Lokale Wirtschaft

Recaro wird Mitarbeiter entlassen

Laut IG Metall stehen bis zu 150 Arbeitsplätze auf dem Spiel

Nach Angaben der IG Metall Esslingen wird der Autositze-hersteller Recaro am Standort Kirchheim 150 Arbeitsplätze streichen. Geschäftsführer Horst Kespohl bestätigte, dass das Unternehmen „Mitarbeiter verlieren“ werde.

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Antje Dörr

Kirchheim. Recaro streicht am Standort Kirchheim 150 Arbeitsplätze. Das will die IG Metall Esslingen aus dem Betriebsrat des Unternehmens erfahren haben. 100 Arbeitsplätze stünden in allen Bereichen von der Verwaltung bis zur Produktion auf dem Spiel, 50 im sogenannten Aftermarket- oder Nachrüstgeschäft. Diese Sparte solle in das Recaro-Werk nach Marktleugast nahe der tschechischen Grenze verlegt werden. Die Gegend zeichnet sich durch ein niedrigeres Lohnniveau aus.

Die von der IG Metall genannten Zahlen wollte Horst Kespohl auf Anfrage nicht bestätigen. „Ich weiß selbst noch nicht, wie viele wir gehen lassen müssen“, sagte der Recaro-Geschäftsführer. Der Grund: Von den Kunden erhalte Recaro im Moment keinerlei Informationen darüber, wie es 2009 weitergehe. Erst Mitte Januar könne er etwas über die Auftragslage sagen. Von Mitte bis Ende Januar werde das Unternehmen Interessenausgleichsverhandlungen mit dem Betriebsrat führen.

Grundsätzlich habe sich die Unternehmensleitung aber entschieden, seine „Kapazitäten anzupassen“, sagte Kespohl. Das heißt: „Wir werden Mitarbeiter verlieren.“ Das OEM-Geschäft, also das Herstellen von Sitzen für die Automobilindustrie, werde in Kirchheim bleiben.

Kespohl bestätigte, dass die Verlegung des Nachrüstgeschäfts nach Marktleugast Teil der Interessenausgleichsverhandlungen sei. Damit erhoffe sich das Unternehmen Einsparungen von 1,5 Millionen Euro pro Jahr durch Lohnkosten und Synergieeffekte. In Marktleugast sollen unter anderem die Vertriebsorganisationen des Nachrüstgeschäfts für Kinder- und Erwachsenensitze zusammengelegt werden, sagte Kespohl. Bisher wurden die Erwachsenensitze von Kirchheim aus vertrieben.

Laut Kespohl sind diese Maßnahmen notwendig, weil der Automobilbranche eine längere Rezession bevorsteht. Die IG Metall sieht das anders. Die Finanzkrise führe dazu, dass momentane Aufträge stückzahlmäßig zurückgingen, sagte Jürgen Groß-Bounin von der IG Metall Esslingen. „Das kann man mit Kurzarbeit beziehungsweise Zeitarbeitskonten ausgleichen.“ Vor zwei Jahren hätten die Recaro-Mitarbeiter 40-Stunden-Verträge unterschrieben. Anlass sei das Argument der Geschäftsführung gewesen, das Unternehmen könne nur so neue Aufträge bekommen. Nun sei Horst Kespohl eine Antwort schuldig, wo die neuen Aufträge seien, die er für die Zukunft versprochen habe, sagte Groß-Bounin. Ziel der IG Metall sei es, die Arbeitsplätze am Standort Kirchheim zu erhalten.