Lokale Wirtschaft

Mit Spitzeninnovationen zum Branchenführer

Wer das Glück hatte, eine Karte für ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft zu ergattern, hält nicht nur den Schlüssel zur Glückseeligkeit für Fans des runden Leders in Händen, sondern auch ein Stück Zukunftstechnologie aus dem Hause Bielomatik. Das Neuffener Familienunternehmen hat die Maschinen entwickelt, auf denen die so genannten intelligenten Tickets mit integriertem Chip gedruckt wurden.

NICOLE MOHN

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Dies ist eines der Innovationsfelder, auf denen sich die Experten für Papierverarbeitung, Kunststoffschweißtechnik und für Schmiersysteme seit 1946 mit stetem Erfolg tummeln. Der Global-Player aus dem Schwäbischen konnte mit Kunden, Partnern, Mitarbeitern und zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft sein 60-jähriges Bestehen feierlich begehen. Gäste aus 18 Nationen begrüßte Hans Peter Hehn, Geschäftsführer der Leuze Holding, unter deren Dach die Bielomatik heute firmiert, im festlich geschmückten Zelt auf dem Areal des Stammsitzes in Neuffen.

Als Firmengründer Hans Biel vor sechs Jahrzehnten mit der Gründung eines Konstruktionsbüros für Automatisierungsaufgaben begann, hätte er wohl kaum zu hoffen gewagt, dass das daraus erwachsene Unternehmen einmal weltweit agieren würde. Vom Ein-Mann-Betrieb mauserte sich die Firma allerdings schon zu Zeiten des Gründers schnell zu einem innovativen wie erfolgreichen Unternehmen: Schon 1950 beschäftigte Hans Biel 20 Mitarbeiter und verzeichnete einen Umsatz von 200 000 Mark.

Mit der Entwicklung neuer Maschinen wie zum Beispiel für die Blockfertigung und Herstellung von Ringbucheinlagen macht sich der Neuffener einen Namen und 1955 einen Umsatz rund 1,1 Millionen Mark. Innovation wird auch heute im Hause Bielomatik nach wie vor groß geschrieben. Ob in der Papierverarbeitung, bei der Weiterentwicklung der Schmiersysteme oder auch in der Kunststoffschweißtechnik wird ständig nach neuen Produktionswegen und Möglichkeiten zur Optimierung des Herstellungsprozesses gearbeitet.

Allein zwölf Prozent des Umsatzes fließen Jahr für Jahr in den Bereich Forschung und Entwicklung. "Es ist ein Stück schwäbische Erfolgsgeschichte", lobte Dieter Brucklacher, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zu Beginn seiner Festvortrages das Neuffener Unternehmen, das es heute auf knapp 1 000 Mitarbeiter sowie einen Jahresumsatz von rund 140 Millionen Euro bringt. Für den Verbandschef ist die stete Innovationsfreude wesentlicher Schlüssel zum Erfolg des Maschinen- und Anlagenbaus auf dem immer härter umkämpften Weltmarkt.

Hier zählen die deutschen Firmen wie Bielomatik in der Regel zu den Branchenführern, berichtete Dieter Brucklacher. Diese Position zu halten erfordere große Anstrengungen. Wachsende Konkurrenz drohe nicht nur aus dem asiatischen Raum, sondern auch in Osteuropa sei man hungrig auf Erfolg: "Allerdings mit viel geringeren Ansprüchen als wir", warnte der Präsident des VDMA. Bei den Innovationen müssten die Maschinen- und Anlagenbauer deshalb ihre führende Rolle halten und ausbauen. Damit dies gelinge, müsse die Mitarbeiterqualifizierung wesentlicher Teil der Geschäftsphilosophie sein.

Künftig seien stärker denn je kundenspezifische Problemlösungen gefordert. Auf lange Sicht reiche es zudem nicht mehr aus, Maschinen zu planen, zu bauen und dem Kunden vor die Tür zu stellen: "Service und Unterstützung bei der Optimierung des Fertigungsprozesses werden heute erwartet", machte Brucklacher deutlich.

Das Oberhaupt des VDMA forderte aber auch anpassungsfähigere Lösungen bei den Arbeitszeiten und im Tarifwesen. Wichtiger als die Einhaltung der 35-Stunden-Woche sei für die Nutzung von Marktchancen und Lösung der Kundenprobleme eine flexiblere Lösung, die mittelfristig dazu beitrage, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, appellierte er. "Vergessen sie den Mittelstand nicht", bat auch Hans Peter Hehn die Gäste aus der Politik darunter die beiden Landtagsabgeordneten Jörg Döpper und Nils Schmid als auch Rainer Arnold und Michael Hennrich, die den Wahlkreis im Bundestag vertreten.

Der Mittelstand sei mindestens ebenso innovativ wie die große Industrie und stehe zur Region und dem Land, in dem er tätig sei, forderte der Geschäftsführer der Leuze Holding mehr Unterstützung ein. Er brach zudem eine Lanze für die Familienunternehmen: "Die Sicherung langfristiger Perspektiven ist wichtiger als die kurzfristige Rendite", gab Geschäftsführer Hehn zu bedenken. Sein besonderer Dank galt deshalb den Vertretern der Familie Leuze, die ebenfalls unter den Ehrengästen saßen. Allen voran Adolf Leuze, dem "Vater der Bielomatik", wie Hans Peter Hehn betonte. Mit ihm als Geschäftsführer sei der Grundstein für das heutige Erfolgsunternehmen mit allen drei Geschäftsbereichen gelegt worden.

Nach einem interessanten Tag in den Produktionshallen der Firma Bielomatik mit zahlreichen Demonstrationen zu neuesten Technologien klang der Abend im Festzelt mit einem festlichen Menü und Showeinlagen mit der Mitarbeiter-Gruppe "DingDong", die die Gäste des Abends schon in fantasievollen Kostümen am Abend begrüßt hatte, aus.