Lokale Wirtschaft

Motorisierter "Ameisenhaufen" auf der größten Baustelle der Republik

Schneepflüge sind derzeit im ganzen Land unterwegs. Dreckpflüge gibt es nur an der Baustelle der neuen Landesmesse. Zwei Unimogs fahren leicht versetzt über die Heerstraße zwischen Echterdingen und Plieningen und schieben den Filderlehm von der Fahrbahn. Eine Kehrmaschine schrubbt hinterher, aber auch sie wird mit dem lehmigen Schmotz nicht fertig, den die gelben Riesenlaster hier verlieren.

ROLAND KURZ

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LEINF.-ECHTERDINGEN Für die nächsten drei Wochen ist die verdreckte Heerstraße gesperrt so lange bis etwa 100 000 Kubikmeter Erde auf die andere Seite der Autobahn verfrachtet sein werden. Umgerechnet sind das 10 000 Lastwagen-Ladungen. Diese heiße Phase packen die sieben Kehrmaschinen und die Reifenwaschanlage in der kalten Jahreszeit nicht. Eigentlich sollten die Muldenkipper über die Waschanlage fahren, bevor sie auf die Landstraße wechseln. Aber die Düsen, die ansonsten binnen 40 Sekunden 6000 Liter Wasser auf die Reifen spritzen, sind vereist. Also brausen die Brummis ohne Dusche auf die Landstraße.

Zwischen den gelben Muldenkippern kurven weiß eingepuderte Lastwagen über die Baustellenstraßen. Sie streuen Kalk, der die Feuchtigkeit binden soll. Das funktioniert einigermaßen, aber Kalk und Filderlehm geben eine spritzige Mischung, die auf Autolack richtig festbäckt. Die Straßensperrung ist also in jeder Hinsicht sinnvoll. Sonst wäre vermutlich auch der "Dreckbeauftragte" der Projektgesellschaft überfordert. Bislang hatte er an Spitzentagen 15 bis 20 Beschwerden von Autofahrern zu überprüfen. Ist der Dreck eindeutig der Messe-Baustelle zuzuschreiben, darf der Autobesitzer sein Fahrzeug in einem Autohaus reinigen lassen.

Auf der größten Baustelle der Republik geht es zu wie auf einem motorisierten Ameisenhaufen. Für Außenstehende ist es kaum durchschaubar, nach welchem System hier gebuddelt, gebaggert, geebnet und modelliert wird. 250 Fahrzeuge sind im Einsatz und ebenso viele Beschäftigte. "Keiner hat den Überblick, aber jeder weiß, was er zu tun hat", ist Christian Witt, Pressesprecher der Projektgesellschaft Neue Messe, überzeugt, dass der Baustellenablaufplan befolgt wird. Am einfachsten hat es wohl der Baggerführer, der mitten im Riesenberg von Lehm und Fels steht und einen Kipper nach dem anderen befüllt: Der Berg muss halt weg.

"Das ist der Weg zum Kongresszentrum", sagt Pressesprecher Witt. Na ja, die bunten Flaggen im grünen Rasen fehlen noch. Der Jeep schlingert eine schmierige Lehmpiste hinunter und kurvt dann etwa zehn Meter unter der einstigen Krautnarbe in Richtung Flughafen. Das Verwaltungsgebäude der Flughafengesellschaft ist mit hohen Stützmauern gesichert, damit es nicht in einen der Tunnels rutscht, die künftig die Messehallen unterirdisch erschließen und verbinden.

Das Loch für das Kongressgebäude ist gewaltig, denn Elektronik, Heizung und Parkhaus müssen unten rein gepackt werden. "Da rechts ist die Messe-Piazza", weist Witt auf die Grube in Richtung A 8. Sein Jeep kurvt an Planierraupen, Baggern und zugefrorenen Seen vorbei, kämpft sich durch einen Tunnel-Kanal und steht dann vor einem Abgrund. Schilder gibt es keine in dieser Mondlandschaft. Zurück auf eine "Hauptstraße", die man daran erkennt, dass sie weiß gekalkt sind.

Auf der anderen Seite der A 8 wird schon Beton gegossen. Die Baukräne sind weithin sichtbar. Hier entstehen zwei Brücken für die Erschließungsstraßen, die zwischen Echterdinger Ei und der Anschlussstelle Flughafen die alte Heerstraße ersetzen werden. Auch die ersten Säulen für das Parkhaus über der Autobahn sind bereits betoniert.

Im Frühjahr werden die Erdarbeiten abgeschlossen sein, spätestens im Mai sollen die Betonbauer die Dreckfahrer und Buddler verdrängt haben. Das Gewusel auf der Baustelle wird vermutlich noch unübersichtlicher, weil dann bis zu 1500 Arbeiter auf der Messebaustelle sein werden. Christian Witt: "Dann geht's nur noch in die Höhe".