Lokale Kultur

Mit Schalk, Charme und Piano

Standing Ovations für den Musikkabarettisten Armin Fischer in der Kirchheimer Bastion

Kirchheim. Gekleidet im schwarzen Frack klettert er elegant die Feuerleiter hinunter, Armin Fischers Abstieg auf die Bastionsbühne, ein genialer

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Brigitte Gerstenberger

Einstieg in sein neuestes musikalisches Kabarettprogramm „Einmal Klassik und zurück“, Anekdoten nach Noten. Im wahrsten Sinne des Wortes ein bahnbrechender Samstagabend, bei dem das Publikum im rappelvollen Gewölbekeller erste Klasse mit der Klassik fahren durfte, furios vernetzt mit Pop und Jazzmusik. Eine ausgesprochen gut gelungene Auftaktveranstaltung der Kirchheimer Musiktage „Tasta-Tour“, für Einsteiger und Abgefahrene sowie für alle Liebhaber virtuoser Fingerfertigkeit.

Als klassischer Pianist an der Musikhochschule Hamburg ausgebildet, beherrscht Armin Fischer souverän das Tastenhandwerk. Ebenso treffsicher zielt er mit wohlkalkulierten Gags auf sein Publikum, was nicht verwundert, schulte er doch seine humoristischen Fähigkeiten im Meisterkurs „Chanson und Kabarett“ bei Lore Lorenz (Komödchen), Musikhochschule Essen. In schwäbischen Gefilden bestens bekannt, erfreut sich der Preisträger der Böblinger Mechthild 2006 in Süddeutschland großer Beliebtheit. Und so ist es naheliegend, dass der Westfale Fischer mit pianistischer Freude auf den Schienen der „schwäbsche Eisenbahne“ dahinbraust.

Zwischendurch gibt er im lockeren Plauderton absurde Pseudo-Anekdoten aus der Welt der klassischen Musik zum Besten, um so ganz nebenbei mit flinkem Tastenspiel das Konzert pianistischer Kunstfertigkeit ins Groteske zu verfremden. Da purzelt munter der Bolero durch die Noten von „Für Elise“, das Sesamstraßen-Lied trifft auf Johann Sebastian Bach und Procul Harum und besagte Schwaben-Hymne paart sich mit dem „Girl from Ipanema“.

Ob Jazzstandard, Volkslied, Pop-Hits oder Klassik von Dur bis Moll, Fischer beherrscht die hohe Kunst der Improvisation in atemberaubender Vollendung, Stücke auf Zuruf inbegriffen. Dabei bekommen bekannte Ohrwürmer reihenweise ihr Fett weg, ob Filmmusik im Morricone-Stil mit Mundharmonika, der „Flohwalzer“ als „meistgespieltes Stück der Welt“ in „Profiversion“ oder Mozarts „Alla-Turca-Marsch“ mit umgedrehtem Notenblatt, das Fischer beim Wenden tollpatschig aus den Händen gleitet. Das Publikum jauchzt vor Freude. Besonders der verspätete Lautlacher in der ersten Reihe hat es dem Musikkomödianten angetan, „es wäre mir lieber, Sie würden zusammen mit den anderen lachen“.

Der Mann am Klavier agiert mit Ganzkörpereinsatz, auch Stimme und Gestik gehören dazu, mal erinnert er an Jazz-Ikone Louis Armstrong, mal spielt er mit dem Rücken zum

Hintersinnig heiter und vergnüglich respektlos

Piano verschiedene Lieder gleichzeitig. Hintersinnig heiter und vergnüglich respektlos macht sich Armin Fischer über Bach, Schubert und Chopin her. Zwischendurch liefert er eine die Lachmuskeln strapazierende „TV-Sonatina“ ab mit „Carol Göttlichs“ Biene Maja und Pippi Langstrumpf. Irgendwie gerät alles aus den Fugen, denn der Berg ruft oder so ähnlich und das sommersprossige Schweden-Wunderkind stürmt mit Luis Trenker den Gipfel, wobei sie auf das ewig glühende Liebespaar Sonja Ziemann und Rudolf Prack treffen: „Dem Prack, dem hängt ein Edelweiß im Schritt und spielt im nächsten Heimatfilm nicht mehr mit.“

Durch diesen grandiosen Mix aus anspruchsvoller Klassik, Popschmelz, Ragtime und Entertainment, gewürzt mit einer gehörigen Portion Esprit, zieht sich wie ein roter Faden der allseits bekannte und beliebte Song aus dem Film-Klassiker „Casablanca“. Variationsreich mimt er den Bar-Pianisten auf großer Kreuzfahrt. Zur Erholung des Zwerchfells spielt er am Stück „ganz normal“ Liszts „Liebes­traum“, um sodann in der Zugabe selbiges wieder gewaltig zu strapazieren. Eigens fürs „Finale furioso“ hat Fischer eine „Low-budget“-Oper komponiert, die hinreißend komisch selbst dem größten Klassikmuffel die Ohren glühen ließ und das begeisterte Publikum zu Standing Ovations hinriss. Da kann nur konstatiert werden: „Play it again, Armin!“