Lokale Wirtschaft

Nischen auf den Trendmärkten entdecken

Frauen spielen in der Wirtschaft zunehmend eine tragende Rolle. Doch gibt es auch in Baden-Württemberg noch manch ungenutztes Potenzial, das es gilt, sinnvoll zu fördern. Im Rahmen der Frauenförderpolitik hat dies die Landesregierung erkannt und vor zwei Jahren den Frauenwirtschaftstag ins Leben gerufen. In Kooperation mit der Stadt stellte das Unternehmerinnen-Netzwerk "frauen unternehmen" nun eine Vielfalt von Firmen und Organisationen vor.

BRIGITTE GERSTENBERGER

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KIRCHHEIM Das von Dagmar Schmidt, Vorsitzende des Unternehmerinnen-Netzwerkes, in ihrer Begrüßung vorangestellte Motto "Unternehmer im Wandel", veränderte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Rede aufschlussreich, "es müsste doch eher heißen Unternehmerinnen im Werden". Zwar sind in Kirchheim sichtbar neue Wege beschritten worden, "doch ist eine Frau in der Chefetage oder als Unternehmerin noch lange keine Normalität".

"Oben ohne""Die deutsche Wirtschaft ist oben ohne." Nur eine vernünftige Familienpolitik, die beispielsweise bezahlbare Kindergartenplätze und flexible Betreuungsangebote beinhaltet, so Matt-Heidecker, kann die Kompetenz von Frauen stärken und somit ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben fördern. Geradezu prädestiniert scheinen Frauen, wenn es darum geht, Nischen auf den Trendmärkten aufzuspüren. Bei Beate Stolfig ist Erfolg eine Frage des Stils, denn Kleider machen bekanntlich auch Geschäftsleute. Von der Farb-Stil-Image-Beratung bis zum persönlichen Kleidungskonzept für den Business-Bereich können sich bei Stolfig Frauen wie Männer ein neues Outfit zulegen.

Eine ganz andere Geschäftsidee haben Martina Bleicher und Britt Metzger erfolgreich umgesetzt. Unter dem Slogan "Übersicht schafft Weitblick" stößt der Kirchheimer Sortierdienst zwischenzeitlich auf große Resonanz. Vom Büromanagement bis hin zur Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen, bieten die beiden Unternehmerinnen für Privatpersonen und Dienstleister ihren individuellen Service an. Von Rechnungen, Buchungsbelegen und sonstigen Vorgängen bis hin zum Kassenbericht erhält der Auftraggeber seine Unterlagen systematisch sortiert zurück. "Viele sind froh, wenn sie den Klotz am Bein abgeben können", so Britt Metzger, die aber im Vorfeld auch einige "Überzeugungsarbeit" leisten musste, um die clevere Geschäftsidee auf die Erfolgsspur zu führen.

Was Skeptiker zuweilen gerne auf die Schippe nehmen, ist trotz mancher Vorbehalte nicht so einfach von der Hand zu weisen: Feng Shui, die uralte chinesische Lehre vom Leben und Wohnen in Harmonie, ist das Beratungsziel von Bettina Eggstein. Ganz individuell wird man auch bei der Immobilienmaklerin Beatrix Nietzschmann beraten. Und im Hinblick auf die Filder-Messe räumte sie Kirchheim schon mal einen "hervorragenden Standort" ein.

RahmenbedingungenIm Themenfokus der Veranstaltung standen aber auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die das unternehmerische Handeln der Zukunft beeinflussen, sowie die strukturellen Gestaltungsmöglichkeiten, die Unternehmerinnen en détail vorfinden und umsetzen können. Traditionelle Marktanalysen sind nicht im Sinne des engagierten Esslinger Marktwirtschaftlers Siegfried Kramer. Bekannt für seine Vorwärtsstrategien im Markt, schnitt Kramer in seinem Referat so manchen Wachstums-Zopf kurzerhand ab. "Es gibt nur noch wenige Branchen, die ein generelles Wachstum aufweisen. Der Verdrängungswettbewerb ist längst Realität. Auf gesamt- und branchenwirtschaftliche Konjunkturen ist kein Verlass mehr. Es bleibt nur die Entwicklung einer individuellen Firmenkonjunktur. Denn eine individuelle Firmenkonjunktur sichert Handlungsfreiheit im Verdrängungswettbewerb."

Die Wettbewerbsführerschaft erreicht man aus Kramers Überzeugung nur, wenn man auch den Verweigerern des jeweiligen Produktes zuhört und nicht nur den positiv gestimmten Kunden.