Part wird jetzt komplett von David "Clem" Clemson übernommen, der normalerweise erst später seine Extraklasse unter Beweis stellen darf, zusätzlich noch eine weitere Änderung, nämlich die Vorstellung von Keyboarder Adrian Askew als Neuzugang.

Gleich zu Anfang wurden Knaller wie "Rockin' Chair" und "Some Place", intensiv und überzeugend, mit der kehligen Simme des Stammshouters und Rhythmusgitarristen Gert Lange, auf die erwartungsfrohen Fans losgelassen. Clemson zeigte sofort, dass er zu den Gitarristen gehört, die von Rock bis Blues die komplette Bandbreite beherrschen. Slideeinlagen werden in beeindruckender Harmonie zu der in Höchstform agierenden Stimme des Sängers geboten, filigrane Gitarreneinlagen kontern mit den konzentrierten Bassläufen von "Bexy" Becker. Die Besetzung, die sich teilweise aus Mitgliedern der deutschen Rocklegende Lake rekrutiert sowie des Ex-Colosseum und Humbie-Pie-Gitarrenasses "Clem" Clemson, zeigte eine unbändige Spielfreude, deren Funken sofort auf das enthusiastisch reagierende Publikum übersprang und zu tosenden Applausstürmen hinriss.

"Trouble Man" und "Done Somebody Wrong" zeigten eine Band in Höchstform. Hans Wallbaum an den Fellen sorgte für den nötigen Groove und ein Hauch von Siebziger-Feeling entstand zwischen den uralten Mauern der Bastion. Clemson zeigte, dass er die hohe Kunst der Saitenbearbeitung auf einem derart hohen, qualitativen Niveau beherrscht, die ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende unter den Gitarrenbearbeitern gemacht hat.

"Stormy Monday Blues" wurde daher zu einer Offenbarung, das in dieser Interpretation, verstärkt durch gefühlvolle Streicheleinheiten an den Gitarrenhälsen, zu einem absoluten Höhepunkt auf der Bluesrangliste wurde. Nach einer kurzen Pause folgte dann mit dem zweiten Set, der in rockmusikalischen Ehren ergraute Ausnahmesänger, Chris Farlowe, dessen einzigartige Stimme, jedem Song die besondere Note verleiht. Farlowe versteht es wie kein anderer, seine Stimme zu einem reinen Instrument mutieren zu lassen und die Facetten, die ihm die Notenskala bietet, zu einem musikalischen Sangeserlebnis der besonderen Art zu stilisieren. In bester Stimmung und mit launigen Ansagen gewürzt, werden mit "Got What I Want" und "Into The Night" noch weitere bluesige Zutaten, kraftvoll und in beeindruckender Klangqualität, den restlos begeisterten Besuchern serviert.

Bei "All Or Nothing", im Original von den Small Faces, wurde ein Klassiker aus der Beat-Ära in einer derartig intensiven Version unter die begeisterten Zuhörer gebracht, dass eine weitere Steigerung nicht mehr möglich schien. Doch weit gefehlt, denn nach einigen meisterlich intonierten Bluesklassikern kam diese dann im Zugabenteil mit dem Rolling-Stones-Coversong "Out Of Time", der gleichzeitig ein Soloerfolg in den britischen Charts des brilliant singenden Engländers war. Die Refrains mitsingend, kannten die Reaktionen der begeisterten Menge keine Grenzen mehr. Langanhaltender Applaus beendete ein Konzert, bei der sich die Hamburg Bluesband als eine der besten Live-Bands der europäischen klassischen Bluesszene ein musikalisches Denkmal setzte.