Kirchheim

Nachbarn befürchten mehr Lärm, Staub und Schatten

Bürgerinformation Kirchheims Stadtplaner stellen den Anwohnern das Bauvorhaben im Naberner Business Park vor und beantworten kritische Fragen. Von Andreas Volz

Der Parkplatz soll in derselben Höhe überbaut werden, die die beiden Gebäude rechts im Bild aufweisen. Den Anwohnern ist das zu
Der Parkplatz soll in derselben Höhe überbaut werden, die die beiden Gebäude rechts im Bild aufweisen. Den Anwohnern ist das zu hoch.Foto: Jean-Luc Jacques

Ordentlich zur Sache geht es, als Kirchheims Stadtplaner die Naberner Anwohner über das Bauvorhaben im „Sirius Business Park“ informieren. Abteilungsleiter Gernot Pohl und Peter Struck, der für Nabern zuständige Stadtplaner, vertreten die eine Ansicht: „Wir können uns das Bauvorhaben so vorstellen, wie es der Investor plant.“ Die Anwohner dagegen können sich das überhaupt nicht vorstellen. Sie sprechen von einer „Katastrophe für Nabern“ und sehen sich bereits mit New Yorker Verhältnissen konfrontiert.

Der konkrete Anlass, über den wir bereits berichtet haben: Der Investor Sirius will auf dem Gelände des Industrieparks in Nabern zwei neue Gebäude errichten - eins im Süden an der Landebahn des Flugplatzes und eins an der Kreuzung Neue Straße / Im Auchtert. Beide Flächen werden derzeit zum ebenerdigen Parken benutzt. Entstehen soll ein reines Bürogebäude im Süden sowie ein zweigeteilter Bau an der Kreuzung. Speziell dieser Bau erhitzt die Gemüter: Geplant sind zwei Türme, die etwa 20 Meter hoch sein sollen. Der eine ist ein Büroturm, der andere ein Parkhaus.

Die Anwohner auf der gegenüberliegenden Seite der Neuen Straße befürchten nun, dass ihre Wohn- und Lebensqualität massiv beeinträchtigt wird. Da wäre zum einen die Aussicht auf die Teck, die verbaut werden soll. Zum anderen würden die Nachbarn künftig - vor allem in der Winterzeit - im Schatten der beiden Türme wohnen. Und drittens fürchten sie eine wesentlich höhere Belästigung durch Lärm und Feinstaub. Beides würde sich nicht mehr südlich der Neuen Straße ausbreiten, sondern durch die hohen Gebäude reflektiert werden. Die Anwohner im Norden hätten dann also die doppelte Belastung. Das alles zusammen könnte den Wert der Grundstücke deutlich mindern.

Genau diese Argumente können die Anwohner bis 8. Februar schriftlich beim Stadtplanungsamt einreichen. Im weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens entscheidet der Gemeinderat, wie die Argumente der Anwohner zu bewerten sind. Es ist abzuwägen zwischen den Interessen der betroffenen Nachbarn und den Interessen der Wirtschaft. Die Daimler AG will am Standort Nabern 300 bis 400 neue Arbeitsplätze in der Entwicklung schaffen. Die Anwohner befürchten allerdings, dass die wirtschaftlichen Interessen stärker gewichtet werden. So heißt es bei der Diskussion im Vortragssaal der Stadtbücherei: „Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sind dem Gemeinderat doch wichtiger als die Interessen der Anwohner.“

Eine andere Betroffene erkennt das große Dilemma, in dem alle stecken, als Gernot Pohl erklärt, wie das Verfahren weitergeht: Wenn der Gemeinderat alle Forderungen der Anwohner übernehme und sie dem Investor in dieser Form vorschreibe, wäre es durchaus möglich, dass Sirius umdenkt und das gesamte Vorhaben für „gestorben“ erklärt. „Und dann sind wir schuld, wenn die Arbeitsplätze nicht kommen“, führt die Anwohnerin den Gedankengang zu Ende.

Zu den Erfolgsaussichten der schriftlichen Anregungen kommt die Frage: „Sind das reine Wünsche, oder haben wir da auch Rechtsansprüche?“ Gernot Pohl klärt auf: „Rechtsansprüche kann es geben. Die sehe ich in diesem Fall aber nicht.“ Der freie Blick auf die Teck gehöre sicher nicht dazu. Nur wenn es um die Lärmbelastung gehe, ließen sich Rechtsansprüche geltend machen: „Da darf sich die Situation für Sie durch den Neubau nicht verschlechtern.“ Deshalb sollten die Anwohner ihre Bedenken gegen den Lärm schriftlich einreichen. Dann müsse der Investor Gutachten zur Lärmbelastung vorlegen, die das Landratsamt überprüft. Vielleicht werde dann gefordert, eine absorbierende Wand zu bauen.

Ein Kreisverkehr wäre denkbar

Zur Frage, ob die Kreuzung durch einen Kreisverkehr ersetzt werden könne, meint Gernot Pohl: „Wenn das die Verkehrssituation verbessern würde, sehe ich da keine Probleme.“ Was sich aber nicht machen lässt, ist eine Einfahrt ins künftige Parkhaus direkt von der Neuen Straße aus. Von dort darf man nur in öffentliche Straßen abbiegen, nicht aber auf Privatgrundstücke. Die Zahl der Parkplätze ist ebenfalls nicht verhandelbar: „Die Landesbauordnung regelt genau, wie viele Parkplätze zu den neuen Arbeitsplätzen gehören.“

Kosten zumindest kommen auf die Anwohner keine zu: „Was auch immer für den Lärmschutz gefordert wird und gebaut werden muss, hat der Investor zu zahlen - weil es sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan handelt.“