Lokale Kultur

Roms Provinzen an Rhein und Donau

KIRCHHEIM Zum Auftakt des neuen Jahresprogrammes besuchte die Kirchheimer Regionalgruppe des Schwäbischen Heimatbundes die Ausstellung "Imperium Romanum - Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau" im Kunstgebäude am Schlossplatz in Stuttgart.

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Auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg befanden sich zwei römische Grenzprovinzen, nämlich Germania superior und Raetia. Wobei sich mit der Bezeichnung Germania superior (Obergermanien) die römische Propaganda einen Etikettenschwindel erlaubte, lebten doch in diesem Gebiet, mit Ausnahme der um Ladenburg (Lopodunum) angesiedelten Neckarsueben, überwiegend Kelten.

Der Schwerpunkt der Stuttgarter Ausstellung lag auf der zivilen Seite des provinzialrömischen Lebens, doch bei der Bedeutung des Militärs im römischen Reich, zumal in den Grenzprovinzen, ließ sich die militärische Seite nicht ganz ausblenden.

Zunächst versammelte sich die Gruppe um den Grabstein des römischen Soldaten Lucius Valerius Albinus aus Sevilla. So wie dieser wurden einige Dutzend Grabsteine oder Grabstelen römischer Soldaten in Baden-Württemberg gefunden. Eine Karte über dem Grabstein zeigte die Herkunft dieser Legionäre auf, die von Vorderasien bis Britannien und von Nordafrika bis ans Schwarze Meer reichte.

Nächster Punkt der Führung war der "Limes", hier in Form eines Palisadenzaunes mit spitzen Eichenpfählen, die an der Außenseite glatt behauen waren. Dieser Zaun bildete für die angreifenden "Barbaren" ein Annäherungshindernis, sodass für die Wachmannschaften auf den stets in Sichtweite stehenden Wachttürmen Zeit blieb, durch Signale Hilfe herbeizuholen. Vor der Palisade stand ein römischer Soldat mit Helm, Kettenpanzer, Stoßlanze, Schwert und Schild, einer Ausrüstung, die 40 bis 45 Kilogramm wog und mit der Tagesmärsche bis zu 25 römischen Meilen (etwa 37 Kilometer) zurückzulegen waren.

Die Führung ging weiter zu Zeugnissen der römischen Stadtkultur am Beispiel von Ladenburg. Hier hat sich aus einem Kastell und einem Lagerdorf eine Stadt entwickelt mit einer riesigen Basilika und einem von einer Säulenhalle flankierten Forum. Von ebenfalls beträchtlichem Ausmaß war auch das dort 1967 bei Bauarbeiten entdeckte römische Theater, das aber leider wieder überbaut werden musste, weil der Denkmalschutz damals noch nicht so weit war, dieses in Baden-Württemberg wohl einmalige Objekt dauerhaft zu konservieren.

Das römische Theater war anders als die griechische Tragödie, eher derb und volkstümlich. Die Masken der Schauspieler verkörperten einen bestimmten Typus, beispielsweise den Vielfraß oder den Einfältigen. Die Belegung der Theaterränge war ein Spiegelbild der stadtrömischen Gesellschaft ein jeder wusste, wo sein Platz war und welchen Rang er einzunehmen hatte. Von hohem künstlerischen Rang ist das rekonstruierte Prunkportal von Ladenburg, ein Hortfund von Bronzebeschlägen und -verzierungen, gallo-römische Arbeiten aus dem zweiten Jahrhundert, die als Hortversteck den Einfall der Alamannen überstanden.

Ein weiterer Besichtigungspunkt waren die Weihesteine der Beneficarier von Osterburken. Beneficarier waren von ihrer Einheit abkommandierte römische Soldaten, die direkt dem Statthalter unterstellt waren und als eine Art Polizei der inneren Sicherheit dienten. Um Korruptionen zu vermeiden, dauerte ihre Dienstzeit vor Ort nur sechs Monate. Die Beneficarier hatten einen eigenen kleinen Tempel, in dessen Bezirk sie nach ihrer gut zu Ende gegangenen Dienstzeit einen Weihestein aufstellten.

Eine bedeutende Errungenschaft der römischen Zivilisation ist die Badekultur. Am Modell des Osterburkener Kastellbades wurde das römische Badewesen erläutert. Vom Auskleideraum ging es über das Kaltwasserbad und den Warmluftraum in das Warmwasserbad. Ölflakons und sichelförmige Messer geben davon Kunde, dass man sich mit duftenden Ölen einsalbte und sich hinterher das überschüssige Öl abstreifte.

Der fiktiven römischen Straße folgend, gelangten die Besucher zu stilisierten Nachbauten einer Ladenstraße mit verschiedenen Händlern und Handwerkern. Weiter ging es zu dem mit "Die Germanen kommen" überschriebenen Ende der Ausstellung. Im Jahre 233 hatten die Alamannen in breiter Front den Obergermanisch-Rätischen Limes überrannt. Bis 260 wurden sie von den Römern noch mehrmals zurückgeschlagen. Dann brach der Grenzschutz endgültig zusammen, das Limesgebiet war für das Imperium Romanum auf Dauer verloren.

Nach der Führung blieb den Teilnehmern aus Kirchheim noch reichlich Zeit, einzelne Ausstellungsobjekte vertiefend zu betrachten. Durch die anregend gestaltete Ausstellung im Stuttgarter Kunstgebäude erwachte bei nicht wenigen Teilnehmern der Wunsch, nun auch die Fortsetzung der Stuttgarter Repräsentation in Karlsruhe zu besuchen, die mit dem Untertitel "Römer, Christen und Alamannen" zeitlich an die Stuttgarter Ausstellung anknüpft.

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