Lokale Wirtschaft

Mit "Team-Spirit" zu neuer strategischer Ausrichtung

Im Industriepark Nabern hat gestern eine neue Zeitrechnung begonnen: Aus der Ballard Power Systems AG wurde die NuCellSys GmbH. DaimlerChrysler und die Ford Motor Company haben zu je 50 Prozent das Brennstoffzellensystemgeschäft vom kanadischen Unternehmen Ballard übernommen. Geleitet wird NuCellSys von drei gleichberechtigten Geschäftsführern, die optimistisch in die Zukunft blicken.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Das Kleeblatt an der Spitze der neuen Firma spiegelt die Brennstoffzellenallianz, die sich in Nabern bewähren soll: Kaufmännischer Geschäftsführer von NuCellSys ist Hans-Joachim Biegner von Ford. DaimlerChrysler stellt mit Massimo Venturi den technischen Geschäftsführer des Unternehmens. Schon lange mit dem Standort Nabern verbunden ist Andre Martin, der für Programm und Geschäftsentwicklung verantwortlich zeichnet.

Wichtigste Aussage des Trios für Kirchheim und Umgebung: An der Zahl der Arbeitsplätze hat sich trotz Umorganisation nichts geändert. Die 235 überwiegend hochspezialisierten Mitarbeiter am Standort Nabern konzentrieren sich nun voll und ganz auf die Entwicklung von Brennstoffzellenantriebssystemen auf Wasserstoff-Basis sowie auf die Kleinserienfertigung für Testfahrzeuge. Das Unternehmen Ballard jenseits des großen Teiches ist seinerseits auf die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellenstacks spezialisiert. Eine Entscheidung zur Konzentration auf die jeweiligen Kernkompetenzen, die auch die Aktionäre dieser Tage in Vancouver mit überwältigender Mehrheit für gut befunden hatten. Vertraute Firmennamensschilder am Industriepark Nabern müssen nicht abmontiert werden: Ballard wird weiterhin mit einem Mitarbeiterstab in Nabern vertreten sein, ebenso wie natürlich DaimlerChrysler und Ford. Weiter liefert NuCellSys Brennstoffzellensysteme an andere Automobilkunden zur Integration in deren Fahrzeuge.

Alle deutschen Brennstoffzellenaktivitäten der Firmen DaimlerChrysler und Ford sind in Nabern gebündelt. "Wir befinden uns in einer neuen Phase, die viel stärker als vorherige von der konkreten Produkt-Entwicklung gekennzeichnet ist und auf enger Zusammenarbeit mit der Fahrzeug-Entwicklung fußt", führt Hans-Joachim Biegner aus und zeigt sich überzeugt, dass die neue "strategische Ausrichtung keine Eintagsfliege" sei: Beide Automobil-Hersteller gingen davon aus, dass Brennstoffzellenautos auf den Markt kommen werden. Langfristig tendiere die Entwicklung weltweit in Richtung Brennstoffzelle, ergänzt dazu Pressesprecher Jochen Straub. Eine Aussage, die unter den Verantwortlichen neben zustimmendem Nicken auch Sorgenfalten hervorruft: "International hat das Thema in allen wichtigen Industrienationen Schub bekommen", erläutert Andre Martin und nennt als Beispiele Japan und Korea. Beträge in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar fließen dort in die Forschung, selbst in China wird die Thematik über die Universitäten gefördert. "Es wäre schön, wenn Forschung und Entwicklung in Deutschland auch mehr unterstützt würden", meint daher Hans-Joachim Biegner. Firmen agierten längst weltweit im Hightech-Kompetenzbereich.

Bis vor wenigen Jahren habe Deutschland unangefochten als führend in Sachen Brennstoffzelle gegolten, daran knüpft man heute in Nabern an. "Wir haben hier mit unseren hervorragenden Ingenieuren eine tolle Ausgangsbasis vor Ort, aber von der politischen Ebene her muss mehr getan werden", wirbt der kaufmännische Geschäftsführer für einen Bewusstseinswandel. Andre Martin, als Mitglied der Europäischen Wasserstoff und Brennstoffzellen Technologieplattform an der Gestaltung der Europäischen Förderpolitik beteiligt, betont: "Technologieförderung ist auch ein Standortfaktor."

Durch die enge Koppelung an die Automobilhersteller sieht die Führungscrew die Zukunft für NuCellSys ausgesprochen positiv. Die Beteiligung des amerikanischen Unternehmens hält Massimo Venturi wiederum für ein gutes Zeichen. Nach vollbrachter Umstrukturierung wird jetzt in Nabern eifrig weitergeforscht, damit Ende des Jahrzehnts etwas "wirklich Neues" auf den Markt kommen kann, nämlich eine nächste Generation von Fahrzeugen. Die Voraussetzungen sind gut. "Hier ist eine hochmotivierte Mannschaft am Werk", freut sich Hans-Joachim Biegner und lobt den gelebten "Team-Spirit" unter der Teck.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Zugehörigkeit des Naberner Teams zum kanadischen Unternehmen Ballard Power Systems Inc. Davor firmierte die Entwicklungsfirma unter dem Namen Xcellsis, der auch im neuen Firmentitel durchklingt.