Lokale Kultur

"Nacht-Leben" und "Stofflichkeiten"

KIRCHHEIM Rund 60 Arbeiten der Kirchheimer Künstlerin Esther Koestler-Maak sind derzeit im Künstlerhaus Maak in der Ötlinger Ortsmitte zu sehen. Die Malerin, die auch als Modezeichnerin und

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FLORIAN STEGMAIER

Grafikerin

tätig war, besuchte die Klasse von Professor Walter Brudi an der Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Die Jahre 1961 bis 1981 waren, wie sie in ihrem Lebenslauf formuliert, der "Kunst fünf Kinder zu erziehen" gewidmet.

Im Jahre 1981 folgte gemeinsam mit Gerhard Maak die Gründung einer privaten Malschule und die Wiederaufnahme der eigenen künstlerischen Tätigkeit, deren Früchte der letzten zehn Jahre nun unter zwei Themenkomplexen "Nacht-Leben" und "Stofflichkeiten" in Ötlingen ausgestellt sind.

Die unter dem Titel "Stofflichkeiten" versammelten Exponate beziehen ihren Reiz aus einer permanenten Verweigerung. Der Verweigerung nämlich, sich in gängige und tradierte Genres einordnen zu lassen. Fasziniert von der Eigenschaft des Stoffs, Körper und Gegenstände sowohl abzubilden als auch zu verhüllen, schuf Esther Koestler-Maak Arbeiten, die zwar Assoziationen an Landschaftlichkeit oder Figuration wecken, wohl auch nicht zuletzt durch die Wahl der Titel bewusst damit spielen, sich aber solch eindeutigen Kategorien letztlich entziehen.

Ausgangspunkt für das Thema "Nacht-Leben" waren Beobachtungen im Dunkeln, im speziellen die qualitative Auseinandersetzung mit der Farbveränderung während der Dämmerung und in der Dunkelheit, wobei sowohl das Augenmerk auf Naturlichtsituationen gerichtet wurde man könnte hier das Gemälde "Bergnacht" erwähnen, das den nachhaltigen Eindruck einer alpinen Vollmondnacht einfängt als auch auf das künstlich illuminierte nächtliche Leben der Großstädte.

Esther Koestler-Maak richtet dabei weniger ihr Interesse auf die vordergründigen urbanen Vergnügungen des "Nacht-Lebens", sie fokussiert vielmehr diverse soziale Randsituationen, dem Betrachter stets vor Augen führend, dass das nächtliche Leben eigenen und weniger kontrollierbaren Spielregeln gehorcht und allen Klischees zum Trotz keineswegs nur mit einer oberflächlichen "Fun"-Kultur zu tun hat, sondern auch zur genüge trostlose und unheimliche Aspekte in sich birgt. Die nächtliche Ansicht der Stuttgarter Königstraße führt eine anonyme, in dynamischer aber orientierungsloser Bewegung befindliche Masse vor Augen, die wenigen überhaupt herausgearbeiteten Gesichter wirken fahl, erstarrt, mumienhaft.

Die Wirkung solcher trostlosen, leider keineswegs fiktiven Szenarien wird durch eine Reihe anderer Bilder abgefangen, die zwar von einer zarten Melancholie durchwirkt sind, jedoch mit einem dezenten narrativen Charme es sei exemplarisch das Bild "Der Flirt" erwähnt für sich einnehmen können. Wenn sich beim "Tanz der Vampire" ein mit allen Attributen seiner Zunft versehener Blutsauger unter das Musical-Publikum mischt, wird klar, dass bei aller tiefschürfenden künstlerischen Auseinandersetzung mit existenziellen Dingen Esther Koestler-Maak auch ein sympathisch-ironisches Augenzwinkern nicht fremd ist.

Die Ausstellung mit Arbeiten zu den Themenschwerpunkten "Nacht-Leben" und "Stofflichkeiten" ist noch bis Sonntag, 19. Juni, im Künstlerhaus Maak im Ötlinger Quellenweg 7 zu sehen.