Lokale Kultur

Puck spielt mit Schachfiguren

KIRCHHEIM Einen langen Winterabend mit dem Traum einer Sommernacht zu füllen dieses Angebot unterbreitete das Landestheater Schwaben den Kirchheimer Theaterfreunden in der Stadthalle. Mit

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GERHARD FINK

einer eigenwilligen, gebrochen-romantischen Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum", mit interessant verfremdetem Bühnenbild, schönen Kostümen und sorgfältig gestalteten Masken stimmten die Voraussetzungen für einen spannenden Theaterabend durchaus.

In Erinnerung bleiben zunächst einzelne Bilder: die in Konventionen regelrecht eingegipste Gesellschaft der Athener, die als neckisches Schattenspiel angelegte Theaterprobe der Handwerker und besonders die atemlos vollzogene Aufräumaktion des Puck, der gegen Schluss versuchte, in das angerichtete Chaos der Beziehungen vermittels textiler Bühnenelemente Ordnung zu bringen.

Als Stimulans hat der Regisseur Walter Weyers einmal mehr die Musik entdeckt: nicht etwa Mendelssohn, sondern einem namhaften Jazzer ist die Rolle des kunstvollen Farbenmischers in der schwarz-weißen Bühnenwelt zugedacht. Der Pianist Patrick Bebelaar, auffällig unauffällig im Zentrum der Bühne platziert, schaffte die perfekte Balance war immer präsent, mischte sich sogar unter die Schauspieler und ließ Shakespeare bis auf wenige musikalische Kulminationspunkte doch den Vortritt.

Auch den Puck, wie ihn Joséphine Weyers auf die Bühne brachte, wird man nicht so schnell vergessen: Keine Spur von elfenhafter Leichtigkeit, kein Geistwesen, sondern ein tütteliges Kügelchen im Dauertrab, das seinen Kunstfehler als Tribut an den Stress begeht. Eine außergewöhnliche schauspielerische Leistung sicherlich, aber auf die Dauer ist diese in der Dramaturgie überragende Figur doch ein wenig eindimensional angelegt.

Diese besonderen Akzente in der Inszenierung kosteten ihren Preis: Der Puls des Handlungsstroms wurde ab und an so weit heruntergefahren, dass Erstarrung drohte. Den Shakespeare des schnellen Worts und des blitzenden Dialogs, aber auch Momente ruhiger Poesie entdeckte man nur selten. Gegenüber dem omnipräsenten Puck wirkten die anderen Protagonisten ein wenig wie aufwendig gestaltete Schachfiguren, die ein Zauberlehrling hin und her schiebt.

Auch die Durchdringung der verschiedenen Handlungsebenen gelang nicht durchgängig. So lieferten die Memminger einen interessanten Diskussionsbeitrag zu Shakespeares Elfenreigen und ließen wie könnte es anders sein für gänzlich andere Auffassungen genügend Luft und Raum.