Lokale Wirtschaft

Preise für Ackerland sind gesunken

Weniger Erlöse für Landwirte im Kreis Esslingen – Landesweit große regionale Unterschiede

Schlechte Nachrichten für die Bauern im Kreis Esslingen. Die Preise für landwirtschaftliche Flächen sind gesunken. Im Schnitt wurden hier rund 24 730 Euro pro Hektar Fläche ohne Gebäude und Inventar bezahlt. Das waren 4902 Euro weniger als im Jahr 2006. Insgesamt wechselten hier vergangenes Jahr 305 landwirtschaftliche Grundstücke ihren Besitzer. Das geht aus den aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes in Stuttgart hervor.

Anzeige

Susanne Herrmann

Kreis Esslingen. Erfasst werden in der Statistik der Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke alle Verkäufe von Acker- und Grünlandflächen, bei denen die veräußerte Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung mindestens 1000 Quadratmeter (0,1 Hektar) groß ist und der Käufer die Flächen auch weiterhin landwirtschaftlich nutzt. Rebland und gärtnerisch genutzte Flächen sind nicht enthalten. Ebenfalls nicht in die Statistik einbezogen werden Eigentumsübergänge aufgrund von Flurbereinigungsverfahren, Enteignungen und Zwangsversteigerungen sowie Grundstückserwerbe etwa von Todes wegen oder durch Schenkung.

Die Landwirte sind interessiert an zusätzlichen ertragreichen Flächen, die Nichtlandwirte spekulieren vermutlich auf die längerfristige Umwandlung der landwirtschaftlichen Flächen in andere Nutzungsarten, vor allem in Bauland. Denn den Statistikern blieb nicht verborgen, dass die Nichtlandwirte für die Grundstücke deutlich tiefer in die Tasche greifen (im Schnitt zahlten sie rund 24 960 Euro pro Hektar Ackerland) als die Haupt- und Nebenerwerbslandwirte (14 100 bis 15 640 Euro pro Hektar).

Neben der Nutzungsart und der Lage des Grundstücks, wird der Kaufpreis auch durch die Bodengüte bestimmt. Gutes Ackerland hat auf einer Skala von 1 bis 100 eine Ertragsmesszahl (EMZ) von 70 und mehr pro Ar, ertragsschwache Böden haben eine EMZ unter 30 pro Ar. Im Kreis Esslingen lag die Ertragsmesszahl der verkauften Grundstücke im Schnitt bei mittelprächtigen 54. Hier wurden vergangenes Jahr 305 landwirtschaftliche Grundstücke verkauft (2006: 245 Grundstücke). Insgesamt wechselten dabei 78,32 Hektar Land (2006: 71,23 Hektar) den Besitzer.

Die Käufer zahlten für den Hektar Fläche hier im Schnitt 24 730 Euro. Umgerechnet auf den Quadratmeter ergab sich also ein Wert von rund 2,47 Euro. Damit lag der Preis für landwirtschaftliche Grundstücke im Kreis Esslingen 35,1 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt, den die Statistiker ja mit rund 18 300 Euro pro Hektar angeben.

Begehrt, aber teuer, sind nach wie vor Kleinstflächen bis 25 Ar. Für sie wurden Preise von fast 29 400 Euro pro Hektar bezahlt. Interessant sind sie für die Käufer trotzdem, denn für ihren Erwerb „müssen insgesamt weniger Geldmittel aufgewandt werden, was eine Finanzierung ohne Fremdkapital begünstigt“, erklärt Thomas Betzholz vom Statistischen Landesamt. Mit zunehmender Parzellengröße gehen die Preise zurück. Und ab etwa 1 Hektar pendeln sich die Kaufwerte zwischen 14 700 und 16 500 Euro je Hektar ein. Wobei Ackerland begehrter ist als Grünland.

Rechnet man zum Kreis Esslingen die übrigen Stadt- und Landkreise hinzu, ergibt sich für Baden-Württemberg ein Rückgang der landwirtschaftlichen Grundstückspreise um rund 4,5 Prozent auf nunmehr 18 300 Euro pro Hektar. Ermittelt wurden insgesamt die Preise von 6272 Kauffällen, das waren rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr mit 5395 Kauffällen. Von der Fläche her wechselten rund 4495 Hektar den Besitzer gegenüber 3744 Hektar im Vorjahr (plus 20 Prozent).

Im regionalen Vergleich sind die Schwankungen besonders groß, denn ein teures Grundstück kann den Durchschnittspreis ziemlich in die Höhe treiben, wenn nur wenige Flächen zum Verkauf stehen. Am teuersten war diesmal der Stadtkreis Heidelberg mit rund 124 600 Euro pro Hektar. Der traditionelle Spitzenreiter Stuttgart landete mit rund 115 500 Euro pro Hektar dagegen auf Platz zwei. Unter den Landkreisen führen Karlsruhe, Böblingen, Ludwigsburg und der Rhein-Neckar-Kreis mit durchschnittlichen Bodenpreisen von 32 100 bis 40 700 Euro pro Hektar die Preisskala an.

Günstiger zu haben sind Flächen in eher ländlichen Gebieten mit meist unterdurchschnittlichen Bodenqualitäten wie etwa in den Regionen der Schwäbischen Alb, des Schwarzwaldes und des Odenwaldes. So kostete in den Landkreisen Tuttlingen, Neckar-Odenwald-Kreis, Zollernalb, Waldshut, Main-Tauber, Sigmaringen und Schwarzwald-Baar die Grundstücke nur rund 9000 bis 10 650 Euro je Hektar.