Lokale Kultur

Perfektes Entertainment und Spaß

KIRCHHEIM Partystimmung pur bot am Samstagabend die schwäbische Nostalgieband "Wirtschaftswunder". Mit Ohrwürmern aus der Aufbruchszeit nach dem Zweiten

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RENATE SCHATTEL

Weltkrieg bis zur Wirtschaftskrise in den 70er Jahren heizte die gut gelaunte Truppe den Besuchern in der brechend vollen Stadthalle tüchtig ein. Ananasbowle und Rahmkuchen taten ein Übriges, um den Saal zum Brodeln zu bringen. Mitsingen, Arme schwingen und schwofen war angesagt, als Lieder wie der "Itsy Bitsy Teeny Weeny Honolulu Strand Bikini" oder "Schuld war nur der Bossa Nova" erklangen.

Schuld an der euphorischen Stimmung war allerdings nicht der Bossa Nova, sondern Helga und Oswald, zwei charismatische Showtalente mit glänzenden Stimmen, locker-lustiger Tanzbeweglichkeit und Gespür für passende Kalauer aller Art. Die wasserstoffblonde Helga im gepunkteten Kleidchen, ganz das "deutsche Frolleinwunder", bewegte sich lasziv, jedoch ohne die Sittlichkeitsnormen der moralisch gestrengen Adenauerzeit zu überschreiten. Mit beachtlichem Stimmumfang beschwor sie naiv die unausrottbare Sehnsucht nach der großen Liebe mit Titeln wie "Schöner fremder Mann" oder "Nachtexpress nach San Tropez". Besonders ausdrucksstark und gelungen war "Kansas City" und beim "Mann im Mond" jubelte ihr das Publikum zu.

Auch Oswald sagte immer wieder "Danke Helga, das war schön", konnte aber nicht verhehlen, dass er klischeehaft-machomäßig weitaus mehr von sich selbst begeistert war als von Blondchen Helga. Mit Schmalztolle und Hornbrille vollführte der durchaus beleibte Entertainer Tanzbewegungen der komischsten Art und erinnerte damit ein wenig an Heinz Erhardt. Seine Späße waren allerdings von deftigerer Art bis hart unter die verbale Gürtellinie, was das Publikum mit Jauchzern zu goutieren wusste. Er machte die Menschen mobil, bewegte sie zum Mitsingen und -bewegen. Dabei besang er immer wieder die "Hafenstadt Kirchheim": tags über ein Häusermeer, nachts ein Lichtermeer und "im Nebel sieht man gar nichts mehr". "Die Gitarre und das Meer" oder "Fährt ein weißes Schiff nach Honkong" ließen die Massen toben.

Die Nürtinger Band "Wirtschaftswunder", entpuppte sich zum Stimmungswunder, an dem auch die Bandmitglieder mit den bezeichnenden Namen wie Peter Puseler an der Gitarre, Hans Albern am Bass, Jens von Eden am Piano und Dr. Sputnik am Schlagzeug ihren Anteil hatten. Peter Puseler ließ immer wieder gelungene, herzerwärmende Gitarrensolos erklingen.

"Schlager machen glücklich", war der Titel der Veranstaltung, den die Gruppe "Wirtschaftswunder" gekonnt in perfektes Entertainment übersetzte. Schnulzen, die Sehnsucht nach einer besseren Welt und vielleicht nach einem neuen Wirtschaftswunder sind ein Konzept, das (auch wirtschaftlich für die Band?) erfolgreich aufgeht.