Lokale Kultur

Neue Aspekte der Wirklichkeit

Knapp 340 eingereichte Arbeiten beim 26. Kunstpreis der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen

Kirchheim. „Neue Aspekte der Wirklichkeit“ – unter dieses Thema ist der diesjährige 26. Kunstpreis der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen gestellt. Aus knapp 340 einge-

florian stegmaier

reichten Werken hatte eine fünfköpfige Jury drei Preisträger und rund sechzig weitere ausstellungswürdige Exponate auszuwählen. Die Malerei als einzige erlaubte Technik sollte dabei ihre „große Chance erhalten“, wie Jury-Vorsitzender Prof. Günther Wirth formulierte.

In seiner Laudatio zur Preisverleihung in Kirchheim stellte er fest, dass nun bereits seit einem halben Jahrhundert von Künstlern, Kunsthistorikern und Kuratoren das Ende der Malerei postuliert werde. Von der Konkurrenz durch Fotografie und Videokunst das Absterben der Malerei und Zeichnung abzuleiten, sei jedoch unsinnig. Vielmehr sei der Schluss von entscheidender Wichtigkeit, dass beide Künste eine bestimmte „qualitative Höhe“ nicht unterschreiten sollten.

Während der Jury-Arbeit habe er viele Bilder vor Augen gehabt, die den Eindruck vermittelten, die Wettbewerbsteilnehmer hätten es mit Edward Hoppers Erkenntnisaussage gehalten, wonach Kunst die „Wiedergabe der Welt um mich durch die Welt in mir“ sei. Außen- und Innenwelt der Künstler liefen somit parallel oder überlagerten sich, wodurch die Problematik von Wirklichkeit und Realität bedeutungslos werde. Inhaltlich nehme dieser Sachverhalt auf die „neuen Aspekte der Wirklichkeit“ den größten Einfluss. Im Ganzen gesehen feiere in der diesjährigen Kunstpreis-Ausstellung vor allem die „Subjektivität der Maler ihre Triumphe“.

Der erste Preis des renommierten Kunstwettbewerbs ging an die in Bonn lebende Malerin Angelika Lemb für ihre hochformatige Arbeit „Bodyseismography 4101“. „In den Leinwandarbeiten bin ich seit 2007 mein eigenes Untersuchungsobjekt“, erläuterte die 1949 in Aschersleben geborene Künstlerin ihr Vorgehen: „Ölgrundierte Leinwände werden langsam wie beim Harken eines Gartens nur noch in einer Richtung bearbeitet, wobei sich eigene Köperreaktionen in hellen Linien seismographisch abzeichnen“.

Professor Günther Wirth charakterisierte das preisgekrönte Bild, als „Arbeit von eigentümlicher Sensibilität, in der sich Stille sammelt“. Zugleich werde der Blick der aufmerksamen Betrachter gefesselt und zum Verweilen gezwungen. Beim Bildstudium des ersten Preises gehe es somit um „genaues und geduldiges Sehen“. Interessant bleibe, wie in dem Werk ein „experimenteller Ansatz verinnerlicht“ werde.

Für ihr abstrahiertes figuratives Bild „Äste und Pink“ – vom Laudator als „überzeugende und farbig delikate Arbeit“ gewürdigt – erhielt die in Heidelberg lebende Musikerin und Malerin Beate Sellin den zweiten Preis. Von 1998 bis 2005 studierte sie bei den Professoren Kinter, Güdemann und Bunk an der Stuttgarter Kunstakademie. „Beate Sellin malt mit großem Einsatz und einem elementaren Wissen um Rhythmik“, betonte Professor Wirth. „Groß ist ihr Mut zur Farbe, durch alles Geäst hindurch bleibt alles klangfest“.

Der in Bad Bergzabern lebende Maler und Grafiker Rolf Barth, 1941 in Stuttgart geboren, gelangte mit seinem Bild „Mit anderen Augen“ auf den dritten Platz. Die Arbeit sei, wie Günther Wirth darlegte, typisch für Barths Arbeitsweise, insofern „gleichrangige und gleiche Dinge gereiht und ganz flach gehalten werden“. Das Bild dränge ins Ironische und verleihe der Wettbewerbsthematik eine „merkwürdige Wendung“. „Masse und Reihung werden zu Phänomenen der Wirklichkeit“, führte Günther Wirth abschließend aus.

Noch bis einschließlich Freitag, 16. Juli, ist die Ausstellung zum 26. Kunstpreis 2010 „Neue Aspekte der Wirklichkeit“ in den Geschäftsräumen der Kreissparkasse Kirchheim zu sehen.

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