Kirchheim

„Rettet die Klosterwiese“

Bürgerinitiative ruft für kommenden Samstag zu einem Demonstrationszug von der grünen Wiese zum Rathaus auf

Anrainer der Klosterwiese, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, wollen am Samstag gegen den geplanten B
Anrainer der Klosterwiese, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, wollen am Samstag gegen den geplanten Bau von vier dreistöckigen Gebäuden auf der Grünfläche demonstrieren.Foto: Carsten Riedl

„Rettet die Klosterwiese“ – unter diesem Leitspruch engagieren sich Klosterviertler für den Erhalt der Klosterwiese und für eine integrationsfreundliche Unterbringung von Flüchtlingen. Für kommenden Samstag laden sie zu einem Demonstrationszug ein, der von der Klosterwiese zum Rathaus führt.

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Kirchheim. Nach Plänen der Stadtverantwortlichen soll die Grünfläche der Klosterwiese für den Neubau von „vier einfallslosen dreistö-ckigen Gebäuden“ als Anschlussunterbringung für 136 Asylanten genutzt werden, moniert die Bürger­initiative Klosterviertel in einer Pressemitteilung. Anfang Februar habe die Stadtverwaltung die Kirchheimer Bevölkerung über ihre Pläne zur Unterbringung von Flüchtlingen informiert. Kaum einen Monat später habe der Gemeinderat dem Entwurf des Bebauungsplans Klosterwiese bereits zugestimmt. Gefragt worden sei die Bevölkerung „wieder einmal nicht“. Über ihre Köpfe hinweg seien Entscheidungen getroffen, die für die Bürgerinitiative „doch sehr fragwürdig sind“.

Deshalb wollen die Klosterviertler am 16. April „gegen die Bebauung des letzten grünen Sport- und Freizeitgeländes im Innenstadtbereich und für eine integrationsfreundliche Unterbringung von Zuflucht Suchenden“ demonstrieren. Treffpunkt ist um 11 Uhr auf der Klosterwiese. Von dort startet die Demonstration zum Endziel Rathaus. Teilnehmen kann jeder, „dem der Erhalt der Klosterwiese am Herzen liegt“.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich die Kirchheimer Bevölkerung unter dem Motto „Rettet die Klosterwiese“ erfolgreich gegen deren Umnutzung als Ersatzparkplatz für den Aus- und Umbau der Tiefgarage Schweinemarkt gewehrt. Heute sei die Klosterwiese erneut im Fokus der Stadtverantwortlichen, heißt es in der Pressemitteilung. Dieses Mal handle es sich jedoch nicht um leblose Objekte, die temporär abgestellt, sondern um Menschen, die dauerhaft untergebracht werden sollen.

Über neun Jahrzehnte hinweg sei die Wiese – nicht nur für die Anrainer – zum zentral gelegenen Naherholungsgebiet für Jung und Alt geworden. Die unbebaute Grünfläche sei auch als Frischluftschneise für die Innenstadt essenziell. Nun plane die Stadt, dort vier Häuser, „angeordnet wie eine Wagenburg“, für die Anschlussunterbringung für Menschen ohne Zuhause zu bauen. Die Häuser würden jedoch, entgegen der planerischen Aussage, nicht nur 30, sondern circa 50 Prozent der Fläche (exklusive Kinderspielplatz) beanspruchen. Das Ziel, das grüne Band durch die Stadt, von Jesingen bis hin zum „Blauen Ypsilon“, zu erhalten, bleibe ein weiteres Mal auf der Strecke.

Wenn das Bauvorhaben realisiert und somit ein Teil der Klosterwiese umgenutzt wird, gehe das letzte Stückchen Natur dieser Art im Innenstadtgebiet unwiederbringlich verloren. Zudem werde durch die Konzentration der hohen Anzahl an Menschen aus andern Kulturen auf einem begrenzten Raum der Gettoisierung Vorschub geleistet, schreibt die Bürgerinitiative. Kommunen, die diesen Fehler in der Vergangenheit bereits gemacht haben, rieten eindringlich dazu, aus Erfahrung zu lernen und die Menschen dezentral unterzubringen.

Alternativen zur Bebauung der Klosterwiese sieht die Initiative durchaus: Nach Angaben der Stadtverwaltung stünden rund 700 Wohnungen in Kirchheim leer. Deren Nutzung würde eine bessere Verteilung möglich machen. Wie dies gelingen kann, zeige das Beispiel Lichtenwald. Die 2 500-Einwohner-Gemeinde habe mit einer Flugblattaktion 70 Flüchtlingen ein Dach überm Kopf geben können – und dies ganz ohne große Sammelunterkunft oder Neubauten. Laut Regierungspräsidium Stuttgart sei nach Paragraf 246, Absatz 10 Baugesetzbuch in Gewerbegebieten eine Wohnbebauung für Flüchtlinge möglich. Das neu erschlossene Gewerbegebiet Hegelesberg würde sich hierfür zum Beispiel ideal für kleinere Wohneinheiten anbieten, meinen die Initiatoren aus dem Klosterviertel. Eine weitere Möglichkeit sei auch der Erwerb und die Bebauung von Baulücken.

Auch wenn nicht alle auf diese Weise in Kirchheim unterzubringen seien, könne die Zahl der Gebäude für die Anschlussunterbringungen verringert werden. Warum die hier genannten Alternativen nicht nachdrücklicher verfolgt werden, bleibt für die Bürgerinitiative fraglich.pm