Lokale Kultur

Mit "Hardpolka" zum "Polka-Overkill"

KIRCHHEIM Schon vor zwei Jahren galten die "Shanes" beim Openair-Festival auf dem Rollschuhplatz als eine der Hauptattraktionen, die

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USCHI NEROLADAKIS

das Publikum mit ihrer Punk'n'Polka-Begeisterung ansteckten. Mit einer hinreißenden Show und temperamentvoller Musik sorgten sie im Gewölbekeller des club bastion erneut für fantastische Stimmung.

Aus einem schnellen Volkstanz, der vor fast 200 Jahren in Böhmen aufkam und sich rasch über ganz Europa ausbreitete, lässt die sechsköpfige Band aus Trier die "Hardpolka" entstehen, eine Mischung aus Polka, Punk, Rock und den verschiedensten Folk-Elementen.

Mit "Outbreak of Polka" begannen die Künstler den Abend, der zu einer wahren Polka-Euphorie führte und in dessen Verlauf Kirchheim zur "Polka-City 2005" erklärt wurde. Im Handumdrehen sprang der Funke auf das Publikum über und selbst wenn die Musiker mit einem gemächlichen Dreivierteltakt wie bei "Long haired Country-Boy" begannen, verwandelte sich das Stück schon nach wenigen Augenblicken wieder in eine schnelle "Pölka", die die Tänzer vor der Bühne zu immer gewagteren Tanzschritten animierte.

Da Trier, die Heimatstadt der Band, nahe an Frankreich liegt, bewiesen die Musiker ihre Französischkenntnisse mit Liedern wie "Passant par Paris", aber auch andere Länder schienen den Polka-Experten nicht allzu fern zu sein. Ein russisches "Nastrowje" gab dem Bandleader und Sänger mit dem fantasievollen Künstlernamen Kornelius Flowers die Gelegenheit, die Besonderheit der Polka-Fans zu erwähnen, die in jeder Hand ein Bier zu halten haben, was auch gleich mit dem Titel "Drunkeness, Drugs and Polka" gefeiert wurde.

Anfeuernde Rufe und Pfiffe der Begeisterung gab es vor allem auch, wenn sich die Musiker mit ihren Instrumenten unter das Publikum mischten und die Geigerin Daniela Grünewald, angetan mit Spitzenmieder und gold-schwarz gestreiftem Taftrock, es sich nicht nehmen ließ, mit nackten Füßen den Rhythmus zu stampfen. Der Titel "I'm so happy and I don't know why" wurde zum Ohrwurm und Schlachtruf des Abends und kann nur mit "weil Polka Kult ist" beantwortet werden.

Ausgefallenes Outfit wie Frack und Zylinder, Rüschenhemd und Smokinghose gehörte ebenso zur schrillen Polka-Show wie eine Vielzahl an Instrumenten. Vor allem das Akkordeon, virtuos gehandhabt von AndieBoy Diewald, sowie verschiedene Gitarren, Banjos und Mandolinen, gespielt von einem jungen Mann aus Nagold, der unter dem Künstlernamen "Warpig" auftrat, bestimmten die musikalische Qualität des Abends. Schlagzeuger Stephan Zender und Bassist Danmehl sorgten für den entsprechenden Rhythmus, der zur Beendigung des allgemeinen Winterschlafes hervorragend geeignet schien.

Rock'n'Roll, Walzer und auch Tango gingen mit der Polka ein musikalisches Bündnis ein und die wenigen Zuschauer, die anfangs noch Sitzplätze bevorzugt hatten, hielt es bald auch nicht mehr auf den Bänken. Mit stetig steigender Begeisterung hielten die "Shanes" das Publikum bis zum "Polka-Overkill" in Atem, und wer an diesem Abend etwas unentschlossen doch lieber auf seinem häuslichen Sofa verharrte, hat sich mit Sicherheit ein fantastisches Polka-Kult-Event entgehen lassen.