Lokale Kultur

Publikum nicht geschont

KIRCHHEIM Seine Profession ist es, einfach schlagfertig zu sein. Mit einer pointenreichen Schlappergosch gesegnet, watschte Michael Klink alias LinkMichel diverse Zeitgenossen und deren Eigenarten ab. Mit seiner neuen Bühnenshow "net emmer nätt" gastierte er beim Ötlinger Kulturkreis

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BRIGITTE GERSTENBERGER

und ließ es dabei gewaltig aufheulen. Das Publikum wurde "vollgestopft" mit skurrilen und bizarren Alltagssituationen und war mehr geschüttelt als gerührt vor Lachen, versteht sich.

Die Schilderungen des detailverliebten Anarcho-Kabarettisten reichten vom sonst so seriösen Vater, der beim Spaziergang mit der Enkeltochter zum "Opa Lederstrumpf" mutiert, bis hin zu ominösen Friseur-Katastrophen mit nervenden Kindern und "verunfallten Dauerwellen, die gefönt durchs Haarstudio schlittern".

Zwischendurch überkommt der Blues den streitbaren Schwaben ganz in Ambros-Manier und mit nölender Stimme rockt er locker schwäbisch ab. Groß und mächtig-schicksalsträchtig, nur leider ohne Hollaröhdulliöh, besang Klink nicht den Watzmann, dafür das Elend schwäbischer Albbauern. Begleitet wurde er dabei von seinem Partner und Weggefährten Michael Buck am Klavier.

Pikant gewürzt mit einer gehörigen Portion Selbstironie interpretiert der Wortakrobat Beziehungsdramen und die daraus resultierenden sexuellen Probleme: "Schätzle, ischs angenehm oder hosch jetzt no a Idee."

Auch die Jugend bekommt ihr Fett ab, die den Sex nur noch zwischen heruntergeladenen Handy-Klingeltönen und nicht gemachten Mathe- Hausaufgaben absolviert. Nebenbei hadert er mit Busfahrern, Fernsehsendern und der Volkshochschule. "Bei den Fernsehprogrammen kann man nur in den Keller gehen und sich in aller Ruhe ein Loch ins Knie bohren."

Mit den vhs-Programmen sieht es nicht viel besser aus, "ich hab meiner Frau zum Geburtstag eine Urne getöpfert, alles Gute zum Wiegenfest, ich hoffe, du kannst sie gebrauchen"! Zum echten Schenkelklopfer im Ötlinger Gemeindehaus geriet die Nummer mit der "Alt-68er Waldorf-Mutter und deren gestörter Tochter, das ist so eine, die ihren Namen vortanzt." Bei dem neurasthenischen Versuch von Klink, tanzende Eurythmie-Bewegungszirkel auf die Bühne zu zaubern, feierte die Kabarett-Fangemeinde fröhliche Urständ.

Mit seinem neuen Programm hält Klink den Leuten den Narrenspiegel nicht nur kompromisslos vor, sondern haut ihn den Zuhörern derb, frivol und mit kritischem Verstand über den Schädel. Mit der berühmt-berüchtigten Kultfigur, dem 43-jährigen Albbauern Bobby Salzer, endete ein furioser Comedy-Kabarett-Mix. Ein kurzweiliger Abend, "net emmer nätt", so mancher Lacher blieb dabei im Halse stecken, und zuweilen klatschten die Vorsichtigen vorbeugend und die Nachdenklichen mit Verspätung.