Lokale Kultur

Musik und Malerei

NÜRTINGEN Nach über einem Jahr öffnete die Villa Domnick wieder ihre Türen für ein interessiertes Publikum, das dann auch in Scharen heranströmte, als der Hausherr und Kurator Dr. Werner Esser am Wochenende zu einer Matinée einlud.

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HEINZ BÖHLER

Um die vom Gründer der Stiftung Ottomar Domnick intendierte Synästhetik von Musik und Malerei zu perfektionieren, hatte der Kurator den französischen Pianisten Raoul Jehl eingeladen.

"Der Park gilt noch nicht", entschuldigte Dr. Esser das bisher ausgebliebene Aufgehen der Gräsersamen, mit denen die ganze Fläche neu eingesät worden war. "Der anhaltende Frost hat unseren Zeitplan gehörig durcheinandergewirbelt." Doch dafür strahlten die Wände des Innern der Villa in frischem Weiß und auch einige Bilder mussten sich an neue Plätze gewöhnen.

"Ich habe, nachdem die Elektroanlage eine viel bessere Beleuchtung zulässt, der Versuchung nicht widerstehen können, auch die Anordnung der Hängung ein wenig zu verändern". So seien auch einige Werke ins Depot gewandert, deren Platz nun von anderen eingenommen wird, die bisher in der Dunkelheit zu verkümmern drohten.

Bei der Wiedereröffnung konnten unter vielen anderen Gästen auch Landrat Heinz Eininger und Nürtingens Kulturbürgermeister Rolf Siebert erleben, wohin sich Musik und Malerei in den vergangenen hundert Jahren entwickelt haben.

So begann der Absolvent der Musikhochschule Saarbrücken unter Yukiko Sugawara-Lachenmann mit drei Klavierstücken von Arnold Schönberg, "des Urvaters der musikalischen Moderne", wie ihn Werner Esser zuvor betitelt hatte. Was der walzerseligen Gesellschaft der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert in den Ohren geklungen haben mag wie zerspringende Glasscherben, sei gar nicht mehr so fremd, da "wir neben Donaueschinger und anderen Musiktagen uns auch mit einem vollen Jahrhundert der Metamorphosen des Jazz beschäftigt haben".

Höchstes Erstaunen aber rief der Pianist im Publikum mit seiner Interpretation des "Kinderspiels" aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Helmut Lachenmann hervor. Es war schwer zu verstehen, wie man einem Flügel, auch wenn er weiß ist und "Steinway" draufsteht, Töne entlocken kann, die wie ein entfernter Orgelakkord langsam ausklingen. Denn sie sind auch kaum mehr mit dem auslösend angeschlagenen Akkord in Einklang zu bringen.

Es sind solche und andere, möglicherweise zufällig erzeugte Klangereignisse, die Lachenmann in eine Musik integriert sehen will. Nach einem Stück namens "Contrapunctus" von Marc André und einigen musikalischen "Pentagrammen" der jungen türkischen Komponistin Zeynep Gedizlioglu, für Dr. Esser "die Urenkelin" entführte Raoul Jehl das Publikum mit einem Klavierstück von Johann Sebastian Bach als Zugabe in das Barockzeitalter zurück.