Lokale Wirtschaft

Mitarbeiter fordern Sozialplan

Rund 70 Mitarbeiter der Firma Danaher in Wolfschlugen sind auf die Straße gegangen, um ihrer Forderung nach einem fairen Interessenausgleich Nachdruck zu verleihen. Da der amerikanische Mutterkonzern den größten Teil der Fertigung ins tschechische Brno verlegt, fallen über 100 der 130 Arbeitsplätze weg.

HENRIK SAUER

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WOLFSCHLUGEN Die Verhandlungen für einen Sozialplan haben begonnen. Die Arbeitnehmervertreter werfen der Geschäftsleitung vor, kein angemessenes Angebot vorgelegt zu haben. Sie versuche, sich billig davonzustehlen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Gerd Lotze.

Er verwies auf den Nettogewinn des Konzerns, der vergangenes Jahr 746 Millionen Dollar betragen habe und im Vergleich zu 2003 um fast 40 Prozent gestiegen sei. In der Zwischenbilanz vom Oktober 2004 seien Gewinn-Rücklagen von 3,2 Millionen Dollar ausgewiesen. "Wir fordern einen Sozialplan, der der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Konzerns Rechnung trägt, und nicht Angebote, wie sie normalerweise ein Konkursverwalter vorlegt."

Auch der Betrieb in Wolfschlugen, dort werden Kugelgewindetriebe hergestellt, sei profitabel, schreibe schwarze Zahlen. Trotzdem werde ins billigere Ausland verlegt: "Man setzt uns den Stuhl vor die Tür, weil man glaubt, anderswo billiger produzieren zu können." Es gehe nur um das Wohl der Aktionäre und um schnellen Profit, warf Lotze den Konzernstrategen vor: "Wenn ein Wiesle abgegrast ist, zieht man weiter zum nächsten." Die Leistung der Mitarbeiter, teilweise über mehrere Jahrzehnte, zähle nicht mehr.

Über die Hälfte der Mitarbeiter des Wolfschlugener Werks, denen jetzt gekündigt werden soll, sind 50 Jahre und älter. Sie fürchten, auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr unterzukommen und bei Hartz IV zu landen. "Wo bleibt da die soziale Verantwortung eines Unternehmens?", fragte Lotze. Er kündigte harte Verhandlungen an.

Das Wolfschlugener Unternehmen, auch noch bekannt unter dem früheren Namen Warner Electric, gehört seit vier Jahren zum amerikanischen Danaher-Konzern, einer börsennotierten Unternehmensgruppe, die in mehreren Branchen aktiv ist. Sauer stößt den Mitarbeitern auch auf, dass erst vor gut zwei Jahren schon einmal rund 60 Arbeitsplätze abgebaut wurden, um den Standort wirtschaftlicher zu machen. "Da haben wir mitgespielt, um für die verbleibenden Mitarbeiter eine Perspektive zu schaffen", sagte gestern IG-Metall-Sekretär Andreas Streitberger: "Jetzt wird diese Perspektive zerstört."