Lokale Kultur

Multimediale Installation über Eyth

KIRCHHEIM Am kommenden Samstag, 6. Mai, um 17 Uhr eröffnet die Ausstellung "Mit Volldampf Max 8 Der Max-Eyth-Zyklus" in der Städtischen Galerie in Kornhaus in Kirchheim. Gezeigt wird eine multimediale Installation des Künstlers Ulrich Bernhardt. Die Kuratorin Susanne Jakob hält eine Einführung.

Anzeige

Ulrich Bernhardt gehört im deutschen Südwesten zu den Pionieren der Medienkunst. Nach einem Aufenthalt in New York 1976, wo er mit Nam June Paik und Künstlern der Medienzentren "The Kitchen", "Anthology", "MERC" und anderen in Kontakt kam, begann Bernhardt mit ersten eigenen Videoexperimenten und Installationen.

In seinen Foto- und Videoarbeiten thematisiert der Medienkünstler die Transformation der Vorstellungen von Raum und Zeit, sowohl in der Kulturgeschichte, in der Technik, als auch im subjektiven Erleben jedes einzelnen. Beispielsweise thematisierte er erstmals 1984 in der Kunsthalle Berlin in der Videoinstallation "Zeitstollen" das Verhältnis Zeit und Radioaktivität und 1996 in der Städtischen Galerie Sindelfingen die Installation "Der Sarkophag" zum zehnten Jahrestag des Reaktorunglücks in Tschernobyl.

Seine multimedialen, oftmals thematisch gebundenen Werkblöcke sind dabei immer mit aufwändigen Recherchen verbunden. Ulrich Bernhardt arbeitet an dem Max-Eyth-Zyklus, der den Fokus für den Zeitsprung vom Beginn bis zum Ende des klassischen Industriezeitalters bildet.

Unter dem englischen Titel "Full Steam Max 8" zeigt er zum 170. Geburtstag und 100. Todesjahr des Künstler-Ingenieurs Max Eyth in der Galerie im Kornhaus eine multimediale Installation, in der die ehemaligen Aufenthaltsorte von Max Eyth Kairo im Orient und New Orleans im Okzident sowie die Gedanken von Max Eyth zu gesellschaftspolitischen, technologischen und interkulturellen Fragen in Beziehung zur Gegenwart gesetzt werden.

Im Zentrum der Aktualisierung von Max Eyth steht ein Interview mit dem diesjährigen Pulitzerpreisträger Jim Amoss, der Verleger und Chefredakteur der ältesten Lokalzeitung von New Orleans, der "Times Picayoune" ist. Wie Ulrich Bernhardts Recherchen im Archiv der "Times Picayoune" ergaben, berichtete die Lokalzeitung schon im 19. Jahrhundert über die neuartigen Dampfpflüge, die Max Eyth im Auftrag der britischen Firma Fowler in New Orleans präsentiert hatte. Die "Times Picayoune" bildet in der Ausstellung daher einen sogenannten "nucleus", in dem Vergangenheit und Gegenwart zusammentreffen.

Bernhardts multimediale Installation setzt sich aus Fotorecherchen, Texten, Videos und anderem zusammen. Für die Fotorecherchen ist Ulrich Bernhardt den Spuren Max Eyths ins ägyptischen Kairo sowie nach New Orleans und St. Louis in die USA gefolgt. Seine Reiseziele basieren auf literarischen Hinweisen und zeichnerischen Dokumenten, die der Ingenieur während seiner Auslandsaufenthalte im 19. Jahrhundert angefertigt hatte.

Nach Kirchheim wird die Ausstellung in abgewandelten Fassungen auch in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin und im Goetheinstitut in Kairo präsentiert. 2007 zeigt Ulrich Bernhardt unter dem Aspekt Mobilität den Max-Eyth-Zyklus in Stuttgart. Die Ausstellung in Kirchheim endet am 2. Juli mit einer Finissage, bei der Ulrich Bernhardt um 15 Uhr einen Kurzvortrag hält.

sj/pm