Lokale Wirtschaft

Nachfolge nicht auf die lange Bank schieben

Je früher sich ein Unternehmer Gedanken über seinen möglichen Nachfolger mache, desto besser: Dies betonten die zwei Gastreferenten beim "Mittelstands-Forum" der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

KIRCHHEIM Kirchheims Regionalbereichsleiter Werner Löffler und Uwe Alt aus Nürtingen begrüßten die Gäste und zeigten in ihren Eingangsreferaten auf, wie groß der Gestaltungsspielraum bei einer Übergabe sein kann. Von einhundert Familienunternehmen schaffen weniger als 50 Betriebe den Übergang in die zweite Generation, in der dritten Generation existieren davon nur noch acht.

Anzeige

Für Volker Wintergerst, Partner bei der Steuer- und Unternehmensberaterkanzlei Ebner, Stolz & Partner, liegt dies teils am Strukturwandel, teilweise sei es jedoch eine "absichtliche Vermögensvernichtung". Jedes vierte Unternehmen werde unerwartet übergeben auch der plötzliche Tod oder eine längere Erkrankung des Firmenchefs sind hierfür Ursachen. "Oft wird das Thema aber auch verdrängt und es fehlt die Analyse der Stärken und Schwächen des potenziellen Nachfolge", betonte Wintergerst. Mögliche Folgen seien eine Verschlechterung der Marktposition, ein sinkender Unternehmenswert, eventuell sogar die Liquidation des Unternehmens. In diesem Jahr stehen aus Altersgründen rund 71 000 Betriebe zur Übergabe an, in 40 000 werden voraussichtlich nicht Familienmitglieder die Nachfolge antreten. Immer mehr Betriebe werden in diesem Zuge verkauft.

Für den Wert eines Unternehmens gebe es ganz verschiedene Berechnungsmethoden, der Substanzwert sei jedoch irrelevant: "Eigentümer überschätzen den Wert ihres Unternehmens um 30 bis 50 Prozent", so Wintergerst. Trotz niedriger Zinsen habe sich der Markt für Unternehmensbeteiligungen tendenziell zum Käufermarkt entwickelt, seien die Preise in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Entscheidend sind für Wintergerst "die rechtzeitige Vorbereitung des Transaktionsprozesses, eine Prüfung der Finanzierung für Käufer und Verkäufer und die richtige Auswahl professioneller Berater mit gleicher Interessenslage". Wichtigster Einflussfaktor neben dem Bruttoverkaufspreis sei zudem die steuerliche Gestaltung.

Hier knüpfte Frank Strohm an: Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Ebner, Stolz & Partner sprach von der "Steuerfalle Unternehmensform". Er machte dies an einem Negativbeispiel deutlich: Ein GmbH-Unternehmer verfügt zusätzlich über Grundbesitz, das an die GmbH vermietet ist. Bekommt nun einer der Erben die GmbH, ein zweiter den Grundbesitz, erlischt die bisherige Betriebsaufspaltung. Somit seien stille Reserven von beiden zu versteuern, zusätzlich falle Erbschaftssteuer an. Betriebsvermögen sei begünstigt, doch jede Rechtsform werde anders besteuert in manchen Fällen biete sich deshalb vor der Vererbung die Umwandlung einer Kapital- in eine Personengesellschaft an. Zu beachten seien die durch Steuern und Abschreibungsmöglichkeiten unterschiedlichen Interessen von Verkäufern und Käufern: "Der eine möchte am liebsten eine GmbH verkaufen, der Käufer eine GmbH & Co. KG erwerben." Da die Freibeträge bei der Erbschaftssteuer alle zehn Jahre erneut gelten, könne sich eine vorweggenommene Erbfolge lohnen so sinke auch die steuerliche Progression.

Eine rechtzeitig geregelte Unternehmensnachfolge, unterstrich Werner Löffler, Leiter des Regionalbereichs Unternehmenskunden Kirchheim, erhalte Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze in der Region. Als Marktführer in der Mittelstandsfinanzierung verfüge die Kreissparkasse über ein leistungsstarkes Netzwerk im Landkreis, arbeite mit Steuerberatern, Verbänden, Anwälten und Förderinstituten zusammen: "Gerade für Existenzgründer ist die Übernahme eines bestehenden Betriebes eine gute und sichere Gelegenheit für den Start in die Selbstständigkeit," so Löffler. Es gebe keine "Musterexistenzgründung", aber bei einer für das jeweilige Unternehmen maßgeschneiderten Kombination von Bankkrediten und öffentlichen Beteiligungen müsse eine Übernahme nicht an geringem Eigenkapital scheitern.

Die Themen Betriebsübernahme und -übergabe stehen auch im Mittelpunkt eines Seminars der Kreissparkasse am 25. und 26. November. Informationen sind unter Telefon 07 11/3 98-50 00 oder im Internet unter www.ksk-es.de erhältlich.

pm