Lokale Kultur

Mit der „Perle der Uckermark“ auf Erfolgskurs

Florian Schroeder präsentierte in der Dettinger Schlossberghalle sein neues Programm „Du willst es doch auch“

Dettingen. Mit seiner „Ochsentour“ gelang ihm ein fast kometenhafter Aufstieg, der den jugendlichen Newcomer in Windeseile in den vorwiegend von lang gedienten Könnern bevölkerten Kabarettistenhimmel

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WOLF-DIETER TRUPPAT

katapultierte. Mit seinem neuen Programm „Du willst es doch auch“ muss der aus Ü 30-Partys noch ausgegrenzte Kabarettist Florian Schroeder sich jetzt in der kabarettistischen Top-Liga bewähren, in die er sich so respektlos wie erfolgreich hineingespielt hat.

In der Dettinger Schlossberghalle absolvierte der längst zum TV-Star mit eigener Sendung avancierte schlagfertige und höchst ironiefähige Kabarettist seiner Aussage nach eigentlich nur „eine öffentliche Probe“, denn er kommt demnächst ins Stuttgarter Theaterhaus und da muss schließlich alles sitzen. Dass er schon in Dettingen alles richtig machte, steht außer Zweifel. Ob Nadine allerdings auch zum Auftritt im Theaterhaus kommen wird, kann bezweifelt werden. Auch wenn sie nicht in der ersten Reihe saß, wurde sie unverschuldet zum Opfer des gnadenlosen Kabarettisten, der sie zur Freude des nicht auf die Bühne gezwungenen Publikums mit unbequemen Fragen traktierte, die kaum „Big Brother“ Schäuble stellen würde.

Dass er nicht einfach sein neues Programm abspult, sondern immer auf dem aktuellen Stand der Dinge ist, belegte Florian Schroeder gleich zu Beginn. Die bespitzelte Bahn und ihre nie untersuchten oder unterbundenen Verspätungen waren genauso Thema wie der neue Finanzminister, der mehr Vornamen hat als die Bundesrepublik Existenzjahre.

Der „wie Mooshammer klingende Papst“, der ohne viel Nachdenken verlorene und vor allem auch erkennbar stark verwirrte Schafe einsammelt, beschäftigte Florian Schroeder genauso wie das Schicksal von Josef Ackermann, der durch seine konsequente Verweigerungshaltung gegenüber bereitgehaltenen Rettungspaketen erfolgreich dafür sorgen konnte, dass er gehaltsmäßig nicht auf das Banker-Hartz-4-Niveau von lächerlichen 500 000 Euro pro Jahr abrutschen musste.

Sorge bereitet Florian Schroeder allerdings, dass auch einst erfolgreiche Schlagerstars nach unglücklichen Aktienspekulationen von der fatalen Finanzkrise betroffen und dadurch in ihrer Existenz gefährdet sind. Tragisch sind für ihn dabei nicht die persönlichen Schicksale ehemaliger Stars, die sich ja im Dschungel-Camp immer noch ein letztes Zubrot verdienen können, sondern die Sorge darüber, dass die erfolglosen Spekulanten aus Schlagersängerkreisen jetzt praktisch dazu gezwungen sein könnten, neue Alben auf den Markt zu werfen. Während früher galt, dass nicht alle Tassen im Schrank hat, wer keine Aktien besitzt, hätten inzwischen all diejenigen, die Erfolg versprechende Aktien gebunkert hatten, längst keinen Schrank mehr.

Florian Schroeders Mitleid mit Andrea Ypsilanti hält sich ebenfalls in überschaubaren Grenzen. Er sieht die gescheiterte Politgröße als potenzielle Nachfolgerin von Ingrid van Bergen, die sich bei vielen Gemeinsamkeiten vor allem dadurch von der frisch gekürten Dschungelkönigin unterscheidet, dass sie nicht eine einzelne Person, sondern gleich eine ganze Partei abgeschossen hat. Der SPD attestierte Florian Schroeder, dass sie mehr Flügel als Mitglieder habe und der FDP riet er, die Schuhe mit der 18-Prozent-Marke auf der Sohle wieder aus dem Schrank zu holen.

Neben der „Perle der Uckermark“, Angela Merkel, hatte er sich ganz besonders auf den schnell sprechenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger eingeschossen, vor dem man sich eigentlich nicht zu fürchten braucht, da er „niemand etwas tut, sondern nur spielen will“.

Als idealen Partner von „Angie“ Merkel hat sich Florian Schroeder Xavier Naidoo ausgesucht, der für ihn der lebende Beweis dafür ist, dass es den „Wachturm“ inzwischen längst auch als CD gibt. Vor der von ihm nicht unbedingt uneingeschränkt angebeteten „Perle der Uckermark“ verneigte sich Florian Schroeder einmal mehr wegen ihrer souveränen Silvesteransprache, die sie im Jahr 2058 in einer vermutlich lauen Nacht bei nur 29 Grad zelebrieren wird, während er sich aktuell auf Dating-Lines als Frau ausgibt, um letzten Geheimnissen des anderen Geschlechts auf die Spur zu kommen.

Mit spontan im Publikum angesprochenen Besuchern aus Unterensingen und Unterlenningen konnte er sich auf die Suche nach von ihm sofort unterstellten Feindschaften zu Bewohnern aus Oberensingen und Oberlenningen begeben und belegen, dass er nicht nur sein neues Programm parat hat, sondern sich immer wieder aufs Neue auf sein Publikum einlässt, das seinen Auftritt vor allem dann uneingeschränkt genießen kann, wenn es nicht das Pech hat, ungewollt von dem erfolgsgewohnten Kabarettisten auf die Bühne entführt zu werden.

Nach eigener Aussage darauf geschult, „Heizdecken zu verkaufen“, hatte Florian Schroeder auch keine Schwierigkeiten, seine neue CD entsprechend erfolgreich zu promoten und allen möglicherweise noch unentschlossenen Menschen im Publikum klar zu machen „Du willst sie doch auch“.