Lokale Wirtschaft

Noch mehr Prävention

Aktuelle Themen wie der Ärzteprotest standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Tagung der AOK-Versicherungsvertreter und Betriebräten aus dem Raum Kirchheim-Nürtingen. Die Forderung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, künftig risikoabhängige Tarife zu verlangen, lehnten die Versicherungsvertreter bei ihrer Sitzung kategorisch ab.

KIRCHHEIM Nach den Sozialwahlen 2005 besteht der Kreis der Versichertenvertreter des Bezirksrats der AOK Nürtingen-Kirchheim aus zehn Kolleginnen und Kollegen und ebenso vielen Stellvertretern, die alle im Raum Nürtingen-Kirchheim tätig sind und auf den Listen des DGB (8 Sitze) und CGB (2 Sitze) kandidierten. In diesem Kreis traf man sich dieser Tage mit weiteren Betriebsräten in den Räumen der AOK-Bezirksdirektion Kirchheim, um sich über die aktuellen Themen abzustimmen.

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"Wie berechtigt sind die Streiks und Demos der Ärzte?" war das aktuellste Thema. Karl-Rudolf Traub als Geschäftsführer der AOK Nürtingen-Kirchheim erläuterte die Hintergründe und Zusammenhänge. Der Protest richte sich teilweise durchaus nachvollziehbar gegen überhandnehmende Bürokratie und die Bonus/Malusregelung bei Arzneikosten. Im Arzneimittelbereich wäre eine Positivliste eine viel sinnvollere Lösung, auch wenn dies der Pharmaindustrie nicht ins Konzept passt. Die Ärzte protestieren auch dagegen, dass ihr Einkommen stagniert oder zurückgeht.

Da die Einkommensunterschiede bei den Ärzten sehr differieren, sei es äußerst schwer, eine generelle Bewertung vorzunehmen. Das durchschnittliche steuerpflichtige Jahreseinkommen von Hausärzten nach Abzug der Praxiskosten lag 2003 laut einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums bei 85 000 Euro und damit nicht nur deutlich über dem Durchschnittseinkommen von Arbeitnehmern, sondern auch über dem Einkommen anderer Akademiker. Von den Versichertenver-tretern wurde dazu angemerkt, dass sehr viele Versicherte auch Lohnkürzungen hinnehmen mussten; oft nur um den Arbeitsplatz zu erhalten. Klar müsse auch sein, dass überdurchschnittliche Einkommenssteigerungen für Vertragspartner steigende Krankenkassenbeiträge bedeuten würden.

Die Forderung des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, künftig risikoabhängige Versicherungstarife zu verlangen und damit alte und kranke Menschen noch stärker zu belasten, lehnten die Versichertenvertreter kategorisch ab.

Für den Vorsitzenden der Versichertenvertreter im AOK-Bezirksrat, Helmut Hartmann, sind die Proteste der Ärzte auch als vorbeugende Positionierung anzusehen, was die beabsichtigte Neu-Finanzierungsregelung bei der bevorstehenden Krankenversicherungsreform durch die große Koalition betrifft. Wenn Ärzte, die Pharmaindustrie und Krankenhäuser mehr Geld beanspruchen, besteht die Gefahr weiterer Beitragssteigerungen, gleich weniger Nettoeinkommen für die Versicherten.

Die Versichertenvertreter und die Betriebsräte treten dafür ein, dass zukünftig der Prävention vorbeugender Gesundheitsschutz eine noch höhere Bedeutung beizumessen ist. Um sich selbst ein Bild zu verschaffen, besichtigten sie das neu eingerichtete AOK-Rückenstudio.

pm