Lokale Wirtschaft

Mit Kraftakt im Städte-Wettbewerb punkten

In einem finanziellen Kraftakt will Kirchheim der örtlichen Wirtschaft Impulse verleihen: Einstimmig sprach sich das Ratsgremium für die Einrichtung einer Stabstelle Wirtschaftsförderung aus. Fast 200 000 Euro sind dafür zusätzlich im neuen Haushalt einzustellen. Eine Investition, die sich in einem Plus an Arbeitsplätzen, der Ansiedlung und dem Erhalt von Gewerbe sowie der Tourismusförderung auszahlen soll.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Wahrlich verlockend klingt die Perspektive, die im Handlungsprogramm Wirtschaftsförderung 2004+ formuliert wurde: Das Mittelzentrum Kirchheim soll demnach bis 2008 zum mittelstandsfreundlichsten Standort in der Region werden. Eine Hoffnung, die Vertreter aller Fraktionen teilen. Das Handlungsprogramm setzt auf die drei Säulen Stadtmanagement, Mittelstandsförderung und Tourismusförderung. "Die große Chance liegt in der Bündelung der Aufgaben", warb Bürgermeister Günter Riemer für die Institutionalisierung der Wirtschaftsförderung in Kirchheim, bislang extern durch Dr. Stefan Leuninger vom Friedrichshafener Wirtschaftsförderungsinstitut Imakomm wahrgenommen.

In einem langen Abwägungsprozess möglicher Organisationsformen setzte sich das Modell einer Stabstelle der Verwaltung durch, direkt bei der Oberbürgermeisterin angesiedelt. Der bewährte Wirtschaftsbeirat soll erhalten bleiben und die Funktion von Controlling und Beratung erfüllen, führte Dr. Leuninger die Zukunftspläne im Ratsrund aus. Er präsentierte die Konzeption der neuen Stelle und unterstrich gleichzeitig eindrucksvoll deren dringende Notwendigkeit: "Auch im Jahr 2004 haben wir die Trendwende in Sachen Beschäftigungsabbau in Kirchheim noch nicht gestoppt!"

Organistorisch ist an eine neue Leitungsstelle gedacht, die demnächst bundesweit ausgeschrieben werden soll. Ihr wird komplett die Aufgabe der Mittelstandsförderung zugedacht. Weiter soll die Teilstelle Stadtmarketing von 50 auf 100 Prozent aufgestockt und in den neuen Handlungsbereich mit Schwerpunkt Stadtmanagement integriert werden. Das gilt auch für die komplette Kirchheim-Info, deren Chancen einerseits in der Förderung des Erholungs- und Stadttourismus, vor allem aber des messeorientierten Geschäftstourismus liegen. Ergänzt werden soll das neue Team durch eine Sekretariatsfachkraft, sodass insgesamt eine "schlagkräftige operative Einheit" entsteht, wie Leuninger überzeugt ausführte. Längerfristig soll die städtische Stelle in eine privatrechtliche Lösung überführt werden. Den Verantwortlichen schwebt nach zwei Jahren die Schaffung einer GmbH vor, entsprechend dem Wunsch von BdS und City Ring.

Vertreter aller Fraktionen befürworteten das "echte Kirchheimer Modell", wie Leuningers Etikett lautete. "Wir tun das, weil wir wie ein Unternehmen merken, dass wir im Wettbewerb der Städte stehen", relativierte CDU-Mann Elmar Müller die Ausgaben, die den Haushalt 2006 mit einem Plus von nahezu 200 000 Euro belasten. "Die Stadt leistet sich diesen Kraftakt", betonte SPD-Fraktionsführer Walter Aeugle und bilanzierte:"Unsere Standortvorteile sind vorhanden, aber sie sind keine Selbstläufer." "Froh, nach langem Ringen eine gute Lösung" gefunden zu haben, zeigte sich Ralf Gerber für die Freien Wähler. Auch Christoph Tangl, Vorsitzender der Grünen Alternativen, bekannte sich für seine Fraktion zur Wirtschaftsförderung, und wollte dabei die Schwerpunkte auf Existenzgründungen und Hochschulkontakte gelegt wissen.

Die Zustimmung im Rund erfolgte einstimmig. Noch im November soll die Vorstellung der Kandidaten im Wirtschaftsbeirat erfolgen, kurz darauf die Entscheidung über die Besetzung der Stelle im Gemeinderat.

Noch schneller geht es bis zum ersten großen "Auftritt" der neuen Standortbroschüre, die gestern druckfrisch vorlag: Sie soll auf der Expo Real ab 10. Oktober in München verteilt werden und die Stadt am Fuße der Teck bei dem ehrgeizigen Vorhaben unterstützen, pro Jahr mindestens eine im Hinblick auf Arbeitsplätze flächenwirksame Firma in Kirchheim anzusiedeln. Auch die Broschüre ist Bestandteil des Handlungsprogramms Wirtschaftsförderung 2004+. "In dem Druckwerk sind alle Potenziale zusammengefasst", betont Dr. Leuninger: "Wir haben damit eine Antwort auf die Frage, warum es sich lohnt, in Kirchheim zu investieren." Die Argumente liefern niemand andere als ortsansässige Unternehmer persönlich. Über dieses Engagement für die Heimatstadt als Ausdruck der Verbundenheit freut sich Stadtchefin Matt-Heidecker ganz besonders: "Der Mittelstand ist ein Pfund, mit dem unsere Stadt wuchern kann."

"Zukunft entsteht dort, wo Ideen wachsen können" lautet der Titel der Broschüre im DinA 4-Format, die mit ungewohntem Erscheinungsbild für Aufsehen sorgt. Überwiegend in kühlem Blau gehalten, soll sie Seriosität und Souveränität ausstrahlen, wie Britta Fahrion und Martina Bohl von der Kirchheimer Agentur fmk betonen. Damit kontrastiert ein frisches Grün, Wachstum und Freude symbolisierend und sicher auch die Hoffnung, dass das Samenkorn Wirtschaftsförderung alsbald aufgeht und reiche Früchte trägt.