Lokale Wirtschaft

Mit Sonne soll Aufschwung kommen

Das erste Quartal 2006 brachte den Handwerksbetrieben in der Region Stuttgart einen konjunkturellen Dämpfer.

STUTTGART Nach einem für das Gesamthandwerk guten Jahresschlussquartal im vergangenen Jahr haben die ersten drei Monate, insbesondere für die Bau- und Ausbaubetriebe, einen merklichen Umsatzrückgang gebracht. Auch für die Kfz-Branche und die Nahrungsmittelhandwerke waren die Absatzzahlen von Januar bis März alles andere als zufriedenstellend. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart Anfang April.

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Einen merklichen Impuls für die Verbesserung der Wirtschaftssituation hat sich das Handwerk von einem reduzierten Mehrwertsteuersatz erhofft. Auf großes Unverständnis ist deshalb seitens der Kammer und ihrer angeschlossenen Betriebe die Entscheidung der Bundesregierung gestoßen, die von der EU ermöglichte Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für handwerkliche Dienstleistungen in Deutschland nicht einzuführen. Gerade das arbeitsintensive Handwerk hätte davon profitieren können, ist der Verband überzeugt. Vielmehr wird die beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer im kommenden Jahr um drei Punkte als Gift für die Konjunktur eingeschätzt.

Für die Mehrzahl der über 29 000 Handwerksbetriebe in den Landkreisen Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, Böblingen, Ludwigsburg sowie in der Landeshauptstadt Stuttgart haben sich die Erwartungen an die Geschäftslage im ersten Quartal nicht erfüllt. Nachdem zum Jahresende 2005 die meisten Betriebe von einer zufriedenstellenden Auslastung berichteten, kam nun ein deutlicher Einbruch.

Im Bauhandwerk berichten gut die Hälfte der befragten Unternehmer, dass sie weniger als 50 Prozent ihrer Kapazität einsetzen konnten. Ein ähnliches Bild bei den Ausbauhandwerken: Knapp 30 Prozent der Befragten berichten von einem Auslastungsgrad von unter 50 Prozent. Ähnlich ist die Situation beim Kraftfahrzeuggewerbe. Ein Drittel der Werkstätten ist nur zu 50 Prozent ausgelastet.

Bei den Nahrungsmittelhandwerken gaben sechs von zehn Befragten an, dass sie in den ersten Monaten lediglich 70 Prozent ihrer Kapazität nutzen konnten. Bei den Metallberufen stellt sich die Situation besser dar. 70 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, dass sie mit ihrer Betriebsauslastung zufrieden sind.

Aufgrund der witterungsbedingten geringen Anzahl an produktiven Arbeitstagen im Bauhandwerk in den ersten drei Monaten stellt sich die Situation beim Konjunkturfaktor Auftragsbestand anders dar. Hatten die Betriebe im Durchschnitt des Jahres 2005 einen Auftragsbestand von rund sieben Wochen, vergrößerte sich dieser Auftragsbestand aktuell auf über elf Wochen. Dies zeigt deutlich, dass viele Aufträge nicht durchgeführt werden konnten und in den kommenden Wochen anstehen. Die Metallberufe haben sich bei einem durchschnittlichen Auftragsbestand seit mehreren Monaten bei gut acht Wochen stabilisiert. Ausschlaggebend hierfür sind die industrienahen Zulieferbetriebe, die von der guten Exportkonjunktur der Metall- und Maschinenbauindustrie in der Region profitieren.

Auf die Frage: "Wie schätzen Sie die kommenden Monate für Ihren Betrieb ein?" zeigt sich eine erfreuliche Stimmungslage. Jeder zweite befragte Betriebsinhaber gab an, dass er im zweiten Quartal eine merkliche Verbesserung der betrieblichen Wirtschaftsdaten erwartet. Immerhin denken zurzeit zehn Prozent der Betriebsinhaber darüber nach, in den nächsten Monaten Mitarbeiter einzustellen.

hwk