Lokale Kultur

Rockabilly-Feuerwerk

Johnny-Trouble-Nacht sorgte im Kirchheimer Stadtkino für Partystimmung bis in die Morgenstunden

Johnny Trouble Party im Stadkino
Johnny Trouble Party im Stadkino

Kirchheim. „In Reno hab‘ ich ‘nen Typen abgeknallt, bloß um ihn verrecken zu sehen“, sang Johnny Cash 1955 in den „Sun Studios“ des legendären Produzenten Sam Philips. Der machte eine Platte davon und eine beispiellose Rockabilly-Karriere begann. Dass Rockabilly auch heute noch Jung und Alt begeistern kann, zeigte am vergangenen Samstag der Andrang an der Kasse zum Kirchheimer Stadtkino, wo diese Mixtur aus Country- und Rock‘n’Roll für einen langen Abend im Mittelpunkt stand.

Anzeige

Livemusik mit der Johnny Trouble Band war angesagt, nachdem Stadtkino-Betreiber Michael Holz die zu diesem Zeitpunkt schon zahlreichen Besucher begrüßt hatte. Die waren schon eingestimmt durch den Spielfilm „Walk the Line“, den James Mangold 2005 über das Leben eines der Superstars des Genres, über Johnny Cash, gedreht hatte. Mangolds Streifen zeigt die kindliche Traumatisierung des Künstlers durch den Tod eines Bruders und einen trunksüchtigen und zynischen Vater, Cashs Zeit bei der Air Force in Deutschland, der Aufstieg zum Star und den Zusammenbruch unter Drogeneinwirkung. Nach dem Entzug der Amphetamine nimmt seine Angebetete June Carter den 42. Heiratsantrag endlich an, und als Höhepunkt der Darstellung muss wohl der Auftritt Johnny Cashs vor mehreren Hundert Insassen des kalifornischen Staatsgefängnisses Folsom Prison gelten.

Hatten schon im Film die aufsteigenden Stars der Sun-Records ihre Touren gemeinsam im Auto unternommen – Jerry Lee Lewis sitzt neben Johnny vorne, hinten verteilt Elvis Tabletten an Carl Perkins und Waylon Jennings – so finden sich die Songs einiger davon in der Setlist der Johnny Trouble Band wieder.

Den Anfang aber machten nach einer kurzen Umbaupause Gitarrist Felix Berchtold, Bassist Tall Tony, Pis­tolero Pepe an der Snare-Drum und Wendl aus Ludwigsburg, die mit zwei Instrumentals schon mal ein musikalisches Zeichen setzten, bevor Oliver „Johnny“ Bluth mit seiner Gitarre und perfekt gegelter Tolle die Bühne betrat und gleich mit „Rhythm of the Railroad Track“ auf die Chickaboom-Schiene abfuhr. Was dann folgte, war ein fast einstündiges Rockabilly-Feuerwerk in einer ausgewogenen Mischung aus dem Oeuvre der Vorbilder und eigener Kompositionen, meist aus der Feder des Frontmanns Johnny Bluth.

„So doggone Lonesome“ war die B-Seite des Folsom Prison Blues und „Rock a billy boogie“ von Johnny Burnette hat schon Kult-Status in der Szene. Apropos Szene: Im Stadtkino waren sowohl der Stetson überm Holzfäller-Shirt als auch pünktchen-gemusterte Blusen und Style-Frisuren zu bewundern. Auch das schwarze Mieder-Top zog bewundernde Blicke auf sich, als sich Claudia Lengerer auf die Bühne begab und gemeinsam mit Johnny vom „Home of the Blues“ zu singen anhob. Anschließend nutzte sie gemeinsam mit ihrem Gitarristen Hannes die Pause der „Troubles“, um mit vier Songs aus dem Singer- und Songwriter-Bereich zu überzeugen.

Wenig später kamen auch die fünf Rockabilly-Spezialisten auf die Bühne zurück, um einen rasanten Tanz bis in die frühen Morgenstunden einzuläuten. Dazu hatten sie eine ganze Anzahl Gäste mitgebracht. Mandoline und Fiddle setzten folkige Akzente im Zusammenspiel mit dem Quintett, bevor gegen sehr spät ein ebenfalls auf Rockabilly spezialisierter DJ seine Arbeit aufnahm.