Lokale Wirtschaft

Moderne Wohnungen auf historischem Gelände

Im Kirchheimer "Herrschaftsgarten", auf dem Gelände des ehemaligen Foto-Fachlabors Heudorfer in der Schülestraße 13, entsteht eine moderne Wohnanlage. Geplant sind 35 Wohnungen mit großzügigen Grundrissen.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM "Die Lage ist ideal für ein solches Wohnprojekt", freut sich Dr. Michael Heudorfer über die Lösung für das Firmengelände in der Schülestraße 13. Nach der Schließung des Familienunternehmens im Mai vergangenen Jahres hatte Dr. Heudorfer zunächst versucht, die Gebäude als Gewerbeimmobilie zu veräußern. Doch angesichts der Wirtschaftsflaute fand sich "trotz mannigfaltiger Unterstützung durch Immobilienfachleute und den Wirtschaftsförderer des Kreises" kein Interessent für eine Weiternutzung der Gewerberäume mit über 4 500 Quadratmetern Nutzfläche.

In Gesprächen mit dem Kirchheimer Architekten Berthold Luippold reifte schließlich der Gedanke, die Industriebrache in eine moderne Wohnanlage umzuwandeln. "Auf Grund der Lage in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums, der angrenzenden Grünzone, der Lauter und der geringen Entfernung zum künftigen S-Bahn-Halt ist das Areal geradezu ideal für ein Wohnquartier", sind Heudorfer und Luippold überzeugt. Die vorhandenen Gebäude müssen vor allem wegen der inhomogenen Bautechnik größtenteils abgebrochen werden lediglich im Südwesten bleibt ein Teil der alten Bausubstanz erhalten und weichen einem modernen Komplex mit 35 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten. "Kommunikatives Zentrum" des neuen Stadtquartiers soll ein großzügig gestalteter Innenhof werden. "Bäume, Pflanzen und ein Wasserlauf geben diesem Bereich eine einladende Atmosphäre", skizziert der Planer sein Konzept. Dieses über eine Passage mit der Schülestraße verbundene Atrium ist gleichzeitig repräsentativer Eingangsbereich für die Wohnanlage.

Drei Aufzüge sorgen dafür, dass die von 82 bis 181 Quadratmeter großen Wohnungen schwellenfrei zu erreichen sind. Die Fahrzeuge der künftigen Bewohner finden in einer Tiefgarage Platz. Trotz der komfortablen Ausstattung mit vollflächiger geschosshoher Verglasung, elektrischen Rollläden, Fußbodenheizung und Video-Sprechanlage sollen die Wohnungen "zu den in Kirchheim marktüblichen Preisen" an den Mann oder die Frau gebracht werden, verspricht Dr. Michael Heudorfer. Größtes Plus des neuen "Stadtquartiers im Herrschaftsgarten" ist für Heudorfer und Luippold aber eindeutig die Zentrumsnähe. "Gerade die Penthäuser im obersten Geschoss eröffnen zudem einen wunderschönen Blick auf die Teck und über die Dächer der Altstadt", schwärmt Berthold Luippold. Als weiteres Bonbon steht den Bewohnern neben der Hausmeisterbetreuung ein Service-Betrieb für Hilfen im Alltag zur Verfügung. "Wer Unterstützung im Haushalt, bei Besorgungen oder bei Krankheit braucht, kann auf diesen Dienst, der nicht über eine Umlage, sondern nur nach Bedarf bezahlt werden muss, zurückgreifen", sagt Dr. Heudorfer.

Vor diesem Hintergrund sind die Wohnungen "im Herrschaftsgarten" für Michael Heudorfer und Berthold Luippold vor allem für Leute ideal, denen das eigenes Haus am Stadtrand allmählich zu groß wird, und die gerne näher am Stadtzentrum wohnen wollen. Aber auch bei jungen Familien soll gezielt für das neue Kirchheimer Wohnprojekt geworben werden.

Mit der Firma Pommer Massivbau in Neckarsulm wurde ein erfahrener Bauträger für das Vorhaben gewonnen. Die schlüsselfertige Erstellung erfolgt durch das Göppinger Unternehmen IFB Generalbau. Ende 2005 sollen bereits die ersten Eigentümer ihre neuen Wohnungen am Rande der City beziehen.

Die neue Wohnanlage entsteht übrigens auf historisch überaus interessantem Gelände, berichtet Dr. Michael Heudorfer. Der Tiergarten und das Gelände westlich der Lauter um die frühere Wasserburganlage gehörten komplett zum Kirchheimer Schloss und gaben dem Viertel und später auch dem Bebauungsplan für dieses Quartier den Namen "Herrschaftsgarten". Die heutige Schülestraße benannt nach dem Fabrikanten Rudolph Friedrich Schüle hieß früher wegen der ebenfalls zum Schloss gehörenden Rosengärten Rosenstraße. Diese Rosenanlagen im Norden der Herrschaftsgarten mussten später dem Schlachthausarael weichen.

Den Grundstein für die Fotokunstanstalt Heudorfer legte im Jahre 1898 der junge Lithograf Georg Stiegler. In der Schülestraße 13 (damals noch Rosenstraße) richtete er sein "graphisches Foto- und Retuscheatelier" ein, das er 1918 mit Grund und Boden an Otto Heudorfer verkaufte. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Familienunternehmen kontinuierlich ausgebaut, beschäftigte bis zu 120 Mitarbeiter und zählte zu den bekanntesten Foto-Fachlabors in Deutschland. Vor allem großformatige Bilder bis zu mehreren hundert Quadratmetern waren eine Spezialität der Kirchheimer Fotoexperten. Bedingt durch die allgemeine Wirtschaftsflaute, den dramatischen Einbruch der Werbebranche und die zunehmende Digitalisierung der Bilder bis in den Amateurmarkt hinein musste Heudorfer im Mai 2003 die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen einstellen. Im September vergangenen Jahres wurde das Firmeninventar versteigert, seither stehen die Gebäude leer.