Lokale Kultur

Mit Hingabe gespielt

KIRCHHEIM Ein anspruchsvolles Programm stellte Joachim Stumber für das sinfonische Konzert des Volkshochschulorchesters zusammen und mit Begeisterung hat er es

Anzeige

PATRICK TRÖSTER

am Pult umgesetzt. Es ist bewundernswert, wie dieser Dirigent es schafft, ein Liebhaberorchester musikalisch so mitzureißen, dass der Funken ins Publikum überspringt.

Mit Gabriel Faures Ouvertüre "Masques et Bergamasques" war das Volkshochschulorchester noch zu sehr mit sich beschäftigt, um die frische, italienisierende Stimmung der federnden Ouvertürenmelodien ins Publikum hineinzutragen. Doch nachdem sich die Intonation der Violinen gefunden und die Klangbalance der Bläser bereinigt hatte, war das Orchester für Robert Schumanns A-Moll-Cello-Konzert gut vorbereitet.

Dieses dreisätzige Werk in einem Bogen, stellen für den Solisten und das Orchester eine mentale Herausforderung dar, denn Schumanns im Geiste mitkomponierende Gesellen "Floristan und Eusebius" lösen sich darin auf. Die über Jahre hinweg durch Kreativität gebannte Schizophrenie des Komponisten sucht sich ins dieseitig Existenzielle eine Bahn.

Diesem in Musik gegossenen Existenzkampf lieferte sich der Solist mit Hingabe und Konzentration aus. Christoph Zantke intonierte seine "Klage ohne Worte" nachdrücklich und hartnäckig über die schroffen Bläserakkorde hinweg. Mit ganzer Macht hielt der Dirigent das Orchester zusammen und platzierte zielsicher die Tuttieinwürfe. Im nahtlos angefügten zweiten Satz kantilierte Christoph Zantke mit sanfter Kraft und frei schwingendem Bogen, um im dritten Satz ganz den Vorsänger eines Rondos im Balladenton zu sein.

Mit ausgefeilter Virtuosität, leidenschaftlichem Temperament und Hartnäckigkeit forderte er das Orchester fast zum Duell heraus. Joachim Stumber nahm beherzt den Faden auf und verlangte seinen Musikern alles ab. Die Vibrationen des energiegeladenen Cellokonzertes schwangen in Franz Schuberts dritter D-Dur-Sinfonie noch nach.

In der Einleitung zum Kopfsatz baute sich ein breiter sinfonischer Klang bei den Bläsern auf und das feurige Allegro brachte das ganze Orchester aufgewühlt in Schwung. Beim anschließenden heiteren Alle-gretto, ein gemütlicher bukolischer Spaziergang, kam ordnende Ruhe ins Spiel. Rau und herzlich gebärdete sich der dritte Satz, das Menuett, trotz der erdigen Bordune mit einer frechen Leichtigkeit, das Trio volkstümlichen walzernd. Im abschließenden Presto vivace forderte Joachim Stumber seinem Orchester einiges ab: Schwungvoll und unermüdlich wies er den Weg und baute in seiner Interpretation auf das Temperament junger Mitspieler.

Der "Pfiff" des dahingaloppierenden Jagdrhythmus' begann sich langsam einzustellen, wenn er immer wieder herzhaft beschleunigte. Der Funken sprang ins Publikum über, und Beifall befreite die angereicherte Spannung.