Lokale Kultur

Muntere Musikanten, ratlose Räuber und konzentrierte Kinder

KIRCHHEIM Der im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei erfolgte Auftakt der Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen 2007 erfüllte alle Erwartungen. Mit Ilka Wimmer wurde von der Familienbil-

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WOLF-DIETER TRUPPAT

dungsstätte für die Premiere eine bewährte Kraft ins Feld geschickt, die keine Zweifel darüber aufkommen lässt, dass sie genau weiß, was sie tut und mit den Bremer Stadtmusikanten ein ebenfalls nicht allzu risikobehaftetes Stück parat hielt.

Ein Tischpuppenspiel für Kinder ab drei Jahren ist aber trotz aller Routine immer wieder eine von unterschiedlichsten und nie völlig vorausahnbaren Faktoren bestimmte Herausforderung, die Ilka Wimmer souverän meisterte. Ideale Aufführungsbedingungen für Tischpuppenspiele bietet der Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei tatsächlich nicht, aber gemeinsamen Bemühungen um optimale Sicht auf die Bühne ohne allzu massiv durchtrennten Mutter-Kind-Kontakt oder zu großen Abstand zur fast genauso wichtigen Freundin, führten doch noch zum Erfolg.

Mit einfachsten Mitteln bereitete die Tischpuppenspielerin anschließend ihrem medienverwöhnten Publikum uneingeschränktes Vergnügen mit einer recht archaisch anmutenden, aber umso liebevoller gestalteten Bühne, die nur wegen der verdunkelten Fenster auf Strom für die erforderliche Beleuchtung angewiesen war.

Erfolgreich und ganz massiv wurde stets an die Bereitschaft der Kinder appeliert, ihrer Fantasie viel Freiraum zu gewähren und gegebenenfalls auch Dinge zu akzeptieren, die nur in ihrer eigenen, immer wieder geforderten Vorstellungskraft die richtigen Bilder erzeugen konnten.

Ganz entscheidend war sicherlich, dass Ilka Wimmer Wert darauf legte, die kleinen Besucherinnen und Besucher zunächst ganz individuell zu begrüßen. Mit dem Gang durch den goldenen Ring des kleinen Märchentors verschaffte sie ihnen Zutritt zu dem von der Kraft der Fantasie beherrschten Märchenland. Mit jeweils dreimaligen Wiederholungen wurden die beiden Besuchergruppen dieses Nachmittags auf die nun folgende Darbietung eingestimmt und mussten zunächst "mit goldenen Hämmerchen" Edelsteine bergen und zum Funkeln bringen, um dann nach der alle miteinbeziehenden Anfangsaktivität konzentriert dem zu folgen, was nun in der liebevoll vorbereiteten Kulisse präsentiert wurde.

Die Geschichte um den altersmüden Esel, den betagten Hund, die mit zunehmenden Jahren immer bequemer gewordene Katze und den eigentlich schon für die Pfanne vorgesehenen Hahn, wurde erzählt, ohne gezielt bei den Kindern größeres Mitleid mit diesen armseligen Kreaturen zu erregen oder Ängste zu wecken. Bevor das altersschwache Tierquartett die mutig angestrebte Karriere als Stadtmusiker anstreben kann, müssen sie mit ungeahnter gemeinsamer Kraft lautstark Angst und Schrecken verbreiten, um drei Räuber in die Flucht zu schlagen, doch auch das wurde mit einfachsten, aber liebevoll gestalteten Mitteln behutsam vermittelt.

Die Gelegenheit, nach Ende der gelungenen Veranstaltung noch einmal genau anschauen zu können, was die bösen Räuber alles an Köstlichkeiten auf dem Tisch stehen hatten, wurde von den Kindern gerne genutzt. Mit ihrem großen Interesse demonstrierten sie eindrucksvoll, dass sie überhaupt nicht nur auf moderne Videoclips und effekthaschende Computeranimationen reagieren, sondern sich tatsächlich auch heute noch von althergebrachten Märchentexten fesseln lassen.

Das Bühnenbild, das in seinen handwerklichen Begrenzungen tatsächlich voll auf die Mitarbeit setzen musste, regte die Kinder dazu an, ihre Fantasie zu nutzen, um das Erlebte auch in richtige Bilder umzusetzen. Nach einer interessanten Vorführung verabschiedeten sie sich dann so, wie sie empfangen wurden.

Sie durften durch das goldene Märchentor zurückkehren in die Wirklichkeit und aus dem gerade verlassenen Reich der Fantasie auch noch den frommen Wunsch nach schönen Träumen mit nach Hause nehen. Nach einer gelungenen Vorstellung, in der die verzauberten Kinder nicht durch das harte Los der vier Tiere verunsichert oder durch die bösen Räuber verängstigt wurden, konnten sie sich wohl tatsächlich auf süße Träume freuen fernab von flimmernden Fernsehbildern und Spielkonsolen . . .