Lokale Kultur

Musikalischer Glanz mit viel jugendlichem Schwung

DETTINGEN Zum wiederholten Male gaben sich die jugendlichen Musiker der Musikschule Kirchheim in der Vorweihnachtszeit unter der Leitung von Johannes Stortz im Dettinger evangelischen Gemeindehaus

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ERNST KEMMNER

vor zahlreicher Zuhörerkulisse ein Stelldichein. Neben den Streichergruppen bot Johannes Stortz eine stattliche Holz- und Blechbläserriege, Keyboard als Cembaloersatz und diverse Perkussionsinstrumente bis hin zur Triangel und zum Xylophon auf.

Bereits im Auftaktstück "A Festival Prelude" von Alfred Reed (1921 2005), einer teilweise bombastisch wirkenden Komposition in prächtiger sinfonischer Polyphonie und mit festlichen Charakter, war die Musizierfreude des Ensembles zu spüren. Es folgte eines der beliebtesten und zuhörerwirksamsten Orchesterstücke des Barock, der Kanon in D von Johann Pachelbel (1653 1706), dessen spiel- und lagentechnische Anforderungen für Streicher moderat ausfallen. Dieses kanonisch für drei Geigenstimmen angelegte reine Streicherwerk, dem ein Basso ostinato unterlegt ist, bezieht seinen musikalischen Charme aus der melodisch-sinnlichen Kraft des Streicherklangs und aus der kontrapunktischen Form. Johannes Stortz und seinen Getreuen gelang es hier, durch fein herausgearbeitete, dynamische Bandbreite Akzente zu setzen und es war eine Freude, die jugendlichen Musiker bei ihrer engagierten Darbietung zu beobachten.

Einen ganz anderen Charakter weist der Slawische Tanz Nr. 8, Opus 48, von Antonin Dvorak (1841 - 1904) auf. Kontrastreich und elanvoll, wuchtiges Fortissimo im Wechsel mit zartesten Pianopassagen, slawisches Feuer gepaart mit überraschenden rhythmischen Umschwüngen, bäuerlicher Stampftanz und leichtfüßiges, damenhaftes Getänzel, ein mit Pauken unterlegter abrupter Schluss: all dies und mehr bietet diese mitreißende Komposition, sehr wirksam umgesetzt von den musikalischen Akteuren und mit Übersicht, aber sparsamem Gestus von Johannes Stortz dirigiert.

Das Konzert a-moll für Violoncello, Streichorchester und Continuo von Antonio Vivaldi (1678 1741) stand ganz im Zeichen des blutjungen Solisten Johann Riepe, der seinen anspruchsvollen Solopart mit Bravour und ohne erkennbares Lampenfieber meisterte. Hier scheint ein "Rohdiamant" heranzuwachsen, dem weitere musikalische Erfahrung sicherlich den Feinschliff bringen wird.

Eine reine Freude sein sauberes, unverkrampftes Spiel mit geglückten Lagenwechseln, dezentem Vibrato, sonorem Klang und überaus sauberer Intonation, selbst bei schwierigen Arpeggien des ersten Satzes und bei Doppelgriffen in hoher Lage im Abschlusssatz. Im beseelt schwingenden Andante begleitete das Streichorchester den Solisten einfühlsam, welcher sein teils triolisches Rankenwerk über dem Tuttiklang entfaltete und mit einer kurzen Kadenz aufwartete.

In dem für Vivaldi typischen "Nähmaschinen"-Klang des Abschlusssatzes war nochmals die ganze Rhythmussicherheit von Begleitapparat und Solist gefordert, bevor die Zuhörer die tadellose Leistung von Riepe so anhaltend würdigten, dass er den dritten Satz noch einmal zum Besten geben musste.

Zur Einstimmung auf das anstehende Weihnachtsfest hatte Johannes Stortz sinnigerweise die Komposition seines Musikschulkollegen Xaver Paul Thoma (geb. 1953) an den Schluss des Konzertprogramms gestellt. Das raffiniert komponierte Stück, das von seinen vielfältigen Klangfarben lebt, verwebt diverse Weihnachtslieder, die von verschiedenen Instrumentengruppen übernommen werden, zu einem überaus vielschichtigen Klangteppich, mal zart liedhaft, mal mit eingestreuten wuchtigen Crescendi, folgender Generalpause und einer abschließenden Auflösung in strahlendem D-Dur.

Für die begeisternde Darbietung des Orchesters der Kirchheimer Musikschule gab es am Ende lang anhaltenden Applaus, der noch die Zugabe "Java" im Arrangement von Marilyn Schack erzwang.