Lokale Kultur

Paddy, George W. Bush und andere "Helden"

KIRCHHEIM Eine wahre Forschungsreise durch die wundersame Welt der Witze unternahmen John Seekings und Mara Bloomfield im Rahmen der Reihe "Donnerstagsvorträge im Spital" der Kirchheimer

Anzeige

WOLF-DIETER TRUPPAT

Volkshochschule mit ihren Besuchern. Da die von vielen befolgte Einladung zum Lachen im Keller mit "A Laugh A Minute" überschrieben war, tat man gut daran, sich schon einmal mental auf die harten Herausforderungen englischen Humors einzustellen.

Die Sorge, dass der Abend möglicherweise allzu theorielastig sein würde, konnte eigentlich gar nicht erst aufkommen. Dass andere Gefahren drohen, machte John Seekings allerdings gleich zu Beginn deutlich. Weil der angelsächsische Humor anerkanntermaßen oft "makaber, offensiv oder obszön" sei, wollte er all denen noch eine letzte Möglichkeit zur Flucht anbieten, die dazu neigen, schnell verletzt zu sein.

Wer blieb, sah sich dann unterschiedlichsten Angriffen auf die Lachmuskeln ausgesetzt und durfte neben der in einem solchen Grundsatzreferat nun einmal unverzichtbaren Theorie auch sehr viel Praxis miterleben. In fast schon wissenschaftlicher Akkuratesse teilte Referent Seekings die Welt der Witze systematisch in Kategorien auf, die er im gelungenen Wechselspiel mit seiner Kollegin Mara Bloomfield immer wieder mit eindrucksvollen Beispielen belegen konnte.

Von der sich durch ein oft fast nicht abzusehendes Ende auszeichnenden Kategorie der so genannten "Shaggy Dog Stories", die dann doch noch meist mit einem Sprichwort oder einem Wortspiel enden, arbeitete sich das Duo weiter zum größten Vergnügen des Publikums. Von bitterbösen Beispielen schwarzen Humors über jüdische Witze und die natürlich unvermeidbaren "Irish Jokes" ging es unbarmherzig immer weiter bis hin zu Witzen, die nicht nur einzelne Vertreter oder ganze Nationalitäten, sondern einfach gleich alle verletzen.

In unterschiedlichsten Härtegraden wurde auch das denkbar schwierige Zusammenleben von Ehefrauen und -männern höchst humorvoll bis schmerzhaft ausgeleuchtet, um dann natürlich auch noch ganz offensiv der zwischenmenschlichsten aller Beziehungen bis tief unter die Gürtellinie zu folgen.

Inwieweit Witze überhaupt übersetzt werden können und wo solche Versuche an kulturellen Unterschieden scheitern müssen, wurde ebenfalls an vielen prägnanten Beispielen deutlich gemacht. Mara Bloomfield war dabei stets ein begeisternder Garant dafür, dass die ohnehin nur in den einleitenden Bemerkungen über die zu behandelnden Kategorien kurz aufbrandende "Ernsthaftigkeit" des von John Seekings gut strukturierten Vortragsabends immer wieder fröhlich durchkreuzt wurde.

Ihr "natural talent for telling jokes" konnte Mara Bloomfield erstaunlicherweise selbst an Stellen erfolgreich beweisen, an denen sie sich "nur suboptimal" der Pointe genähert hatte. Die Reaktionen des Publikums lagen ihr stets am Herzen und so war sie meist auch bemüht, schon im Vorfeld auszuloten, wie viele direkt Betroffene vom nächsten üblen Scherz möglicherweise gekränkt sein dürften, um dann kurzerhand darauf zu verweisen, dass John Seeking dafür verantwortlich sei.

Trotz einer begeisternden Systematik präsentierten John Seekings und Mara Bloomfield eine atemberaubende Mischung, die sich Kartoffeln in Badehosen genauso zuwandte wie gegen stramme Eichen fliegenden Fledermäusen oder Gorillas, die hauptsächlich deshalb als äußerst gemein und hinterhältig erlebt wurden, weil sie partout weder schreiben noch telefonieren wollten. George W. Bushs miserable Kenntnisse in Sachen Alligatorenjagd wurden nicht beschönigt und auch Limericks nicht ausgespart, die in Form einiger weniger, dafür aber handverlesener Exemplare präsentiert wurden.

Der Schlussapplaus nach einem zwerchfellerschütternden zweistündigen Gang durch sämtliche Höhen und Niederungen des Humors war verdient. Statt den "erschöpften" Künstlern zeichnete dann ein "Freiwilliger" aus dem Publikum für die Zugabe verantwortlich. Was der Spezie Mann eine ideale Partnerin wert sein müsste und was er tatsächlich bereit ist zum Preis nicht unbedeutender "Qualitätseinbußen" zu investieren, wurde genauso humorvoll thematisiert und gekonnt übermittelt, wie in einem waghalsigen Finale auch noch aufgezeigt, was einem widerfahren kann, wenn man unbedingt wissen will, ob die Testergebnisse schon zurück sind . . .