Lokale Kultur

Mitreißende Musik über alle Grenzen hinweg

KIRCHHEIM Auf stolze zehn Jahre blickt in diesem Sommer der Big-Band-Austausch zwischen der High School im nordwestenglischen Up Holland und dem Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium zurück

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GUNDHILD ARNOLD

zehn Jahre mit musikalischen und menschlichen Begegnungen hier und dort, zehn Jahre mit intensiven Vorbereitungen durch die Verantwortlichen, mit gemeinsamen Unternehmungen musikalischer und nicht-musikalischer Art, mit Abschiedstränen und Wiedersehensfreude, Jahr für Jahr.

Auch diesmal erwartete die englischen Gäste ein dicht gedrängtes Programm: Stadtführung und Empfang im Rathaus, Ausflüge zur Teck und an den Bodensee und nicht weniger als vier Konzerte in einer knappen Woche. Dennoch blieb Zeit für persönliche Begegnungen, Freundschaften wurden neu geknüpft oder fester geschlossen, man feierte miteinander und machte natürlich viel Musik. "Nicht die Schröders und die Blairs, Ihr macht Europa, Sie alle machen Europa" rief Walter Pech, Leiter der Big Band des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums beim Abschlusskonzert den englischen und deutschen Schülerinnen und Schülern und deren gastgebenden Eltern zu. Sein unermüdliches Engagement unterstützt von Beate Böhm und das des britischen Kollegen Alastair Roberts und seiner Mitarbeiterinnen tragen diesen Austausch mit unverminderter Begeisterung, und so können alle am Beteiligten voll Optimismus in das zweite "Exchange"- Jahrzehnt gehen.

Auf Alastair Roberts launige, mit britischem Understatement präsentierte Conférence freut man sich alle Jahre wieder und ist begeistert vom Niveau seines Ensembles, das von gründlicher und kompetenter Probenarbeit zeugt und mit hörbarer Spielfreude musiziert. Über zwanzig Titel aus Folklore, Pop, Rock, Jazz und Musical bildeten ein geschickt komponiertes Programm, das die Zuhörer im großen Saal der Ötlinger Waldorfschule zu Beifallsstürmen und "Standing Ovations" hinriss. Besonders überzeugend zeigte sich diesmal die knackige Trompeten-section; sonore Fundamente legte die Bassgruppe, der ein erblondeter Jimi Hendrix persönlich einzuheizen schien.

Extra-Bonbons waren die Intermezzi des spontan gegründeten "International Jazz Quintet" mit der wunderbaren Solotrompeterin Rebecca Belshaw und einem swingenden Andreas Dittinger am Flügel. Mächtig rockte das Elvis-Presley-Medley, die vertrackten Rhythmen im ABBA-Potpourri waren kein Problem für Alastair Roberts und seine jungen Musikerinnen und Musiker, und in den "My Fair Lady"-Ausschnitten und einem "Malaguena"- Kurztrip nach Spanien zeigten die Saxofone aus Up Holland Sentiment und melodische Qualitäten. Einen kleinen aber feinen Ausflug ins Reich des Jazz boten die inspiriert gespielten Titel von Duke Ellington und Dave Brubeck ("Take Five"), und ein offenbar speziell britisches Vergnügen ganz besonderer Art sind die "Instant-Concerts", die mit atemberaubendem Tempo kreuz und quer durch alle nur denkbaren Sparten und Arten von Musik jagen und dabei auch mal Richard Wagner erwischen können . . .

Mit "I'm a Believer" wurde das Finale eingeleitet und Dankesworte, Abschiedsgeschenke, heftig erklatschte Zugaben und im wahrsten Sinne des Wortes "grenzenloser" Jubel: Wo ist Europa, wenn nicht hier?