Lokale Kultur

Moll mit Augenzwinkern

Musikalisch anspruchsvolle Weihnachtskonzerte der Stadtkapelle Kirchheim

Weihnachtskonzert der Stadtka?elle un der Stadthalle, Jugendkapelle
Weihnachtskonzert der Stadtka?elle un der Stadthalle, Jugendkapelle

Kirchheim. Wer am Samstag oder Sonntag zum Weihnachtskonzert der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck kam, erwartete wie jedes Jahr anspruchsvolle und interessante

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konzertante Werke. Die Zuhörer in der gut besetzten Stadthalle wurden von Jugendkapelle, Vorstufenorchester und Stadtkapelle erneut nicht enttäuscht.

Die Weihnachtsfreude muss natürlich in fröhlichem Dur erklingen. Wirklich? Das fragte sich der Komponist David Lovrien und verarbeitete in seinen „Minor Alterations No. 2“ bekannte Weihnachtslieder stattdessen im traurigen Moll. Er tat dies mit einem Augenzwinkern und einigen musikalischen Einfällen, so war das Zuhören sehr vergnüglich.

Gar keinen Weihnachtsfrieden, sondern eher die vorweihnachtliche Hektik und das Getriebe einer großen Stadt drückte zuvor die „Second Rhapsody“ von George Gershwin und James P. Ripley aus. Gershwin ließ sich bei diesem Werk, ursprünglich Teil einer Filmmusik, von seiner Heimatstadt New York inspirieren. Er selbst hielt die wilde Komposition für eines seiner besten Werke. Im Oktober hatte es die Stadtkapelle beim Benefizkonzert für die Martinskirche aufgeführt. Nun war es erneut zu hören, mit einem brillanten Bezirkskantor Ralf Sach am Flügel.

Das dritte große – und erneut sehr anspruchsvolle – Werk, das die Stadtkapelle zu Gehör brachte, hatte wieder weihnachtlichen Hintergrund. Um ihn zu erkennen, musste der Zuhörer allerdings sehr aufmerksam sein. Hatte doch der Amerikaner James Curnow in seinen „Praetorius Variations“ die Melodie des Liedes „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ sehr gut versteckt, sie war nur in Fragmenten zu finden. Erst ganz spät und einmalig fand sich im Werk eine vollständige Version der Melodie. Wie gewohnt war die musikalische Qualität der Stadtkapelle über jeden Zweifel erhaben.

Für den entspannt wirkenden Dirigenten Marc Lange war es ein anstrengender Abend, denn er leitete auch die Jugendkapelle und das Vorstufenorchester. Letzteres eröffnete das netto knapp zweieinhalbstündige Konzert mit der „Prehistoric Suite“ von Paul Jennings. Sie sind zwar ausgestorben, dennoch sind die in diesem Werk bespielten Dinosaurier für viele Kinder noch immer Helden. Damit die Zuhörer eine Vorstellung von der Inspiration des Werkes hatten, gab Stephanie Rauschnabel, wie bei jedem Stück zuvor, eine kurze und interessante Einführung. Das zweite Stück des Vorstufenorchesters, der pfiffige „Shufflin‘ Canon“ des Niederländers Kees Vlak, hatte mit einem normalen Kanon nicht mehr viel gemein. Mit ihm befand sich das Vorstufenorchester auf dem Weg zur Big Band. Die Zugabe gebe es später, versprach Lange nach dem Applaus für den Nachwuchs, sie kam dann gemeinsam mit der Jugendkapelle beim „jungen Weihnachtskonzert“ von Alfred Bösendorfer. Er hat auf schwungvolle Art „Kling, Glöckchen, klingelingeling“, „Ihr Kinderlein kommet“, „Fröhliche Weihnacht überall“ und anderes verarbeitet.

Ebenso schwungvoll konzertierte die Jugendkapelle alleine mit dem „Ukrainian Bell Carol“, arrangiert von Richard L. Saucedo. Diesen Klängen mit der Melodie von „Jingle Bells“ folgte eine musikalische Reise auf den Eigergipfel, von James Swearingen so majestätisch wie der Berg komponiert. Ein Berg, dessen Herausforderung schon mehr als 50 Bergsteiger das Leben kostete. Beim temperamentvollen „Spanish Dance“ von Carl Wittrock hatte Raphael Rothschink einen umfassenden Solopart am Altsaxofon. Er bekam dafür einen verdienten kräftigen Applaus und eine Rose.

Zum nächsten Werk der Jugendkapelle gab es sogar einen Kalender zu kaufen, entstanden in den Remstal-Werkstätten. Die Bilder zu „Gullivers Reisen“ waren parallel zur Aufführung auch auf der Leinwand zu sehen. In vier Sätzen wurden die Erlebnisse orchestriert, die Gulliver als Schiffsarzt und Kapitän bei Däumlingen, Riesen, auf der schwebenden Insel und bei den sprechenden Pferden hatte.

Am Ende des rundum gelungenen Konzerts lud Lange alle Zuhörer zum gemeinsamen Singen von „Stille Nacht, heilige Nacht“ ein. Dass vor dem Gesang noch ein konzertanter Einstieg in das bekannte Weihnachtslied geboten wurde – wer hätte das bei der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck anders erwartet?