Lokale Wirtschaft

Mit High-Tech made in Kirchheim auf Ganovenjagd

KIRCHHEIM Überwachungskameras, winzige Audiorecorder, hoch empfindliche Detektoren, kugelsichere Westen wer bei Markus Kneher am Besprechungstisch sitzt, muss unweigerlich an Spionagethriller, CIA und KGB denken. Markus

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FRANK HOFFMANN

Kneher ist Spezialist in Sachen Sicherheitstechnik, und sein Unternehmen MIB-Electronic in Kirchheim zählt weltweit zu den führenden Anbietern miniaturisierter Audio-, Video- und Funksysteme. Kunden sind in erster Linie Ermittlungsbehörden und Nachrichtendienste, aber auch viele Industrieunternehmen nutzen gerne die Erfahrung der Kirchheimer Experten.

Vor rund zehn Jahren ist Markus Kneher in das Überwachungsgeschäft eingestiegen, "eher durch Zufall", erzählt er. Der gelernte Werkzeugmacher hatte zu Beginn der 90er-Jahre in Kirchheim einen Telefonladen eröffnet und dadurch auch etliche Firmenchefs kennen gelernt, die sich von ihm ein Autotelefon in ihr Fahrzeug einbauen ließen. "Eines Tages kam einer dieser Unternehmer zu mir und wollte eine Videoüberwachungsanlage für seinen Betrieb." Wenig später kamen Kameras für die Ferienvilla und die Yacht hinzu, natürlich mit der Möglichkeit, über das Mobilfunknetz vom heimischen Schreibtisch aus einen Blick ins Feriendomizil zu werfen. Mit Begeisterung stürzte sich der Jungunternehmer auf das neue Betätigungsfeld, bildete sich weiter, suchte versierte Mitarbeiter, knüpfte Netzwerke mit anderen Firmen und hatte zudem das Glück, einige Marktlücken zu entdecken. "Allmählich wurden die Anforderungen und die Systeme immer komplexer", sagt Kneher, und aus dem kleinen Telefonladen wurde im Laufe der Jahre ein gefragtes High-Tech-Unternehmen für Sicherheitsfragen.

"Ein Riesenproblem ist der Bereich Industriespionage", beschreibt der Kirchheimer einen der Gründe, weshalb Unternehmen bei ihm anklopfen. Gerade den innovationsfreudigen baden-württembergischen Betrieben entstehen durch Ideenklau immense Schäden. Bundesweit sind es Jahr für Jahr Milliardenbeträge. Genaue Angaben gibt es nicht, denn das Gros der ausspionierten Firmen schweigt aus Angst vor dem Imageverlust. Laut einer vom Sicherheitsforum Baden-Württemberg einem unabhängigen Gremium aus Behörden, Verbänden, Firmen und Forschungseinrichtungen in Auftrag gegebenen Studie sind zwei Drittel der 400 befragten Technologie-Unternehmen aus dem Ländle bereits Opfer von Industriespionage geworden. Besonders betroffen seien kleine, innovative Unternehmen mit neuen Produkten und zukunftsweisenden Produktionsverfahren, vor allem, wenn sie international agieren.

Eine Einschätzung, die Markus Kneher nur bestätigen kann. "Der Informationsabfluss ist enorm. Handys werden abgehört, Telefone angezapft, E-Mails gelesen oder Kameras in Büros installiert." Viele unterschätzen die Gefahren und vor allem auch die beeindruckenden technischen Möglichkeiten: "Es gibt mittlerweile Kameras, die sind so klein, dass sie in eine Schraube passen." In seiner langjährigen Praxis sind dem Sicherheitsspezialisten schon die abenteuerlichsten Konstruktionen begegnet. "In einem Fall hat sich beispielsweise herausgestellt, dass in einer Blumenschale, die ein Mitarbeiter geschenkt bekam, ein komplettes Videoüberwachungssystem eingebaut war."

Der Schutz vor derart heimtückischen Angriffen ist ein Spezialgebiet des Kirchheimer Unternehmens. So hat MIB zum Aufspüren solcher Funk-Überwachungssysteme einen Video-Scanner entwickelt, der auch auf Reisen, etwa im Hotelzimmer, eingesetzt werden kann, um sicher zu gehen, dass keine ungebetenen Gäste die Gespräche belauschen. Komplizierter wird es, wenn es sich um drahtgebundene Systeme handelt, erzählt Kneher. "Diese finden Sie nur mit speziellen Detektoren, die auf die Zeilenfrequenz der Kamera reagieren." Die Kirchheimer Firma ist eine der wenigen Anbieter solcher Spezialgeräte.

Geht es bei den Firmenkunden, die knapp 30 Prozent des MIB-Umsatzes ausmachen, vor allem um die Abwehr von Lauschangriffen, wollen die Behörden von Markus Kneher in aller Regel High-Tech zur Überwachung und Verbrechensbekämpfung. Bundeskriminalamt oder Landeskriminalämter gehören ebenso zu seinen Kunden wie Nachrichtendienste. Und immer mehr Interessenten aus dem Ausland melden sich bei dem kleinen schwäbischen Unternehmen mit acht Mitarbeitern. "Rund 70 Prozent unserer Behörden-Kunden kommen mittlerweile aus dem Ausland", sagt Kneher. Vertreten sind alle europäischen Länder, aber auch Australien oder Südafrika.

MIB baut für diese Kunden meist individuell zugeschnittene Audio- und Videoüberwachungsanlagen mit digitaler oder analoger Datenübertragung per Funk oder Kabel. Gefertigt werden die High-Tech-Produkte von den MIB-Technikern in der Alleenstraße und Partnerbetrieben in Kirchheim und Umgebung.

Neu im Sortiment hat Markus Kneher kugel- und stichsichere Westen. Gängige modische Marken-Jacken, die entsprechend umgearbeitet werden und "sehr gut laufen", freut sich der Firmenchef über die große Nachfrage. Auf Wunsch gibt's die Jacken auch mit GPS-Einheit, sodass die Mitarbeiter jederzeit geortet werden können. Und immer wieder wird Kneher auch mit außergewöhnlichen Wünschen konfrontiert. So hat seine Firma schon für besorgte und zugleich betuchte Eltern GPS-Sender im Schulranzen der Kinder eingebaut. "Die Leute haben Angst vor Entführungen und wollen deshalb sicher gehen, dass sie im Notfall den Aufenthaltsort ihres Kindes ermitteln können." Diese Geräte arbeiten mit einer erstaunlichen Präzision und zeigen die Position hausnummerngenau an. Allerdings hat die ausgefeilte Technik auch ihren Preis: Rund 6 000 Euro müssen die Kunden für solche Spezial-Sender auf den Tisch legen.

In der Welt der Reichen und Schönen auf Kundenfang geht das neue MIB-Tochterunternehmen "VIP-Secure-Yacht". Zielgruppe sind die Eigner luxuriöser Motor- oder Segelyachten, die großen Wert auf eine professionell geschützte Privat- und Geschäftssphäre legen. "Spezialisten können in kürzester Zeit Kameras und Mini-Sender auf einer Yacht installieren", beschreibt Markus Kneher eine Gefahrenquelle, eine andere ist das Abhören von mobilen GSM- oder Satellit-Telefonen: "Heutzutage ist es privaten Spionen möglich, mit geringem Aufwand internationale Telefonate anzuzapfen. Die hier gewonnenen Informationen werden teilweise sogar zum Kauf angeboten." Um solchen Angriffen vorzubeugen, hat "VIP-Secure-Yacht" ein High-Tech-Paket geschnürt. Dazu zählen Hochfrequenz-Scanner und Detektoren zum Aufspüren von Wanzen und versteckten Kameras und Chiffrier-Boxen, die Telefonate und Faxe schützen. Hinzu kommen Transpondersysteme, die Langfingern den Zutritt zur Yacht verwehren. Darunter ist die weltweit erste mobile Biometrie-Lösung: Nur mit dem richtigen Fingerabdruck öffnet sich die Tür. Ungebetene Gäste haben keine Chance, das Schloss zu knacken.www.mib-electronic.dewww.vip-secure-yacht.com