Lokale Kultur

Mit "Prinz Pommes" durch dick und dünn

KIRCHHEIM Nach Tischpuppentheater mit Ilka Wimmer und den "Bremer Stadtmusikanten" für Kinder ab drei Jahren stand gestern im Foyer der Kirchheimer Alleeenschule "großes Theater" auf dem Programm. Das Ensemble des Landestheaters Württemberg-Hohenzollern

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WOLF-DIETER TRUPPAT

Tübingen Reutlingen (LTT) brachte im Rahmen der Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen in der Alleenschule das so lustige wie nachdenkenswerte "Drama" um den immer fetter werdenden "Prinz Pommes" auf die Bühne.

Mit seinem eindrucksvollen Solo konnte Daniel Blum die vielen Schülerinnen und Schüler sofort begeistern. Das Problem, gegen das der Schauspieler anfangs immer intensiver anspielen musste, war die dann doch etwas zu intensive Publikumsbeteiligung. Sprach er in den Anfangsminuten von seinem spindeldürren Nebensitzer mit dem Spitznamen "Gurke", wurde sofort der tatsächlich neben ihm im Publikums sitzende Schüler für alles verantwortlich gemacht, was Gerd Dombrovski alias "Gurke" in dem von Michael Miensopust geschriebenen Stück sagt, denkt oder tut.

Dass er keinesfalls dick sondern nur etwas pummelig ist, war der Titelfigur "Bodo Bollmann aus Ötlingen bei Kirchheim" dabei ungemein wichtig. Immerhin bekannte er sich aber dazu, total unsportlich und total verliebt in Maja zu sein, die er von der hintersten Reihe aus beobachtet. Nicht allzu verwunderlich war natürlich, dass "das schönste Mädchen in der Klasse" mit "den blondesten Haaren, die man sich vorstellen kann", sich nicht für ihren Schulkameraden interessierte, der sich immer möglichst weit von allen anderen zurückzog.

Sein Lieblingsplatz war schließlich sein Sofa, von dem aus er ohne sich bewegen zu müssen, das nie endende Fernsehprogramm verfolgen und per Fernbedienung steuern konnte, während seine Klassenkameraden draußen Fußball spielen "mussten". Damit er tatsächlich Stunde um Stunde ohne jegliche Bewegung vor dem Fernsehgerät zubringen konnte, hatte er rund um sich alles verteilt, was er gerne isst.

Als Sohn eines Vaters, der immer wieder auf Geschäftsreisen ist und einer hyperaktiven Mutter, die neben unterschiedlichsten Selbstverwirklichungs-Kursen auch dauernd wichtige Termine mit ihren vielen Freundinnen hat und immer unterwegs ist, bleibt Bodo Bollmann ständig sich selbst überlassen.

Ohne Hilfe von außen hat er keine Chance, den Verführungskünsten der telegenen Fee Mathilda zu widerstehen und zappt sich ins paradiesische "Schlemmerland", wo alle dick sind und er plötzlich erklären muss, dass er nicht dürr, sondern nur etwas pummelig ist.

Während Bodo "es liebt", in Schlemmerland geliebt, gemästet und schließlich auch zum König ausgerufen zu werden, erkennt er zunehmend die ihm drohenden Gefahren. Unendlich fett, wie er inzwischen ist, kann er sich schließlich kaum mehr bewegen und auch kaum flüchten, als er erkennt, dass das vermeintliche Schwimmbad eine riesige Fritteuse ist, in der ihn die böse Hexe Mathilda "zubereiten" will.

Nach seiner gerade noch geglückten Flucht aus "Kingsize-Town", wo es nur Laufbänder, Rolltreppen und an jede Ecke ein Fastfood-Restaurant gibt, verschlägt es ihn nach "Fit-City". Diese Stadt scheint nur aus Trimm-Dich-Pfaden und Radwegen zu bestehen. An jeder Straßenecke stehen dort Turngeräte und wer ins Kino will, muss erst elegant drei Barren überwinden.

Von einer Diät stürzt sich Bodo nun in die andere und treibt nur noch Sport. Erst isst er nur noch Gurken, dann nur noch Gurkenschalen und schließlich überhaupt nichts mehr. Bevor er von einer Katze gefressen wird, wacht er rechtzeitig auf, um ins "normale Leben" zurückzukehren und sich zu freuen, dass alles nur ein böser Traum war.

Bei den Bundesjugendspielen wird er nicht alleine Letzter, sondern geht zeitgleich mit Gurke über die Ziellinie. Klassenlehrerein Weissmüller-Ganzkar lobt ihn und Maja lächelt ihn sogar an. Als er dann auch noch seinen angebissenen Schokoriegel in der Hosentasche wiederfindet, ist das Happy-End perfekt und genügend Material geliefert für Diskussionen über Essstörungen und Übergewicht, zu wenig Bewegung und zu viel Fernsehkonsum.