Lokale Wirtschaft

Pragmatisches Handeln ist gefordert

Im Rahmen der Ausstellung "Mittendrin statt nur am Rand Zukunft für Zentren" sprach in dieser Woche Hans Frieser, Erster Bürgermeister in Schwäbisch Gmünd, über aktuelle Problemstellungen in der Stadtentwicklung.

VOLKMAR SCHREIER

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KIRCHHEIM Die Ausstellung im Kornhaus stellt studentische Beiträge der Universität Stuttgart zum Umbau von Stadtzentren vor. Anhand der Städte Schwäbisch Gmünd und Aalen wollen die Studenten des Städtebau-Instituts Perspektiven für die Stadtzentren aufzeigen und zur Diskussion anregen. Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen zum Thema.

Ein Stadtzentrum für Bewohner, Touristen, Handel und Wirtschaft gleichermaßen attraktiv zu machen das ist die große Herausforderung, vor der viele Städte derzeit stehen. Besonders hart trifft es mittelgroße Städte wie Schwäbisch Gmünd, zumal dann, wenn sie, wie in diesem Fall, sich im Kampf um Märkte und Bevölkerungszahlen nicht nur gegen ihre Nachbarstädte behaupten müssen, sondern auch noch gegen einen großstädtischen Verdichtungsraum wie Stuttgart antreten müssen.

Die Preise für Bauland und Immobilien orientierten sich zunehmend am Stuttgarter Niveau mit der Folge, dass die Stadt Einwohner an die umliegenden Gemeinden verliere, beschrieb Frieser die Ausgangslage. Das Leben im Stadtzentrum erscheine vielen nicht mehr attraktiv. Auch das Einkaufsverhalten der Bevölkerung habe sich geändert: Ladengeschäfte mit großen Verkaufsflächen außerhalb entzögen dem Einzelhandel in der Stadtmitte den Boden, was in der Folge die Innenstadt noch unattraktiver mache. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Einzelhandel weiter an Bedeutung verlieren wird", stellte Frieser fest. Eine Schlüsselfrage sei nun, wie eine Innenstadt ohne Einzelhandel trotzdem überleben könne.

Derzeit stünden im Bereich der Schwäbisch Gmünder Altstadt rund 14 000 Quadratmeter an Verkaufsflächen leer. Hier versuche die Stadt, durch Umnutzung die Leerstände wieder mit Leben zu füllen: Verschiedene Angebote aus den Bereichen Kultur, Bildung, Gastronomie und Freizeit sollen die Lücken füllen, erläuterte Hans Frieser. Die Stadt denke unter anderem daran, trotz der leeren Stadtkasse das Angebot der örtlichen Volkshochschule auszubauen. Die Gastronomie unterstütze man, indem man ihr die Außenbewirtung ermögliche. "Es ist auch von Seiten der Stadt viel pragmatisches Handeln gefordert", so Bürgermeister Frieser. Um die Kaufkraft im Ort zu halten, riskiere man auch schon mal Krach mit dem Landesdenkmalamt, um die Ansiedlung einer Filiale einer großen Modekette in der Altstadt zu ermöglichen: "Das ist allemal besser, als wenn die Leute dann zum Einkaufen nach Stuttgart fahren."

Die Innenstadt soll auch als Wohn- und Lebensraum wieder aufgewertet werden. Deshalb versuche die Stadtverwaltung auch, in den Sanierungsgebieten zusammenhängende Quartiere aufzukaufen. Hier sollen dann im Rahmen der Sanierung neue Wohnprojekte mit gestalteten und begrünten Innenhöfen entstehen, um die Wohn- und Lebensqualität im innerstädtischen Bereich zu steigern. In diesem Zusammenhang müsse auch die Parkplatzproblematik gelöst werden: "Der Parkplatzmangel ist immer noch ein großer Hinderungsgrund für den Zuzug in die Innenstadt", wusste Frieser zu berichten. Leider stoße die Stadt Schwäbisch Gmünd mit ihren Plänen und Konzepten recht schnell an die Grenzen des Machbaren: "Unser großes Problem ist natürlich die katastrophale Haushaltslage."