Lokale Kultur

Mit Samtmieder und Müllsäcken auf Erfolgskurs

KIRCHHEIM Ihr Publikum möglichst lustvoll in die Oper zu bringen, ist das Anliegen der Künstlerin Katharina Herb, die mit ihrem Pro-

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USCHI NEROLADAKIS

gramm "Orgien in Arien" beim Kirchheimer club bastion gastierte und im Kellergewölbe ein erwartungsvolles Opern-Feeling verbreitete.

Die ausgebildete Mezzosopranistin setzte wirklich alles daran, möglichst viele klassische Höhepunkte zu bieten, begann den Abend mit der "Barcarole" und demonstrierte auch sogleich anhand ihres erotischen Outfits bestehend aus rotem Samtmieder mit ebenfalls roten Müllsäcken kombiniert die vielfältigen Reize eines Opernbesuchs.

Nicht nur Arien und die auch nicht immer in ihrer ursprünglichen Form standen auf dem Programm, Katharina Herb vermittelte auch jede Menge amüsantes Hintergrundwissen und zahlreiche Anekdoten aus der Welt der Oper, um den Bildungsstand des zahlreich erschienenen Publikums zu steigern.

Der Handtascheninhalt einer Opernsängerin war dabei ebenso Thema wie Hermaphroditen und der Begriff "Leporello", der aus Mozarts "Don Giovanni" stammt. Katharina Herb kündigte den Wechsel in eine Hosenrolle mit dem Überstreifen von Sportsocken als typisch männlichem Attribut an und sang die "Registerarie" des Dieners Leporello, der bei ihr wohl ein Vorfahre von Ingo Insterburg gewesen sein muss, denn auch er "kannte einst ein Mädchen . . ."

In der Arie "Casta Diva" aus Bellinis Norma wollte diese Diva viel Neues und Teures, vor allem aber wollte sie nicht altern, denn wie aus den Schauspielkünsten der Künstlerin zu entnehmen war, kämpfte sie ständig gegen die Folgen eines Face- Liftings an. Die bereits erwähnten Tennissocken dienten auch noch der Aufstockung ihres Dekolletees, um sich auch noch als Maria-Hellwig-Verschnitt mit dem Lied "Mei Bua" von Karl Millöcker etwas im Jodeln zu üben. Einen besonderen Platz nahm im Verlauf des Abends die andere Maria ein: Mit Maria Callas fühlte sich Katharina Herb nicht nur wegen der markanten Nase verbunden, doch musste sie neidlos anerkennen "die Callas war in allem größer."

Während sich ein Teil des Müllsackes in eine Stola verwandelte, wurde bei Katharina Herb aus dem "Bambino Caro" ein teures Väterchen, das von der Partyqueen vor allem um Prada-Schuhe und ähnliche Luxusgüter gebeten wurde.

Eine Diva, die schon vor ungefähr 100 Jahren Karriere machte, war Ernestine Schumann-Heinck, die von der Herb nicht nur wegen ihrer Stimme, sondern auch für ihre Fähigkeit, Mutterschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen, bewundert wird. Ihr galt das "Chanson Boheme", das jetzt zum frivolen "Sex mit dem Ex" wurde und die Künstlerin in schwangerem Zustande zeigte wieder ein Verwandlungstrick der überaus vielfältigen und wandlungsfähigen Müllsäcke und die ihr Baby wie damals schon Ernestine Schumann-Heinck im Orchestergraben ablegte. Bei Katharina Herb war dies allerdings der Platz neben ihrem "DPO" und damit war nun nicht das "Detroit Philharmonic Orchestra" gemeint, sondern das "Digital Pocket Orchestra", ein CD-Player, der ihr die Background-Musik lieferte . . .

Zu einer wahrhaft schlagenden Rolle in der Arie "Batti" kam Bernhard ob er sich jemals wieder in die erste Reihe wagt? Zusammen mit Katharina Herb bewältigte er dann aber die gewagte Gratwanderung zwischen Erotik und Komik mit Bravour.