Lokale Kultur

Mutmaßungen über Paradiesisches

Andy Fairweather-Low überzeugte einmal mehr mit den „Low Riders“ im Kirchheimer Bastionskeller

Kirchheim. Sehr erfreulich verlief im Kirchheimer Untergrund das Wiedersehen mit dem Autor des Songs „Standing on the Water/Talking to the Wall“. Mit Andy Fairweather-Low, der mit seiner Band „Low Riders“ schon zum zweiten Mal zu

HEINZ BÖHLER

Gast in der Kirchheimer Bastion war, konnte Andreas Kenner einen Mann begrüßen „der sonst auf ganz andren Bühnen“ steht. Andy Fairweather-Low, einst Teenie-Star als Frontman der Beat-Band „Amen Corner,“ fungiert unter anderem als Gitarrist und Sänger in den Livebands von Eric Clapton und Roger Waters und war Gastmusiker bei Dave Edmunds, Chris Barber, The Who und Joe Satriani.

Dass er ein großartiger Songwriter und Live-Performer auf eigene Rechnung ist, bewies er in Kirchheims historischem Tempel der einstigen Gegenkultur, der „Bastion“ am Schweinemarkt. Dort erfrischte er den Besuchern – unter denen wohl nur Vereinzelte zu finden waren, die das Schwabenalter nicht bereits weit überschritten hatten – Herz und Gemüt mit einem Spaziergang durch alle Spielarten der Musik, die sich auf den Blues wenn nicht als Ursprung so doch zumindest als prägenden Einfluss berufen kann.

Bassist Dave Bronze, Schlagzeuger Paul Beavis und Nick Pentelow mit seiner Saxofon-Sammlung unterstützen den mittlerweile 61-jährigen Vollblutmusiker aus Cardiff auf so perfekte Weise, dass man es nicht als übertrieben empfand, wenn „AFL“ seinen Mitmusikern bescheinigte, „die beste Band“ zu sein, mit der er jemals gespielt habe.

Andy Fairweather-Low brilliert nicht mit schillernden Soli, dafür mit einer ungeheuren Bandbreite an Spielarten und Stilen, die er seinen sechs auf der Bühne benutzten, verschiedenen Gitarren anpasst. Wer einem Joe Satriani als Rhythmus-Gitarrist ins Konzept passt, lässt sich sicher nicht gleich aus selbigem bringen. Das geschah nicht, nicht ein einziges Mal. Ganz gleich, ob es sich um einen Boogie aus der Feder von Lightnin‘ Hopkins oder um einen alten Country-Blues mit dem vielsagenden Titel „Slowly“ handelte.

Überhaupt war das Programm, das AFL unter das Motto „All Kinds of Music“ gestellt sehen mochte, eine ausgesprochen anregende Mischung aus eigenen Stücken, Blues- und Rock-Standards, wie auch einigen eher skurrilen Meilensteinen des Pop-Genres, wie „Apache“, das er mit einer Vox-Teardrop-Gitarre eindrucksvoll intonierte.Doch im Mittelpunkt standen natürlich die Songs, die aus seiner eigenen Feder in die Charts schossen, wie der bluesige „Natural Sinner (born a sinners Son)“, das seine zweite Band „Fairweather“ 1970 aufgenommen hatte. Wer nicht dabei sein konnte, als die Low Riders den Erstling ihres Meisters, den „Gin House Blues“ anstimmten, dem sei empfohlen, sich vielleicht einmal mithilfe des Nachwuchses in „youTube“ einzuloggen, um dort AFL‘s Auftritt mit Eric Clapton in Fukuyama zu betrachten, wie sich Chef „Slowhand“ nach dem Ausklingen dieser wunderschönen Nummer vor seinem Sideman verbeugt.

Manche mögen darauf gewartet, andere eine pure Peinlichkeit befürchtet haben – gleichviel. Für den Zugabenteil hatte Andy Fairweather-Low seinen wohl größten Erfolg aufgespart: seine Pop-Schmonzette aus den späten 60ern mit dem Titel „If Paradise was half as nice“.

Lässig und locker zur Westernklampfe vorgetragen, ohne jeden noch so prätentiösen Versuch, das Ding aufzuplustern, war es, was es immer war – ein eingängiges nettes Liedchen mit einer der schönsten Liebeserklärungen der Pop-Historie: „If Paradise was half as nice/as heaven, that you take me to/Who needs Paradise/I‘d rather have you.“

Was hatte Andreas Kenner noch zu Beginn des Konzerts gesagt? Beim Aufräumen habe er doch tatsächlich einen alten Bravo-Starschnitt gefunden. Wer drauf war? Na, Andy Fair­weather-Low natürlich. Wer sonst?

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