Lokale Kultur

Powertruppe erobert Bastion

Konzert der Extraklasse mit Supercharge – Band kennt keinen Stillstand

Kirchheim. Nonstop jagt ein Höhepunkt nach dem anderen durch den Gewölbekeller, und die Begeisterung des Publikums steigert sich zusehends. Schlechte Zeiten also für Rezensenten, denn bei all der gebotenen musikalischen Qualität scheint jeder Versuch, das Haar in der Suppe zu finden, als kleinliche Nörgelei.

Brigitte Gerstenberger

Zwar könnte man leidlich kalauernd Albie Donnellys Glatze erwähnen, aber der grandiose Entertainer und Frontmann von Supercharge hat wahrlich mehr zu bieten als Kojaks Markenzeichen. Sein druckvoller, unverwechselbarer Saxofonsound ist das Signet von Europas führender Band in Sachen Rhythm'n'Blues, Swing und Good-Time-Rock'n'Roll. Am Samstagabend in der Bastion kam die siebenköpfige Formation mit einer breiten Bläser-, Gitarren- und Hammond-Orgel-Front daher, die den direkten Weg durch die Ohren in die Beine der Zuhörer fand.

Am 17. Mai 1984 erschallte in der Stadthalle zum ersten Mal das groo­vende Turbogebläse der Powertruppe in Kirchheim. Damals wirbelte Jungspund Steve Grant die Sticks, wie Donnelly aus Liverpool stammend, und einige Jahre später als Superdrummer zuweilen bei Gigs von Werner Dannemann spielend.

Zum heutigen Line up von Supercharge gehört Hardy Fischötter, Schlagzeug, Wolfgang Diekmann, Bass, und seit 2004 ist der Gitarren- Irrwisch und Sänger Roy Herrington wieder dabei, bekannt auch durch die Zusammenarbeit mit Chris Farlowe. Big Jay Wieching, Bariton, Tenor, Saxofon, Mike Ratalczyk, Posaune, Gesang und imposant aufspielender Bluesharp sowie Sascha Kühn, Keyboards, bilden eine Live-Band der Extraklasse, die heute wie damals schon nach den ersten Takten Party-stimmung erzeugte.

Wenngleich der Band, die keinerlei Stillstand kennt, in der Stadthalle eindeutig mehr Platz zur Verfügung stand, tanzten sie auf weiß gedeckten Tischen und quer durch den Saal. So war die Enge der Bastion eine einzige Herausforderung für die Eskapaden der Combo. In akrobatischer Höchstleistung schlängelten sich die Musiker im hautnahen Kontakt zum Publikum durch die dicht gedrängten Reihen. Dabei geriet die Roy Herrington-Gitarrenshow vor der Bühne zum frenetisch bejubelten Kracher. Umringt gleich von mehreren Air-Gitarrenspielern, bediente Herrington sein Griffbrett trotz allerlei Gimmicks exzellent. In mehreren genialen Saxofon-Duetten korrespondierten Albie Donnelly und Big Jay Wieching wundervoll miteinander, auch Mike Rafalczky ließ seine prustende Posaune kaum zur Ruhe kommen, die er zwischendurch zerlegte, dabei entlockte er den Einzelteilen noch fulminante Töne.

Jump Blues, im schönsten Big-Band-Sound der US-amerikanischen 1940er-Jahre, deftiger Rock'n'Roll und ausgefeilte Bläserarrangements, pikant gewürzt mit viel britischem Humor. Bluesbrothers mal sieben, gewitzt, spritzig, charmant. Von Bill Haleys „Choo Choo Boogie“ über die selbstironische Lyrik von Johnny Guitar Watsons „Gangster of Love” bis hin zu Willie Dixons „Hoochie Coochie Man“, bei dem Albie Donnelly von der Band animiert wurde, immer noch höhere Töne zu spielen. Zwischendurch auch mal ein ruhiges Stück wie „Save Your Love For Me“ zum Luftholen. Die vorgelegten Tempi rissen alle mit, Sogwirkung bis in die Zugaben hinein. Supercharge als vorzüglicher Launemacher, die beinahe atemlos machten.

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