Lokale Kultur

Ohne "oberflächlichen Event-Charakter"

KIRCHHEIM "Wir erfahren immer wieder, wie die Kultur unserem Leben viel mehr gibt als materiellen Reichtum. Teilhabe an den Künsten macht den Menschen mündig, gibt ihm die Kraft zum Überleben." Mit

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ANDREAS VOLZ

diesen Worten des Dirigenten Kent Nagano über Kunst und Kultur verdeutlichte Renate Treuherz vor dem Kirchheimer Finanz- und Verwaltungsausschuss, dass der Literaturbeirat wertvolle Arbeit leistet, auch wenn sich der Erfolg nicht immer materiell messen lässt. Und so fügte sie hinzu: "Durch ein vielfältiges Begegnen mit Literatur will auch der Literaturbeirat Chancen geben, dieses ,Viel-mehr' zu erfahren."

In ihrem Rückblick auf die vergangenen beiden Jahre sprach Renate Treuherz als Sprecherin des Literaturbeirats von einem "Zeitalter der Gedenkjahre": So hatte der Literaturbeirat zum 200. Geburtstag Eduard Mörikes 2004 einen Schwerpunkt auf dem poetischen Lokalmatador. Eine weitere Veranstaltung aus dem Jahr 2004, auf die Renate Treuherz besonders hinwies, war die Lesung mit der jungen Lyrikerin Sandra Hoffmann. Ein wichtiges Ziel des Literaturbeirats bestehe nämlich darin, junge Literaten zu fördern.

2005 gab es neben zwei Veranstaltungen anlässlich des 200. Todestags Friedrich Schillers ebenfalls ein vielseitiges Literaturprogramm in Kirchheim. Hervorheben wollte Renate Treuherz vor allem die Lesung eines weiteren jungen Autors: Der 30-jährige Gernot Wolfram, der sein Abitur in Nürtingen abgelegt hat und jetzt in Berlin lebt, stellte seinen Roman "Samuels Reise" vor. Ein fester Bestandteil des Programms war in beiden Jahren auch der Literarische Weihnachtsmarkt, mit Lesungen der Literaturbeiratsmitglieder.

Über das Veranstaltungsjahr 2006 konnte Renate Treuherz bereits von einem gelungenen Auftakt berichten: "Einen sehr guten Start hatten wir mit der musikalisch-literarischen Matinee zur Lyrik Hans Bethges" mit Regina Berlinghof, der Herausgeberin von Bethges Lyrik. Anlass für die Matinee war die Herausgabe des letzten Bandes der Reihe. Ansonsten wird das Jubiläumsjahr 2006 im Zeichen Heinrich Heines und Max Eyths stehen. 150 Jahre nach Heines Tod liest Karlheinz Gabor am Sonntag, 23. April, aus dessen Werken. Max Eyth wiederum steht 100 Jahre nach seinem Tod am 17. Mai, am 29. Juni und am 15. Oktober im Mittelpunkt von Lesungen und Vorträgen des Literaturbeirats in seiner Geburtsstadt Kirchheim.

Das Publikum des Literaturbeirats sei "primär weiblich und auch eher älter", sagte Renate Treuherz zu den Schwierigkeiten, den Nachwuchs für die Kunst und speziell für die Literatur zu begeistern. Ein neues Angebot soll deshalb im Herbst starten: altersgemäße Führungen im Literaturmuseum für 4. und 5. Klassen. Trotzdem steht für Renate Treuherz fest: "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Formen, wollen dabei aber nicht einem oberflächlichen Event-Charakter verfallen."

Eine Veranstaltung, die sicherlich alles andere als oberflächlich wird, ist am 10. Mai unter den Kirchheimer Rathausarkaden geplant: eine Lesung zum Jahrestag der Bücherverbrennung.