Lokale Wirtschaft

Mit Kontinuität und Glaubwürdigkeit auf der Überholspur

Wenn in der Automobilindustrie alles weint und nur einer lacht, dann kann dieser eine nur Dr. Wendelin Wiedeking heißen. Der Porsche-Chef sprach anlässlich der vor 30 Jahren erfolgten Fusion der Kreissparkassen Esslingen und Nürtingen über "Deutsche Manager soziale Verantwortung im Zeitalter der Globalisierung".

ESSLINGEN Angesichts der aktuellen Vorgänge bei Opel bekam das Thema im Kreissparkassen-Foyer, wo sich rund 800 Zuhörer versammelt hatten, zusätzliche Brisanz. Verständlich, dass Wiedeking vor laufenden Fernsehkameras keine konkrete Kollegenschelte betreiben möchte, doch stellt er eines unmissverständlich klar: "Ein Unternehmen nur durch Sparen zu sanieren, geht nicht. Das geht nur über die Produkte." Nur so habe der Stuttgarter Sportwagenhersteller die Krise von 1992 überwunden. "Damals waren wir praktisch pleite", erinnert Wiedeking.

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Die Wende zum renditeträchtigen Autobauer, auch das macht Wiedeking deutlich, hätte Porsche ohne motivierte Mitarbeiter nicht geschafft. Für den Vorstandsvorsitzenden ist es deshalb selbstverständlich, die gesamte Belegschaft am unternehmerischen Erfolg zu beteiligen. In guten Jahren heißt das Prämie für alle, in schlechten Gehaltsverzicht. Auch für die Manager: "Mitgefangen, mitgehangen", sagt Wiedeking.

Denn weitaus wichtiger als schnelle Gewinnmitnahmen seien langfristige Perspektiven für den Betrieb und für die Mitarbeiter. "Wir haben auch eine soziale Verantwortung." Gleich mehrmals verwendet Wiedeking im Podiumsgespräch mit Jürgen Offenbach, Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, die Stichworte Glaubwürdigkeit und Kontinuität. Deshalb stimmt der Porsche-Chef dem Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzenden Franz Scholz uneingeschränkt zu, wenn es um die künftige Strategie der Sparkasse geht. "Wir fragen nicht, wo wir abbauen können, sondern wir suchen nach Marktchancen", betont Scholz. Damit ist er auf einer Linie mit Wiedeking, der sagt: "Das halte ich für eine sehr gute Philosophie." Spontan applaudieren die Zuhörer, als sie erfahren, dass der prominente Manager an diesem Abend auf sein Honorar verzichtet die Sparkasse soll das Geld einem gemeinnützigen Zweck spenden.

Wendelin Wiedeking ist ein Mann der klaren Standpunkte. Von Firmenübernahmen oder voreiligen Fusionen, bei denen es auch Verlierer gibt, hält er wenig. Sich "niemals abhängig machen" ist eine seiner Maximen. Das gelingt Porsche in der Sportwagennische weitaus besser als anderen Autobauern mit ihren deutlich größeren Modellpaletten. Wiedeking kann sich freuen wie ein Kind, wenn er den Branchenriesen mal wieder Marktanteile wegschnappt: "Wir haben mit dem Cayenne richtig geräubert in dem Teich der anderen." Wenn das Einsparpotenzial stimmt, soll das auch mit der angepeilten vierten Baureihe der Fall sein. "Das wird richtig Freude machen vielleicht nicht unseren Wettbewerbern, aber unseren Kunden."

Wenn in seinem Unternehmen Fehler passieren, lässt Wiedeking sie sofort abstellen. Gleiches verlangt er von deutschen Politikern. "Endlich handeln statt alles kaputtreden" lautet deshalb die Devise des Porsche-Chefs. Hartz IV, Ein-Euro-Jobs oder Ich-AG sind für Wiedeking "alles Unwörter, die nichts vermitteln". Damit es mit Deutschland wieder aufwärts geht, müsse jeder Einzelne erst einmal bereit sein, für die Gemeinschaft zurückzutreten. Wendelin Wiedeking glaubt an ein starkes Europa, auch wenn er die Aufnahme der zehn neuen Länder für "politisch und strategisch nicht genug vorbereitet" hält. Doch so viel steht für ihn fest: "Die deutsche Geschichte wird sich auflösen in einer europäischen Geschichte. Möglicherweise können wir einmal zum Vorbild werden für die USA."

pm