Lokale Wirtschaft

Möbel als Teil des pädagogischen Inhalts

"Move up" heißt eine landesweite Kampagne, die der Unternehmer Frank Schäufele in Kirchheim gestartet hat. Mit seiner Firma sf-didactic vertreibt er von der Alleenstraße aus Schul- und Büromöbel und macht sich unter anderem für eine ergonomisch sinnvolle Sitzhaltung von Grundschülern stark. Unterstützung erfährt er dabei durch die Ausnahme-Leichtathletin Heike Drechsler.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM "Schulmöbel müssen sich den Kindern anpassen und nicht umgekehrt." Das ist eine der Hauptaussagen der Kampagne "move up Möbel bewegen Kinder". In dieser Initiative haben sich die Atlas-Klinik Neuhausen auf den Fildern, die baden-württembergische Barmer-Landesgeschäftsstelle und der Kirchheimer Jung-Unternehmer Frank Schäufele zusammengeschlossen mit dem Ziel, Schulkindern eine Sitzhaltung zu ermöglichen, die den Rücken stärker schont als es bisher der Fall ist.

Bereits im Jahr 1868 so haben die "move up"-Initiatoren herausgefunden verfügte das Ministerium des Kirchen- und Schulwesens im Königreich Württemberg, dass die Schüler an "pultartig schief aufsteigenden" Tischen sitzen sollen. Schon damals ging es darum, der "überhand nehmenden Kurzsichtigkeit und Körperverkrümmung" vorzubeugen. Weiter heißt es im Text des königlich-württembergischen Ministeriums: "Der Oberkörper bleibt möglichst aufrecht, der Kopf senkt sich nur leicht gegen den Tisch und nicht weiter als zur Gewinnung eines geeigneten Sehwinkels nötig ist."

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Aus für die Pulttische in den Klassenzimmern. Frank Schäufele nennt dafür mehrere Gründe: "Die Schulbank war fest mit dem Boden verschraubt. Das förderte einerseits den Frontalunterricht und erschwerte andererseits das Putzen in den Klassenzimmern. Außerdem waren nach dem Krieg andere Stückzahlen gefragt, sodass die Schulmöbelhersteller im Zuge der Industrialisierung auf Tische umstellten, die schnell, einfach und günstig zu produzieren waren."

Erst in jüngster Zeit sei wieder das Bewusstsein dafür entstanden, dass es besser ist, wenn sich die Tischplatte neigt und nicht der Rücken der Schüler. Österreich hat dabei die Vorreiterrolle übernommen. So fertigt der führende Schulmöbelhersteller der Alpenrepublik Tische und Stühle, die sich durch einfache Handgriffe der Größe des jeweiligen Kindes anpassen und folglich "mitwachsen" können. Außerdem ist der Neigungswinkel der Tische verstellbar: horizontal für entspanntes Zuhören, zehn Grad Neigung für die richtige Sitzhaltung beim Lesen und 16 Grad für das Schreiben am Pult. Die Sitzfläche der Stühle schwingt mit, sodass weder beim Vorbeugen die Beine abgeschnürt werden noch beim entspannten Zurücklehnen eine starre Rückenlehne im Weg ist. Beim "gesteuerten" Wippen bleiben die Stuhlfüße zudem sicher am Boden. Der Gesetzgeber in Österreich hat bereits reagiert und Schäufele zufolge eine Abdeckung von 80 Prozent solcher Schulmöbel zwingend festgeschrieben: "Die Möbel sind ein Teil des pädagogischen Inhalts."

Von solchen Zuständen kann der geschäftsführende Gesellschafter der Firma sf-didactic in Deutschland nur träumen, einesteils der Kinder wegen, andernteils weil sein geschäftlicher Schwerpunkt auf dem Vertrieb dieser Möbel aus Scharnstein in Oberösterreich liegt. Seine Erfahrungen in der Branche hat Frank Schäufele fast zehn Jahre lang beim deutschen Marktführer in Tauberbischofsheim gesammelt, wo er zuletzt als Vertriebsleiter tätig war, bevor er vor zwei Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Im Mai 2003 ist die Firma sf-didactic von Stuttgart nach Kirchheim umgezogen. Im Riethmüller-Areal an der Alleenstraße beschäftigt Frank Schäufele mittlerweile drei fest angestellte und zwei freiberufliche Mitarbeiter. Hinzu kommen vier eigenständige Vertriebspartner, die in Göppingen, Freiburg, Karlsruhe und Tauberbischofsheim sitzen.

Die prominenteste "Mitarbeiterin" Frank Schäufeles ist jedoch die langjährige Weltklasse-Leichtathletin Heike Drechsler. Allerdings ist sie nicht unmittelbar für sf-didactic tätig, sondern für die Barmer Ersatzkasse, die Schäufele als hochkarätigen Partner für seine baden-württembergische Kampagne "move up" mit ins Boot holen konnte. Auf der Fachmesse "didactica", die am 28. Februar 2005 auf dem Stuttgarter Killesberg ihre Pforten öffnet, ist die Kampagne ein fester Bestandteil beim Messeauftritt der Kirchheimer Firma. Heike Drechsler wird dabei persönlich die Werbetrommel für "move up" rühren.